Strafzölle Einen Handelskrieg mit China kann Trump nicht gewinnen

Mais- und Sojafelder in Illinois: hier treffen Zweige der Lebensmittel- und Kraftstoffindustrie aufeinander.

(Foto: AFP; Bearbeitung SZ)

Der US-Präsident mag mit seinen Drohungen legitime Interessen verfolgen. Doch seine Theorie ist grundlegend falsch - und sein Gegner zu mächtig.

Kommentar von Nikolaus Piper

Im Handelskrieg der Worte mit der Volksrepublik China hat der amerikanische Präsident eine neue Eskalationsstufe erreicht. Jetzt bedroht er chinesische Waren im Wert von weiteren 100 Milliarden Dollar mit Strafzöllen. Sollte die chinesische Regierung ihm mit gleicher Münze heimzahlen, womit man nach Lage der Dinge rechnen muss, wären, rein rechnerisch, sämtliche Importe der Vereinigten Staaten nach China betroffen. Das "Wie du mir, so ich dir" zwischen Washington und Peking wird immer härter geführt.

Trump begebe sich mit seinen Drohungen in ein "Minenfeld", kommentiert ein konservativer republikanischer Senator. Das aus dem Militärischen entlehnte Sprachbild passt. Trumps Marsch in den Handelskrieg erinnert in vielem an militärische Abenteuer früherer Präsidenten, die ihr Land mit einer fehlgeleiteten Strategie in eine ausweglose Situation brachten. Irak ist dafür das jüngste Beispiel, Vietnam das wichtigste. Die Analogie stimmt auch in anderen Punkten. So gab es, als unter John F. Kennedy die Verstrickung in Vietnam begann, durchaus ein nachvollziehbares Motiv: Ein verbündetes Land sollte vor einer brutalen kommunistischen Guerilla geschützt werden. Tatsächlich jedoch wurde das Land durch den Krieg nicht geschützt, sondern zerstört und die amerikanische Öffentlichkeit hinters Licht geführt.

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Auch im Handelsstreit mit China gibt es ein legitimes Motiv: die Volksrepublik zur Anpassung vieler Praktiken in der Wirtschaftspolitik zu bewegen. China ist heute eine Handels-Supermacht, verhält sich aber manchmal noch wie ein Entwicklungsland, zum Beispiel was den Schutz geistigen Eigentums betrifft. Hier haben auch die Europäer ganz ähnlich gelagerte Interessen wie die Vereinigten Staaten. Die Frage ist aber: Hat Trump eine Strategie für sein Ziel? Niemand weiß das. Deshalb sind die Börsen, deshalb ist die internationale Gemeinschaft inzwischen so nervös. Deshalb fürchten viele um den Aufschwung der Weltwirtschaft.

Was man weiß ist, dass Trump über eine falsche Theorie und über archaische Mittel verfügt - Zölle und Beschimpfungen von Handelspartnern. Über die Theorie lassen der Präsident und sein unseliger Wirtschaftsberater Peter Navarro keinen Zweifel. In ihrer Fantasiewelt sind alle Länder böse, die mehr nach Amerika verkaufen, als sie von dort beziehen. Handel ist demnach ein Nullsummenspiel: Wenn die USA in ihrer Handelsbilanz ein Defizit haben, dann kann das nur an den unfairen Praktiken anderer Länder liegen. Die simple Botschaft, dass ein wesentlicher Teil des weltweiten Wohlstands auf Handelsgewinnen beruht, dringt nicht mehr durch zu dem Teil der amerikanischen Öffentlichkeit, der dem Präsidenten zujubelt.

Zu der fatalen Theorie gehört auch die Überzeugung, dass Handelskriege "gut und leicht zu gewinnen" seien. Mit einigem Zynismus kann man sagen: Wenn die USA in so einem Handelskonflikt ein kleines Land, etwa Südkorea, angreifen, dann kann der Satz sogar stimmen. Die Volksrepublik China ist aber kein kleines Land, sondern die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde und der größte Gläubiger Washingtons. Ein Handelskrieg gegen China ist nicht zu gewinnen, wenn man denn überhaupt definieren kann, was die Worte "Sieg" und "Niederlage" in so einem Fall bedeuten. Eine ausgeglichene Handelsbilanz erreicht Trump auf diesem Wege jedenfalls nicht. Das wäre nur möglich, wenn die USA als Nation wesentlich mehr sparen und/oder weniger investieren und konsumieren würden. Aber das strebt der Präsident ja gar nicht an. Stattdessen führt er sein Land in ein Minenfeld, das niemand kennt.