Von Jens Schneider

Schon die Dimensionen der Indien-Reise der Kanzlerin mit großem Gefolge setzen ein klares Signal: Jahrelang sei der deutsche Fokus stark auf China ausgerichtet gewesen, sagte Merkel.

Die Kanzlerin ist in den vergangenen Monaten viel im Ausland unterwegs gewesen, aber so viel Zeit hat sie sich noch für kein Land genommen. Vier Tage lang wird Angela Merkel von diesem Montag an Indien bereisen und dabei von einer außergewöhnlich großen Delegation aus der deutschen Wirtschaft und Wissenschaft nach Neu Delhi und Mumbai, dem früheren Bombay, begleitet. Zwei Airbusse sind gebucht.

Merkel und Singh, ddp Bild vergrößern

Angela Merkel will beim indischen Premier auch für den Klimaschutz werben (hier bei einem Treffen auf der Hannovermesse). (© Foto: ddp)

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So setzen schon die Dimensionen dieses Ausflugs der Kanzlerin ein klares Signal. Die Reise nach Indien soll ein Missverhältnis beenden: Jahrelang sei der deutsche Fokus stark auf China ausgerichtet gewesen, sagte die Kanzlerin am Freitag bei einer Asienkonferenz in Berlin. Indien verdiene viel mehr Beachtung. Es biete für die Wirtschaft sehr große Chancen.

Siemens und BASF mit an Bord

Die deutschen Handelsbeziehungen mit Indien im Umfang von rund 10,5 Milliarden Euro seien zwar beachtlich, aber gemessen an der Dynamik der indischen Wirtschaft doch steigerungsfähig, heißt es vor der Reise der deutschen Delegation.

Die Kanzlerin wird bei ihrer ersten Indien-Reise von Spitzenmanagern wie Siemens-Chef Peter Löscher und BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht begleitet. Klimaschutz und vermehrter Einsatz von erneuerbaren Energien sollen Schwerpunkte der Gespräche sein.

Zugleich reisen Bildungsministerin Annette Schavan und die Präsidenten aller deutschen Wissenschaftsorganisationen mit. Gemeinsam mit Ministerpräsident Manmohan Singh will Merkel einen sogenannten Wissenschaftszug, Science Express genannt, starten. Die Eisenbahn soll in 56 Städten Station machen und die Kooperation beider Länder bekannt machen. Sie wolle dafür werben, dass mehr indische Studenten nach Deutschland kommen, kündigte Merkel an.

Kritik an Entwicklungshilfe

Aufmerken ließ vor dem Besuch Merkels Bemerkung, dass sie mit dem indischen Ministerpräsidenten auch über die deutsche Entwicklungshilfe sprechen wolle. Auch sie frage sich natürlich, ob es denn in Ordnung sei, so die Kanzlerin am Freitag, dass Deutschland in Indien Entwicklungshilfe leiste, wo doch dortige Unternehmen sehr gute Gewinne machten.

Im von Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) geführten Entwicklungsministerium zeigte man sich verwundert, dass die 64-Millionen-Euro-Hilfe für Indien von höchster Stelle in Zweifel gezogen wurden. Die Kooperation mit Indien sei vor allem auf Felder ausgerichtet, wo Deutschland ein großes Eigeninteresse habe, heißt es in einem Bericht des Hauses zur Zusammenarbeit mit Indien.

Die Schwerpunkte lägen im Bereich der Energieeffizienz, des Umweltschutzes und der Eindämmung der Erderwärmung. Der größte Teil der Hilfe werde als Darlehen vergeben und ,,selbstverständlich verzinst zurückgezahlt werden''.

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(SZ vom 29.10.2007)