Die Landwirte haben genug vom niedrigen Milchpreis und beginnen einen Lieferboykott. Doch der Handel gibt erst einmal Entwarnung.
Um höhere Milchpreise zu erkämpfen, sind am Dienstag Tausende deutsche Landwirte in einen unbefristeten Lieferstreik getreten. Schon in den kommenden Tagen könnten frische Milch, Joghurt oder Quark in den Supermärkten knapp werden, warnte ein Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM). Die Wirtschaft wirft den Bauern dagegen "Panikmache" vor.
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Gegen Dumping: Landwirt Heino Weyhofen lässt Milch aus einem Tank direkt in den Abfluss laufen. (© Foto: dpa)
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"Im Laufe der Woche wird die Versorgung mit Frischmilchprodukten zum Erliegen kommen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des BDM, Stefan Mann, der Süddeutschen Zeitung. Auch die Herstellung von Schokolade oder Eiscreme sei auf frische Milch angewiesen. Die Beteiligung der Bauern an dem Lieferstopp sei größer als erwartet und erreiche in einzelnen Gebieten Deutschlands mehr als 90 Prozent.
Warten auf ein Angebot
Der Schwerpunkt liege in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Mann nannte den Streik "blanke Notwehr", da viele Betriebe kurz davor seien, "an die Wand zu fahren". Die Bauern fordern einen Milchpreis von 43 Cent pro Kilo, derzeit liegt er je nach Region zwischen 27 und 35 Cent. "Wir werden dem Spuk sofort ein Ende bereiten, wenn wir ein schriftliches Angebot auf die Hand bekommen", sagte Mann.
Die Milchbauern empfahlen Krankenhäusern, Altenheimen oder Schulen, "rechtzeitig ausreichend Frischmilch einzukaufen, da es zu Versorgungsengpässen kommen könnte". Von "Panikmache" sprach daher der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, Eckhard Heuser, der etwa 95 Prozent der deutschen Molkereien vertritt.
Er rechnet damit, dass bundesweit zunächst etwa 20 Prozent der Lieferungen ausfallen dürften; das ergab eine Umfrage unter Molkereien. Genaue Zahlen können erst in den kommenden Tagen errechnet werden. "Ich denke nicht, dass es Lücken im Kühlregal geben wird", sagte Heuser. Die Lager seien noch gut gefüllt. Auch könnten die Molkereien ihre Produktion kurzfristig von Milchpulver oder Käse auf Frischmilch umstellen, sodass es vorerst zu keinem Engpass kommen werde. Schwierig werde es dagegen, wenn mehr als 60 Prozent aller Milchbauern streikten.
Unterstützung von Seehofer
Auch die Supermärkte rechnen bislang nicht mit Hamsterkäufen. "Milch ist derzeit in großen Mengen am Markt, da wird es keine Versorgungsengpässe geben", sagte Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Zur Not würden die Ketten nicht zögern, Milch aus dem Ausland zu beziehen. Ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft sagte: "Wir mahnen zur Ruhe." Jedes Krankenhaus sei mit ausreichend Vorräten ausgestattet.
Die streikenden Milchbauern verfüttern ihre Milch nun an Kälber, verteilen sie als Dünger auf den Feldern - oder kippen sie direkt in die Güllegrube. Sie beklagen, dass ihre Produktionskosten vor allem für Futter im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent gestiegen seien. Das treibe viele Höfe an den Rand des Ruins. Zudem sinkt der Milchpreis seit Monaten, nachdem er im vergangenen Jahr kurzzeitig stark gestiegen war. Viele Bauern hatten daraufhin ihre Produktion ausgebaut. Sie wurden überrascht, als die Supermärkte Ende April den Verkaufspreis kräftig senkten. 32.000 der 100.000 deutschen Milchbauern sind im streikenden BDM organisiert. Sie produzieren 45 Prozent der heimischen Milch.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) versicherte den Streikenden "volle politische Unterstützung im Kampf um diesen fairen Preis". Er kündigte Widerstand gegen die Erhöhung der Milchproduktion in der EU an, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern.
Auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) zeigte Sympathie: "Angemessene Preise sind für die Milchbauern in unserem Land zur echten Überlebensfrage geworden", sagte er. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, sagte der SZ, ein Lieferboykott sei gerechtfertigt, könne "aber nur auf europäischer Ebene etwas bewirken".
(SZ vom 28.05.2008/tob)
An alle Verbraucher, wir starten jetzt den Milchprodukteboykott, mal sehen wer länger durchält!!
schon gar nicht die einer anderen Spezies. Die Aussage, Milch sei gut für die Knochen und schütze so vor Osteoporose, stimmt nicht, denn das enthaltene Calcium ist nur ein Bestandteil der Knochenmasse, die bei Osteoporose abnimmt. Osteoporose tritt in westlichen Ländern mit hohem Calcium- und Milchkonsum allerdings häufiger auf, als irgendwo anders in der Welt. Andere Faktoren, wie zu salzige Ernährung, Östrogenverlust in den Wechseljahren, Rauchen, Alkohol und zu wenig Bewegung spielen eine wesentlich größere Rolle als ein Mangel an Calcium.
Milch ist unbestritten eine Calciumquelle, aber lange nicht die beste. Grünes Blattgemüse, Samen und Nüsse, Sojabohnen, Tofu und hartes Leitungswasser enthalten manchmal sogar die vierfache Menge an Calcium. Pflanzliches Calcium kann mindestens genauso gut oder sogar besser aufgenommen werden. Außerdem ist unser Körper in der Lage, sich an eine geringere Calciumzufuhr anzupassen und seinen Bedarf zu verringern. Ein Calciummangel bei rein pflanzlicher Ernährung tritt also sehr selten bis gar nicht auf. Calciumverluste treten vor allem durch eine Ernährung mit viel tierischem Protein, also bei Fleischverzehr auf.
Petra_44 - Wenn Sie wegen dem Preis Kuhmilch der Sojamilch vorziehen, schlage ich Ihnen vor, sich im Internet nach einer Sojamilchmaschine umzugcken. Damit kommen Sie auf einen Literpreis um die 30 Cent.
Leser0815 gebe ich weitgehend recht, bis auf die Formulierung "Oligopol der Molkereien". Hier sollte eher von einem lokal bestimmten Monopol die Rede sein, da nicht viele Bauern zwischen zwei oder mehr Molkereien wählen können. Da fährt einfach nur "der Milchwagen".
Das ist ja pervers. Anderswo auf der Welt verhungern Menschen, und da pumpt jemand Milch in den Ausguss. Ich denke, dahinter steckt die Denkweise: "Was mir nichts nützt, soll auch anderen nichts nützen." Und mit dieser Denkweise konnte ich noch nie etwas anfangen. Schon allein aus diesem Grund lehne ich die Forderungen der Bauern nach höheren Preisen ab.
Dass der Preis zu niedrig sein soll, kann ich ohnehin nicht nachvollziehen. Biomilch (1,5% Fett) ist jedenfalls unter EUR 1,05 nicht mehr zu bekommen. Reicht das denn immer noch nicht?
Eigentlich ist die Sache ganz einfach. Sobald der Preis EUR 1,50 erreicht hat, kommt es von meiner Seite her zu einem Kaufboykott. Dann kann ich nämlich zum gleichen Preis auf Sojamilch umsteigen. Die macht zwar Flocken im Tee, ist aber ansonsten genauso gut.
Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu.
Aber an der Tierhaltung stimmt so gut wie Nichts.
Schaun Sie mal nach Schweden:
- Antibiotika-Anwendung seit 1986 verboten (nur zu therapeutischen Zwecken erlaubt)
- sehr strenge Schutzmaßnahmen gegen Salmonellengefahr
- Verwendung von Kadavermehl seit 1985 in Fütterung und Futterproduktion verboten
- Wasser im Futter hat Trinkwasserqualität
- Weidehaltung von Kühen ist Pflicht
- Stroh in Tierboxen ist Pflicht
- Konventionelle Käfighaltung von Hühnern verboten
- Schnabelkürzungen bei Hühnern verboten
- Schwanzkupieren von Schweinen verboten
- Tageslichtforderung (Fenster) in den Ställen
Und hier werden Kühe mit Mais gefüttert, den sie nicht verdauen können, produzieren Flatulenzen und Ecoli-Bakterien. Die Kälber werden mit Industriemilch großgezogen!
Der helle Wahnsinn- aus BSE nichts gelernt!!
Subventionen machen halt auch träge
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