Kühe schlachten für den Milchpreis - das klingt hart, ist aber vernünftig. Und geschlachtet wird sowieso - für Steaks und Hamburger.
Es ist ein Vorschlag, der nur schwerlich auf Sympathie stoßen wird: Wenn man europaweit eineinhalb Millionen Kühe "wegnehmen" würde, ließe sich der dramatische Verfall der Milchpreise stoppen. Das behauptet zumindest der Deutsche Bauernverband.
Es ist zuviel Milch am Markt - daher ist sie zu billig. Was hilft? Mehr Nachfrage oder weniger Angebot. Um die Menge zu drosseln, sollen Kühe geschlachtet werden, so der Bauernverband. (© Foto: AP)
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"Wegnehmen" klingt harmlos. "Schlachten" wäre das richtige Wort. Spontan sträubt man sich deshalb gegen solch eine Maßnahme. Und doch sollte ganz nüchtern darüber diskutiert werden.
Seit mehr als einem Jahr leiden die Milchbauern nun schon unter dem niedrigen Milchpreis. Der Grund dafür: Es ist einfach zu viel Milch auf dem Markt. Um das zu ändern, gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten.
Zum einen kann man die Nachfrage ankurbeln, indem man bessere Produkte herstellt und neue Märkte erobert. Das muss in jedem Fall geschehen. Die zweite Möglichkeit ist, das Angebot zu reduzieren, indem man den Bauern vorschreibt, wie viel sie höchstens produzieren dürfen.
Genau das hat die EU jahrelang gemacht und so für stabile Preise gesorgt. Doch diese Politik verhinderte in der Landwirtschaft den ganz normalen Strukturwandel, der in jeder anderen Branche stattfindet. Gerade deshalb gibt es ja so viele Milchbauern, die insgesamt zu viel Milch produzieren.
Die dritte Möglichkeit ist daher: Man reduziert die Zahl der Kühe, indem man eine gewisse Zahl schlachtet. Weniger Kühe bedeutet weniger Milch - was sich sofort im Preis niederschlagen wird.
Wer jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, sollte sich vor Augen halten: Allein in Deutschland sind im vergangenen Jahr 3,8 Millionen Rinder und Kälber geschlachtet worden. Einfach so. Damit die Menschen Hamburger oder Steak essen können.
(SZ vom 22.07.2009/kfa/tob)
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Jetzt wissen wir es also endlich: Die Kuehe sind schuld! Erst waren es die Molkereien, dann die Discounter aber jetzt ist es raus: Die Kuehe warens!
Und weil wir sie laut D Kuhr sowieso schlachten, fuer "Hamburger oder Steaks", schlachten wir halt einfach nochmal 1.5 Millionen Milchkuehe und das Problem ist geloest. Seltsam dass sie bspw nicht sagt: Die kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetriebe sterben in der BRD eh, da kann man schon ein paar Tausend Milchbauern weniger in Kauf nehmen.
D Kuhr sollte eigentlich wissen dass es solche Schlachtpraemien schon frueher gab als es noch um den Milchsee ging (der lag uebrigens gleich neben dem Rindfleischberg...soviel zu 1.5 Millionen zusaetzlicher Schlachtungen). Die armen, leidenen Milchbauern taten damals das was sie heute natuerlich auch wieder taeten, gaebe es seine solche Praemie: Sie schlachteten ihre aeltesten und unproduktivsten Milchkuehe. Dann, oft mit dem Geld aus dem Praemien ironischerweise, modernisierten sie die Melkanlagen, Staelle etc und schliesslich schafften sie neue Kuehe an denn sie konnten jetzt ja mehr Milch in der gleichen Zeit produzieren bzw verarbeiten.
"...und so für stabile Preise gesorgt. Doch diese Politik verhinderte in der Landwirtschaft den ganz normalen Strukturwandel, der in jeder anderen Branche stattfindet. Gerade deshalb gibt es ja so viele Milchbauern, die insgesamt zu viel Milch produzieren."
Endlich mal was das stimmt in dem Artikel. Aber statt die unsinnige Politik des endlosen Subventionierens von Milchbauern zu beenden, eroertert man lieber ernsthaft deren lachhafte Vorschlaege.
Man könnte auch die Zahl der Milchbauern reduzieren, dann verteilt sich das Geld auf weniger Produzenten. Das Bauern die Kulturlandschaft pflegen, ist doch eh Geschwätz, die versauen doch alles mit der chemischen Keule und der Gülle. Tiere zu töten, um Gewinne zu steigern, ist abartig. Dann noch Schlachtprämien verlangen, ist die Krönung.
rallmans hat das Wesentliche schön auf den Punkt gebracht.
Ergänzen möchte ich noch daß auch die Biobauern das hier beschriebene Problem nicht kennen. Zum einen käme wohl kein Biobauer schon aus ethischen Erwägungen auf die Idee seine Tiere abzuwracken oder in deren Milch zu baden - zum anderen produzieren Biobauern für einen Markt den es tatsächlich gibt.
Und nicht für einen Markt den ihnen der Steuerzahler mit Abwrackprämie, Exportzuschüssen oder Milchkontingentplanwirtschaft für viel Geld zurechtzimmern soll.
Was bei der Diskussion immer übersehen wird ist, dass es einige Groß-"Bauern" gibt, die auch bei 20 ct/l noch überleben können. Wird nun einfach der Milchpreis erhöht, dann geht es den kleinen Milchbauern nur unwesentlich besser - die Agrokonzerne verdienen sich dafür aber eine goldenen Nase.
Meiner Meinung nach gibt es deshalb nur zwei Lösungen.
- Die kleinen Bauern, insbesondere die mit Weidewirtschaft, werden für ihren Beitrag zur Landschaftspflege direkt bezahlt, je mehr Aufwand - Almwirtschaft, normale Weiden, nur Stallhaltung - desto mehr Geld. Der Erlös für die Milch wird zum Zubrot.
- Die Bauern machen regionales Marketing. Warum steht auf jeder Milchpackung in Österreich die Herkunft: Tiroler Bergbauernmilch etc. Die Österreicher sind bereit für diese Milch mehr zu bezahlen. Warum nicht die Bayern auch?
Der einfache Ruf nach höheren Preisen für alle löst das Problem auf keinen Fall.
Wunderbare Seelentröster für die Bauern? Mitnichten, Geldquellen für die Verarbeiter und die Abzocker der Bauern.
Denn dass damit der Milchpreis steigen könnte, halte ich für Etikettenschwindel.
Und eine Reduzierung des Angebots an Milch würde man wohl eher dazu benutzen die Verbraucher mit noch mehr künstlichen Zusätzen und Imitaten zu füttern und zu tränken.
Paging