Google hat seine Konkurrenten durch die Übernahme von Doubleclick aufgeschreckt - jetzt schlägt der unterlegene Microsoft-Eigentümer Bill Gates zurück. Er mobilisiert die US-Kartellrechtbehörde.
Bill Gates, der reichste Mann der Welt, ist an Siege gewöhnt - und nicht an Niederlagen. Umso kränkender, dass sein Konzern Microsoft den Kampf um den Online-Werberiesen Doubleclick verlor - gegen den Rivalen Google. Dessen Gründer Sergey Brin und Larry Page hatten mit 3,1 Milliarden Dollar (knapp 2,3 Milliarden Euro) das meiste Geld bezahlt - und neben Microsoft auch Yahoo ausgestochen.
Für 3,1 Milliarden US-Dollar hat Google den Online-Werbevermarkter DoubleClick gekauft. (© Foto: dpa)
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Dass Google, der führende Suchmaschinenbetreiber, der bereits Marktführer bei Anzeigen zu Suchanfragen ist, somit seine starke Position noch stärker macht, hat die unterlegenen Mitbieter aufgeschreckt. Und so warnen Vertreter von Microsoft und des Telekom-Konzerns AT&T nun vor einer Einschränkung des Wettbewerbs bei Internet-Werbung - und mobilisieren das amerikanische Kartellamt.
Konkurrenz fordert kartellrechtliche Prüfung
Manager mehrerer Unternehmen hätten am Telefon beraten, wie man die US-Kartellbehörden zu einer harten Prüfung des Doubleclick-Kaufs bewegen könnte, berichtet das Wall Street Journal. Bill Gates ist mit Microsoft offenbar der Wortführer des Widerstandes.
Ausgerechnet Microsoft! Der Software-Riese hat bei Akquisitionen selbst oft genug Probleme mit den Wettbewerbswächtern gehabt. Jetztb kritisierte Microsoft-Chefjurist Brad Smith im Wall Street Journal, der Doubleclick-Kauf führe die beiden größten Anbieter von Internet-Werbung zusammen und schränke den Wettbewerb in der Branche erheblich ein. Google und Doubleclick würden zusammen mehr als 80 Prozent der Werbung umschlagen, die ein Internet-Nutzer sieht, wenn er eine Website ansteuert, argumentierte er.
AT&T-Manager Jim Cicconi rief die Wettbewerbsbehörden zu einer aufmerksamen Prüfung des Deals auf. Es entstehe der Eindruck, dass Google sich in eine dominierende Position als einziger Vermittler von Werbung im Internet bringen wolle. Google dagegen zeigt sich zuversichtlich, die Zustimmung der US-Kartellbehörden für das Geschäft zu bekommen.
Grafische Anzeigen von großer Bedeutung
Doubleclick vermittelt zwischen Werbetreibenden und Web-Seiten. Dabei platziert das Unternehmen Grafikanzeigen und solche mit Video. Google erlöst den überwiegenden Teil des Umsatzes mit Textanzeigen, die etwa auf den Suchseiten des Konzerns stehen.
"Uns ist klar geworden, dass die Bedeutung von grafischen Anzeigen größer ist, als wir gedacht haben", sagte Google-Chef Eric Schmidt. Der Konzern selbst hat schon mit solchen Werbeformen experimentiert, beschleunigt durch den Zukauf aber seinen Markteintritt.
Den Einsatz verachtfacht
Werbung im Internet gehört zu den am stärksten wachsenden Anzeigensegmenten. So legten die Umsätze mit Online-Werbung in Deutschland laut Zahlen des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft 2006 um 84 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu.
In diesem Jahr erwartet der Branchenverband ein Wachstum um 33 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Damit hat das junge Medium die Erlöse mit Radiowerbung hinter sich gelassen.
Klassische Online-Werbung, das Spezialgebiet von Doubleclick, wird demnach in diesem Jahr 46 Prozent der Umsätze mit Internet-Werbung erwirtschaften. Die Vermarktung von Suchworten, bislang Domäne von Google, trägt 45 Prozent der Erlöse. Für das deutsche Geschäft von Google hat der Kauf kaum Folgen, da die 1500 Kunden von Doubleclick überwiegend in den USA sitzen.
Die Platzierung von grafischen Anzeigen war bisher eine Stärke von Yahoo. Google kauft sich mit Doubleclick nicht nur die Technik für solche Reklame - die Internet-Suchmaschine bekommt auch den Zugang zu Kunden von Doubleclick, die bereits auf grafische Werbung setzen. Für AOL hat die Niederlage im Bieterkampf kaum Folgen, da das Unternehmen eng mit Google kooperiert.
Der Hauptverlierer: Microsoft
Das Nachsehen hat vor allem Microsoft. Der größte Software-Hersteller versucht seit geraumer Zeit, im Online-Geschäft Fuß zu fassen - mit wenig Erfolg. Microsoft ist offenbar aus der Bieterschlacht ausgestiegen, als die Gebote für Doubleclick bei mehr als zwei Milliarden Dollar lagen.
"Die Taschen von Microsoft sind tief", sagte ein Analyst: "Aber alles hat seine Grenzen." Der Software-Hersteller muss nun selbst ein entsprechendes Angebot entwickeln. Diesen Weg hat Microsoft schon bei seiner Suchmaschine und seinem Anzeigensystem beschritten. Bislang operiert die Sparte mit Verlust.
Klarer Gewinner der Übernahme ist die nordamerikanische Wagniskapitalgesellschaft Hellman & Friedman. Sie hat Doubleclick erst vor zwei Jahren für 1,1 Milliarden Dollar von der Börse genommen.
Die Papiere von Doubleclick - 1996 gegründet - kosteten 134 Dollar im Jahr 2000, in den Hochzeiten des Überschwangs um Technologiewerte. Nach der Ernüchterung an der Börse fiel die Aktie im Tief auf 4,53 Dollar. Mit dem Verkaufserlös konnten Hellman & Friedman ihren Einsatz verachtfachen, denn sie haben zuvor schon andere Teile von Doubleclick veräußert.
(sueddeutsche.de/dpa)
Schon komisch ! Monopolist Microsoft hat Angst vor Monopolist Google !
dass man für den Bericht nicht nochmal ein Rechtschreibprogramm verwenden könnte!
Rechtschreibfehler können enthalten sein ... ich werde ja nicht dafür bezahlt!