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16.04.2008    8:38 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Neue Arbeitswelt

Viele Rentner bessern als Minijobber ihre Einkommen auf. Doch ist das gleich schon Altersarmut? Nein, denn viele Menschen haben mehr als einen Job - weil sie gerne arbeiten.
Ein Kommentar von Sibylle Haas


Den Rentnern in Deutschland geht es nicht besser, aber auch nicht schlechter als vielen, die in Lohn und Brot stehen.
Foto: ddp
 

Die Szenarien sind erschreckend: 70-Jährige, die in Supermärkten Regale auffüllen oder Parks saubermachen, die in Einzimmerapartments hausen und im Abfall nach Essbarem suchen. Alte Menschen, die kein Geld für Medikamente haben.

Rentner, die zum Pflegefall geworden sind und in drittklassigen Heimen verkümmern. Altersarmut, so warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), wird das Problem der Zukunft sein. Derzeit lebe die letzte Rentnergeneration mit auskömmlichem Einkommen. In spätestens 15 Jahren müssten Millionen Rentner von der Sozialhilfe leben, so DGB-Chef Michael Sommer in der Bild-Zeitung.

Schon heute bessern viele Rentner als Minijobber ihre Einkommen auf. Doch ist das gleich schon Altersarmut? Nein, denn wenn Rentner jobben, dann kann das viele Gründe haben. Natürlich wird, wer mehrere Jahre arbeitslos war oder sich als Billigarbeiter durchs Erwerbsleben geschlagen hat, auch im Alter nur eine mickrige Rente erhalten.

Natürlich wird die staatliche Rente auch bei allen, die immer gearbeitet haben, nicht das Niveau ihres letzten Jahresgehalts erreichen können. Das alles weiß man spätestens dann, wenn man ins Arbeitsleben einsteigt. Fakt ist schon lange: Wer im Alter gut leben will, muss in der Jugend sparen oder weiterarbeiten.

Wer arbeitet, gilt als aktiv und jung

Arbeiten hat aber nicht nur einen pekuniären Wert. In Wohlstandsgesellschaften dient der Job kaum mehr dem Überleben, weil im schlimmsten Fall der Staat für die Grundsicherung geradesteht. In Wohlstandgesellschaften ist die Arbeit vor allem ein Prestigegewinn. Wer arbeitet, gilt als aktiv, als jung und als jemand, der etwas tun und verändern will.

Wer arbeitet, der leistet einen Beitrag - auch für andere. Allein das kann Antrieb genug fürs Jobben im Ruhestand sein. Immer mehr Rentner wollen auch im Alter etwas tun, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Einige übernehmen ein Ehrenamt, andere hüten die Kinder der Nachbarn, wieder andere füllen eben Regale im Supermarkt auf. Der Staat fördert das mitunter, etwa indem er den Hinzuverdienst ohne Rentenabstriche in gewissem Umfang zulässt.


Den Rentnern in Deutschland geht es nicht besser, aber auch nicht schlechter als vielen, die in Lohn und Brot stehen. Freilich haben Rentenkürzungen ihre Kaufkraft geschwächt. Doch Tariflöhne sind in den vergangenen Jahren ebenfalls kaum gestiegen. Mancher, der im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, musste seit 2004 Lohneinbußen von bis zu 20 Prozent verkraften.

Es liegt vor allem an den gesetzlichen Rahmenbedingungen, dass es immer mehr Menschen gibt, die zwei oder mehr Jobs haben. So können zum Beispiel seit Frühjahr 2003 bei einem Minijob bis zu 400 Euro monatlich steuer- und abgabenfrei hinzuverdient werden, auch wenn man einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nachgeht. Der Zweitjob lohnt sich also seitdem besonders. Die Entwicklung zeigt auf, dass sich die Arbeitswelt ändert.

Klassische Arbeitsverhältnisse sind in Deutschland zwar noch immer das Gros, doch sie lösen sich allmählich auf. Leiharbeit, zeitlich befristete Arbeitsverträge und Interims-Management sind einige Beispiele dafür. Das kann man beklagen, wie die Gewerkschaften, die in die unsichere Beschäftigung lediglich ausbeuterische Motive der Arbeitgeber hineindeuten.

Wer als Rentner noch arbeitet, muss kein armer Mensch sein

Dies mag an der einen oder anderen Stelle stimmen - etwa, wenn Firmen die durch neue Arten der Beschäftigung gewonnene Flexibilität nicht ordentlich bezahlen. Denn: Wer keinen Kündigungsschutz hat, sollte mehr verdienen als sein festangestellter Kollege, weil er ja das Risiko der schnelleren Arbeitslosigkeit trägt.

Man kann die neuen Beschäftigungsverhältnisse aber auch gut finden. Es gibt Menschen, die gerne von einer Firma zur anderen ziehen, weil sie wechselnde Jobs interessant finden. Und es gibt auch Arbeitnehmer, denen lange Kündigungsfristen bei der Suche nach einem neuen Job hinderlich sind. Mehr Durchlässigkeit am Arbeitsmarkt kann auch den Beschäftigten nutzen - und wer als Rentner noch arbeitet, der muss keineswegs ein armer Mensch sein.


(SZ vom 16.04.2008/jkr)

Leserkommentare (8)



17.04.2008 13:39:53

Python11: frau haas hat sicher spaß an ...

ihrem job... ich hab auch spaß an meinem.... das wäre es aber auch schon an Gemeinsamkeiten... Ansonsten ist dieser kommentar wirklich sehr sehr schwach,,, und entbehrt jeglichen Realitätssinn.


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