Gemeinsam sollten Microsoft und Yahoo zum Marktführer Google aufschließen - das war die Idee von Microsoft-Chef Steve Ballmer. Doch das Geschäft platzte. Jetzt stehen beide Unternehmen im Netz so erfolglos da wie zuvor - und nähren mit ihrer Unfähigkeit zu einer Allianz die Quasi-Monopolstellung von Google.
Es ist die Geschichte vom Blinden und vom Lahmen: Der Softwarehersteller Microsoft ist erfolgreich mit seinen Programmen auf fast allen Computern der Welt vertreten - aber ihm fehlt die Präsenz im Internet, dem künftigen Vertriebs- und Marktplatz der Informationstechnologie(IT)-Branche.
Verhandelte mit Yahoo - erfolglos: Microsoft-Chef Steve Ballmer (© Foto: AP)
Anzeige
Der Fußkranke in diesem Bild heißt Yahoo. In den Pionierzeiten des Netzes war die Seite des Webportals die erste Anlaufstelle. Das ist lange vorbei. Wer heute im Internet sucht, lässt den Lahmen beiseite, er surft direkt auf das Suchangebot von Google.
Gemeinsam sollten der Blinde und der Lahme zum Marktführer Google aufschließen, das war die Idee von Microsoft-Chef Steve Ballmer. Die Preisvorstellungen des Yahoo-Managements haben das Geschäft platzen lassen. Jetzt stehen beide Unternehmen im Netz so erfolglos da wie zuvor und nähren mit ihrer Unfähigkeit zu einer Allianz die Quasi-Monopolstellung von Google.
Werben ohne Erfolg
Ballmer hatte alles versucht. Erst mit freundlichen Worten: Er hat die Stärke von Google gepriesen und über die eigene Schwäche geklagt. Dann hat er gezetert über die Verzögerungstaktik des Vorstands von Yahoo. Und am Ende mit einer feindlichen Übernahme gedroht. Dennoch blieb Ballmer, der für seinen starken Willen bekannt ist, der Erfolg versagt. Zum Glück, muss man sagen. Die Vorstellungen von Jerry Yang, Chef und Mitgründer des Portals, waren einfach zu hoch: Ein Kauf von Yahoo rechnet sich für Microsoft nicht um jeden Preis.
Auf lange Sicht kann sich das "Nein" von heute jedoch als fatale Weichenstellung für die Zukunft von Microsoft erweisen. Das Geschäft im Internet ist heute wichtig und morgen entscheidend für den Erfolg des Softwarekonzerns. Allein schafft es Microsoft nicht, und ein anderer Partner ist nicht in Sicht. Auf 40 Milliarden Dollar schätzen die Strategen des weltweit größten Softwareproduzenten die Ausgaben für Online-Anzeigen derzeit jährlich.
Bis 2010 sollen sich ihren Berechnungen zufolge die Werbebudgets im Netz verdoppeln. Beeindruckend haben Microsoft und Yahoo bislang unter Beweis gestellt, dass sie sich dieses Geschäft entgehen lassen. So erwirtschaftet die Online-Sparte des Softwareherstellers seit Jahren nur geringe Gewinne oder zuletzt sogar Verluste.
Yahoo erzielt zwar Gewinn, aber mit abnehmenden Steigerungsraten und in der Summe lächerlich wenig im Vergleich zum Platzhirschen.
Das Ergebnis des Internetpioniers lag 2007 bei 660 Millionen Dollar - das macht Google in sechs Wochen. Vor der Übernahmeofferte lag der Aktienkurs von Yahoo auf Vier-Jahres-Tief - in diese Abgründe wird er wieder abtauchen, wenn die Übernahmefantasie nicht mehr eingepreist ist.
Gerade noch drei Prozent der Deutschen nutzen Yahoo zur Suche im Internet. Die einstmals so beliebten Seiten des Portals steuern monatlich 11,5 Millionen Besucher in Deutschland an - sogar die Seiten des Kataloganbieters Otto sind mit drei Millionen Besuchern gefragter. Wenn Yahoo-Gründer Yang sein Unternehmen mit Preisen aus den Erfolgstagen bewertet, pokert er zu hoch.
Heute flimmert Internetwerbung auf Computern. Künftig wird das Internet vermehrt auf anderen Geräten als den Rechnern genutzt, auf Handys zum Teil schon jetzt, bald aber auch auf Fernsehern oder an öffentlichen Plätzen wie etwa einer Bushaltestelle. Dann kommt Online-Anzeigen eine weitaus größere Bedeutung zu als derzeit. Das Internet wird sich aber auch als Plattform für Computerprogramme etablieren.
Programme werden nicht mehr wie üblich auf der Festplatte eines Rechners installiert, sondern live über das Netz genutzt. Auch dieses Geschäft hatte Microsoft mit der geplanten Übernahme von Yahoo im Auge. Daraus wird nichts. Es gibt neben Yahoo derzeit keinen zweiten Partner, mit dem der Softwarekonzern seine Stellung vergleichbar schnell ausbauen könnte.
Weil der Blinde und der Lahme nicht zusammenfinden, heißt der Sieger Google. Hierzulande setzen neun von zehn Internetnutzern die Seite zur Recherche im Netz ein. Dabei wird es auf absehbare Zeit bleiben.
(SZ vom 5.5.2008)
Schlosshotels in Polen
Man kann den Abgesang dann anstimmen, wenn in dieser Angelegenheit wirklich das letzte Wort gesprochen wurde.
Bei den Summen die hier im Spiel sind ist es sicherlich nicht auszuschließen, daß MS aus taktischen Gründen die Gespräche für beendet erklärt.
Die nächsten Wochen werden zeigen, wie Yahoo an der Börse bewertet wird. Und dann schließe ich nicht aus, daß da noch was nachkommt. Für mich ist dieser Fall noch nicht abgeschlossen und deshalb stimme ich in den Abgesang nicht mit ein.
An Google bindet einen in der Tat nur die eigene Bequemlichkeit und Neophobie. Ehrlich gesagt denke ich, daß es Google mit dem Filtern schon übertrieben hat. Nicht selten kommt es dazu, daß ein Blog (hiphopmusic bspw.) an gewissen Wochentagen nicht gelistet wird (das ist jedenfalls mein Eindruck). Während bei Yahoo tendentiell weniger Seiten einer Site gelistet werden, dabei aber viele Sites abgedeckt werden, versucht Google vielleicht etwas zu bemüht interessanten Content festzuhalten, wobei sich da bemerkenswerterweise zeigt, daß Content, der mit dem Internet oder Computern zu tun hat, immer relevanter ist, als Content, der das nicht tut.
aha?
Mein Browser in Std.-Einstellung listet mir schon mehr wie ein Dutzend Suchmaschinen auf, es existieren noch weitaus mehr, und soviel ich weiss, ist niemand aus irgend einem Grund gezwungen, Google zu verwenden. Ausserdem kostet die Verwendung von Google kein Geld und es hat keine Auswirkungen auf andere Programme.
GANZ anders sieht das mit dem Betriebssystem von MS aus: Es wird zwangskombiniert (neudeutsch: Bundling) mit neuen Rechnern, oft kat der Kunde gar keine Chance, einen Rechner OHNE MS-Betriebssystem zu erwerben. Auch laufen viele Programme aussschliesslich auf diesem System, eine Migration auf eine Alternative somit nicht möglich. Und die bundesdeutschen Finanzämter erzwingen den Einsatz durch Steuerprogramme, die nur auf diesem System lauffähig sind. Hier haben wir eine geradezu kriminelle Verquickung von Gesetzgebung und Unternehmensinteressen.
Darüber könnte sich der Autor aufregen. Statt dessen fabuliert er etwas vom Google-Monopol.
Mein Gott, selbiges Monopol hätte der Autor zur Recherche benutzen können, vieleicht wäre der Artikel dann sachlicher ausgefallen...
DW