Ein Kommentar von Melanie Ahlemeier

Hartmut Mehdorn verlässt die Bahn, pocht aber auf das volle Chefgehalt bis Mai 2011 - notfalls mit Hilfe eines Anwalts. Und das ist gut so.

Auge um Auge, Zahl um Zahl: Noch-Bahnchef Hartmut Mehdorn will auch nach seinem vorzeitigen Abschied vom Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn nicht auf sein Gehalt verzichten. Mit seinem Rücktrittsangebot ("Ich habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Auflösung meines Vertrages angeboten") befindet er sich juristisch betrachtet schon einmal auf der sicheren Seite.

Hartmut Mehdorn, Foto: Getty

Bahn-Chef Mehdorn pocht auf die finanzielle Erfüllung seines Arbeitsvertrages. (© Foto: Getty)

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Er bietet seine Arbeitskraft weiter an, aber die Bundesregierung als Arbeitgeber möchte gerne darauf verzichten. Das ist ihr gutes Recht - nur muss sie sich darüber im Klaren sein, dass auch sie sich an bestehende Verträge halten muss. Ergo, dass sie zahlen muss.

Mehdorns Vertrag läuft bis Mai 2011. So lange hätte er den letzten deutschen Staatskonzern gelenkt. Als Fixgehalt hat der 66 Jahre alte Bahnchef im vergangenen Jahr 750.000 Euro kassiert, dazu kommen variable Bezüge. In den vergangenen Jahren sollen die Boni teils dreimal so hoch wie das Festgehalt ausgefallen sein.

Gemessen an dem Job, den Hartmut Mehdorn über viele Jahre sehr erfolgreich erledigt hat, ist das bescheidene Millionengehalt für den ausgebildeten Ingenieur ein Witz. Mehdorn als Angestellter in der Privatwirtschaft hätte mit seinem Wissen und seiner Erfahrung locker ein Mehrfaches kassieren können. Oder anders formuliert: Der einstige Chef der Deutschen Airbus und der Heidelberger Druckmaschinen AG hat bei der Bahn über Jahre hinweg einfach viel zu wenig verdient.

Sicher, quer durch die Republik wird auf einer sehr emotionalen Ebene heftig über Chaos- und Pleitebanker sowie über deren Boni und Abfindungen debattiert. Mehdorn mit den Skandalbankern allerdings in einen Topf zu werfen, ist nicht gerechtfertigt. Der Appell des stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg, der in der vergangenen Woche eine Einigung zwischen Bund und Mehdorn gefordert hatte, die dann "die aktuelle Diskussion über Bonus- und Abfindungszahlungen reflektieren" müsse, geht in die Leere. Bei Mehdorn dreht es sich nun vor allem ums Fixgehalt, nicht um Boni.

Er bekommt auch keine "Abfindung". Es wird lediglich das Einkommen des fest vereinbarten Vertragszeitraums ausbezahlt. Mehdorn hat einen Anspruch darauf. Er gleicht das Risiko ab, das mit einer solchen Position verbunden ist. Wo kämen wir hin, wenn Arbeitsverträge einfach hinfällig werden, nur weil es einer Tarifpartei so passt?

Nichts wäre leichter, als die Reizfigur Hartmut Mehdorn an den Pranger zu stellen. Schließlich hat er als Bahn-Chef etliche Pannen zu verantworten. Das verkorkste Preissystem "Plan & Spar" zählt ebenso dazu wie der Bedienzuschlag - noch ehe die Servicegebühr für Beratung am Ticketschalter eingeführt wurde, wurde sie auch schon wieder abgeschafft. Auch die Datenaffäre, die noch nicht abschließend aufgeklärt ist, fällt in die Ära Mehdorn.

Dennoch: Recht ist Recht und muss auch für Hartmut Mehdorn gelten. Und angesichts der fünf Milliarden Euro, die sich die Bundesregierung das Verschrotten noch fahrfähiger Autos kosten lässt, sind die Mehdorn-Millionen nur Peanuts.

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(sueddeutsche.de/jja)