Mehr Betrugsfälle Geldwäsche nimmt in Deutschland stark zu

Umsatzsteuerkarusselle, Finanzagenten und krumme Deals mit Immobilien: Noch nie gab es in Deutschland so viele Verdachtsanzeigen wegen Geldwäsche wie 2011. Die Fahnder fürchten, dass dieser Trend weiter zunehmen wird.

Verdachtsanzeigen wegen Geldwäsche haben im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt seien 12.868 Verdachtsmeldungen nach dem Geldwäschegesetz bei der nationalen Zentralstelle zur Bekämpfung der Geldwäsche und der Finanzierung des Terrorismus eingegangen, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. Verdachtsanzeigen sind Pflichtmitteilungen, die beispielsweise Banken an die Behörden weitergeben müssen, wenn der Geschäftspartner dubios erscheint.

2011 waren es 17 Prozent oder etwa 1800 Fälle mehr als noch 2010 - ein neuer Höchststand seit Inkrafttreten des Geldwäschegesetzes im Jahr 1993. Bei knapp der Hälfte der Anzeigen erhärtete sich der Verdacht einer Straftat, sagte BKA-Chef Jörg Ziercke.

Das BKA beobachtet Trends der Geldwäscher: Sie werben zunehmend Privatpersonen an, die ihr Konto für Geldwäsche-Transaktionen zur Verfügung stellen, sogenannte Finanzagenten. 2011 war das in fast 4000 Fällen der Grund für eine Verdachtsmeldung.

Ziercke warnte: "Sich als Finanzagenten anwerben zu lassen und damit schnelles Geld verdienen zu wollen, ist nur ein vermeintlich lukratives Geschäft. Ihnen drohen nicht nur Strafen wegen leichtfertiger Geldwäsche, sie müssen auch mit Schadensersatzansprüchen der Geschädigten rechnen."

Probleme im Immobiliensektor

Auch der Umsatzsteuerbetrug beim Handel mit Strom und Gas oder mit großen Importen von Handys gehöre weiterhin zu den gängigen Tricks. "Bei derartigen Umsatzsteuerkarussellen werden neben hochpreisigen Waren zunehmend immaterielle Wirtschaftgüter und Dienstleistungen gehandelt", erklärte Ziercke. Hier sei das Risiko geringer, weil die Güter nicht physisch bewegt werden müssten.

Probleme sehen die Fahnder weiterhin im Immobiliensektor. Eine im Auftrag des BKA durchgeführte Fachstudie zur "Geldwäsche im Immobiliensektor in Deutschland" kommt zu dem Schluss, dass sich der Immobilienmarkt für Geldwäscheaktivitäten eignet. Gleichzeitig sei das Wissen über Betrügereien in diesem Bereich immer noch gering.

Auch 2011 ging - wie schon in den Vorjahren - keine einzige Verdachtsmeldung von Immobilienmaklern bei den zuständigen Behörden ein. Man werde "aktiv auf den Immobiliensektor zugehen, um das Bewusstsein für die Geldwäscheprävention zu schärfen", kündigte Ziercke daher an.

Werden Spielautomaten zur Geldwäsche missbraucht?

Auch die Betreiber von Spielhallen stehen im Verdacht, in ihren Zockerbuden Geldwäsche zu betreiben. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) warnt davor, dass die Automaten für illegale Aktivitäten genutzt werden. Das Problem: Die Spielgeräte dokumentieren Einwürfe und Gewinnausschüttungen nur ungenau und die Aufzeichnungen lassen sich leicht fälschen.

Das BKA vermutet, dass die Betrügereien weiter zunehmen werden. Das ließe sich aus den Zahlen für das erste Halbjahr 2012 schließen: In den ersten sechs Monaten seien bereits 6798 Verdachtsanzeigen eingegangen, ein Anstieg von circa fünf Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.