SZ: Wen treffen Sie in Hannover?

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Berg: IT-Chefs unserer Großkunden kommen, Konsumenten, die Verantwortlichen der öffentlichen Hand und dazu Partner und Mittelständler.

SZ: Mittelständler sind gerade besonders umworben. Warum?

Berg: Allein schon die Zahl an kleinen und mittelständischen Firmen macht diese Kundschaft für uns interessant. Viele dieser Betriebe haben Nachholbedarf bei standardisierter Software, und viele haben in den vergangenen Jahren kaum in IT investiert.

SZ: Aber gerade kleinere Firmen fehlt doch in der Krise das Geld?

Berg: Stimmt. Mittelständler geben nur Geld aus, wenn sie dadurch unmittelbar Vorteile oder Ersparnisse haben. IT-Investitionen müssen sich heutzutage viel schneller rechnen. Früher haben wir über Zeiträume von zwei bis drei Jahren gesprochen, heute muss sich eine IT-Ausgabe schon innerhalb eines Jahres bezahlt machen.

SZ: Marktführer SAP will in diesem Jahr endlich eine Mittelstandssoftware bringen. Haben Sie Angst?

Berg: Die müssen erst mal kommen. Kein anderer Anbieter in Deutschland verzeichnet so viele Neukunden wie Microsoft. Eine Basis für unseren Erfolg sind 31.500 Partner mit mehr als 200.000 Beschäftigten. Die verkaufen Software von Microsoft an Unternehmen, warten die Programme und passen sie an die Bedürfnisse an. Ein gutes Geschäft: Für jeden Euro Umsatz, den wir machen, macht der Partner acht Euro. Der Aufbau eines solchen Partnersystems nimmt viele Jahre in Anspruch.

SZ: Mit 2500 Mitarbeitern ist Microsoft in Deutschland selbst Mittelständler. Können Sie überhaupt eigenständig führen?

Berg: Die Zentrale in Redmond bei Seattle hat viel Vertrauen in die Regionen. Ich bin verantwortlich für Umsatz und Ergebnis von Microsoft hier in Deutschland - im guten wie im schlechten. Gerade erst hatten wir in den USA ein Treffen, bei dem es auch um die Zahlen ging.

SZ: Und? Sind Ihre Zahlen gut?

Berg: Deutschland ist hinter Japan und den USA der drittgrößte Markt für Microsoft, was Umsatz und Gewinn angeht. Im vergangenen Jahr sind wir in Deutschland stärker gewachsen als der Markt, der allerdings stagnierte.

SZ: Ihr Vorgänger ist gegangen, weil ihm bei Microsoft die Freiheit für eigene Entscheidungen gefehlt hat.

Berg: Ich habe so viele Freiheiten wie bei keinem anderen amerikanischen Konzern, für den ich je gearbeitet habe. Bei Microsoft führe ich die deutsche Niederlassung wie einen Mittelständler. Nur produzieren wir nicht vor Ort.

SZ: War es bei der Deutschen Telekom nicht interessanter? Sie saßen dort im Vorstand und haben an der Strategie mitgearbeitet. Jetzt führen Sie aus, was sich jemand in den Staaten ausgedacht hat.

Berg: Das ist so nicht richtig. Als Deutschland-Chef von Microsoft bin ich an allen wichtigen Strategiesitzungen beteiligt. Bei diesen Konferenzen sitzen drei bis vier Mal im Jahr an die 30 Vertreter der wichtigsten Microsoft-Regionen aus aller Welt zusammen und legen die Richtung fest. Das hat schon mal 21 Stunden am Stück gedauert, dieses Mal waren es zwei Tage mit je elf Stunden.

SZ: Wie oft erkundigt sich Microsoft-Chef Steve Ballmer nach den Dingen?

Berg: Zu Ballmer habe ich ein enges Verhältnis. Er mailt mich von Zeit zu Zeit an, wenn er an meiner Meinung interessiert ist. Die Nachrichten sind nur wenige Zeilen lang. "Was hältst du von unserem neuen Produkt?", fragt er etwa.

SZ: Treffen Sie ihn auch?

Berg: Jedes Mal, wenn er nach Deutschland kommt, joggen wir gemeinsam um sechs Uhr morgens. Er stellt dann kurze Fragen und rennt immer schneller. Ich habe eine halbe Stunde Zeit, neben her zu hecheln und zu antworten. So holt sich Steve seine Informationen.

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(SZ vom 25.02.2010)