Von Stephanie Sartor

Hunderte Milchviehhalter gingen heute in Berlin für einen höheren Milchpreis auf die Barrikaden. Doch selbst in den eigenen Reihen der Landwirte herrscht Krieg.

Bauer Josef scheppert vor dem Brandenburger Tor so laut mit seiner Kuhglocke, dass es selbst Angela Merkel im nahe liegenden Kanzleramt noch hören könnte. Der Allgäuer mit der Lederhose und dem Gamsbart am Hut will seinen Nachnamen nicht nennen. Bei sich zu Hause, kennt ihn ohnehin jeder. Das reicht, sagt er. Daheim hat er 60 Milchkühe im Stall stehen. Nur melken konnte er die heute Morgen nicht.

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In Berlin demonstrierten heute Hunderte Bauern für höhere Milchpreise. (© Foto: Getty Images)

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Um zwei Uhr in der Früh ist er mit seinen Mitstreitern aus Kleinweilerhofen nach Berlin gefahren. Hunderte andere Milchviehhalter aus dem ganzen Bundesgebiet haben es ihm nachgetan.

Geschlafen hat Bauer Josef diese Nacht nicht. Warum auch? "Wir wollen hier die Politiker aufrütteln", sagt er und schüttelt noch einmal die messingfarbene Glocke. Schlafen kann er auch später noch. Und um die CSU geht es irgendwie auch. "Die hat die Bauern im Stich gelassen. Dafür haben sie bei der Wahl bezahlen müssen", sagt Bauer Josef. Um's Zahlen geht es auch heute. Denn die Bauern wollen mehr Geld für ihre Milch.

Der Milchpreis hat mal wieder Tiefststände erreicht. Im Bundesdurchschnitt liegt der Milchpreis derzeit bei 33,4 Cent pro Liter. Tendenz fallend. Darum die Milchparade am Brandenburger Tor, organisiert vom Bundesverband Deutscher Milchbauern (BDM). Es müssten schon 40 Cent wenigstens sein, sagen die Bauern hier. "Sonst können wir unsere Betriebe zumachen", erklärt BDM-Sprecher Hans Foldenauer.

Milchquote nach oben geschraubt

Anfang des Jahres liegt der Preis noch bei rund 38 Cent. Dann stürzte der Preis ab, in manchen Regionen auf 27 Cent. Die Bilder haben sich eingeprägt: Milchbauern im ganzen Land riefen im Mai zu Lieferboykotten auf und schütteten täglich bis zu 35.000 Liter in die Abflüsse. Nach dem Boykott erreichte der Preis etwa 35 Cent pro Liter. Seit dem rückt die 40-Cent-Marke in immer weitere Ferne.

Was den Bauern besonders zu schaffen macht: Zum 1. April wurde die Milchquote, die maximale Menge also, die jeder Staat der Europäischen Union an Milch produzieren darf, um zwei Prozent nach oben geschraubt. Deutschland wird in den kommenden Wochen entscheiden, ob die zwei Prozent sofort auf die Milchbauern umgelegt werden, was zu mehr Milch auf dem Markt führen würde, oder ob mit der Erhöhung noch gewartet wird, bis die Preise nach oben gehen.

Für BDM-Sprecher Foldenauer wäre ersteres eine "Katastrophe", weil das Angebot die Nachfrage schon jetzt weit übersteige. Die Folge: noch weiter sinkende Milchpreise.

Am kommenden Montag befasst sich der Agrarausschuss im Bundesrat mit der Verteilung der von der EU genehmigten Milchquotenerhöhung. Ginge es nach Foldenauer, die zusätzliche Quote würde in der so genannten "nationalen Reserve" bleiben, um sie später, je nach Marktlage, abrufen zu können.

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