Scheinbar ist die Milchwelt wieder in Ordnung: Die Molkereien werden wieder beliefert, die Bauern bekommen mehr Geld. Doch die harten Verhandlungen stehen noch bevor.
Vier Tage nach dem ausgesetzten Boykott läuft die Milchversorgung der niedersächsischen Landwirte wieder wie gewohnt.
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"Die Milch geht überall im Land wieder an die Molkereien", sagte der Landesvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchbauern (BDM), Christian Niemann, am Dienstag in Hinte (Kreis Aurich). Für ihn sind die Forderungen der Bauern trotz erster Preiserhöhungen im Handel aber noch lange nicht erfüllt. "Unser Paket ist noch nicht durch."
Eine Reform der Mengenregulierung sei eines der wichtigsten Ziele neben dem oft genannten Abnahmepreis von 43 Cent für den Liter Milch.
100 Prozent für die Milchbauern
Derzeit gerät der Preis bei Milch-Überangebot unter Druck. Wie der Branchenriese Nordmilch aus Bremen mitteilte, sind Produktion und Auslieferung "so weit wieder angelaufen". Die Auswirkungen des zehntägigen Lieferstopps "lassen sich aber noch nicht beurteilen", sagte eine Sprecherin. Nordmilch werde steigende Einnahmen "zu 100 Prozent" an die Milchbauern weitergeben.
Jedoch führe ein moderat erhöhter Preis für die Milch im Supermarkt noch nicht automatisch zu höherem Gewinn bei den Bauern, da die Palette der Milchprodukte viel größer sei. "Insofern sehen wir noch harten Verhandlungen entgegen", hatte Nordmilch-Vertriebsvorstand Martin Mischel deshalb vor kurzem erklärt.
Am Dienstag hatte die Discounter-Kette Aldi in ganzseitigen Zeitungsanzeigen bekannt gegeben, die Verbraucherpreise für Frisch- und H-Milch nur um sieben Cent zu erhöhen, den Molkereien aber zehn Cent zubilligen zu wollen. Das geschehe, weil die Produktion von Milch "für viele Milchbauern zur Zeit nicht kostendeckend" sei.
Die drei Cent Differenz bedeuten dem Wortlaut der Anzeige folgend, "dass Aldi einen Teil der Mehrkosten für die Milch selbst übernimmt." Nach Expertenmeinung stimmt es nicht, dass Aldi mit dieser Ankündigung zum "Wohltäter" werde und die Kostenerhöhung teilweise schlucke.
Hinter der Rechnung stecke mehr als kluges Marketing, erklärt Hermann Simon vom Unternehmen Simon-Kucher & Partners in Bonn, das nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Preisberatung ist.
Edeka passt sich Aldi an
"Es ist keineswegs optimal, Kostenerhöhungen voll an den Kunden weiter zu geben. Der Gewinn wird vielmehr maximiert, wenn man etwa die Hälfte der Kostensteigerung weiterreicht", schreibt Simon. Die Ankündigung des Discounters sei kein ökonomisches Rätsel, sondern sehr intelligent.
Aldi teile die Kostensteigerung mit dem Verbraucher "und fährt damit besser, als wenn es die vollen Kosten weitergäbe." Der Lebensmittelkonzern Edeka folgt dem Aldi-Beispiel und kündigte am Dienstag an, seinen Aufschlag von zunächst zehn Cent wieder um drei Cent zurücknehmen zu wollen. BDM-Landeschef Niemann bleibt angesichts dieser ersten Erfolge dennoch skeptisch.
Die gesamte Produktpalette müsse teurer werden. Ob diese Forderung der Bauern jemals erfüllt werden könne, wollte Niemann nicht kommentieren. "Ich bin guter Dinge, was die Verhandlungen der nächsten Tage anbelangt, aber will heute noch keine Prognosen dazu abgeben."
(sueddeutsche.de/dpa/hgn/mel)
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