"Wir haben gegen keine Gesetze verstoßen", beteuert Mehdorn. Die Sonderermittler, unter ihnen Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), sehen das anders. Baum berichtete dem Aufsichtsrat von Verstößen gegen das Fernmeldegeheimnis. Und davon, dass womöglich auch Paragraf 303a des Strafgesetzbuches verletzt worden sei. Wer rechtswidrig Daten löscht, unterdrückt oder unbrauchbar macht, so steht da zu lesen, macht sich strafbar.

Deutsche Bahn, dpa

(© Foto: dpa)

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Am 4. Oktober 2007 sollte eine Mail der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) Mitglieder über ihre Rechte im Streik aufklären. Doch die Mail an die GDL-Mitglieder bei der Bahn kam nie an. Die Bahn erklärt, ihre Rechner seien überlastet gewesen, deshalb habe die Post nicht weitergeleitet werden können. "Das kam uns schon damals merkwürdig vor", sagt GDL-Chef Claus Weselsky. Jetzt will er den Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix einschalten.

Die Lokführer wollen wissen, ob die Bahn noch in anderen Fällen versucht hat, den Lokführer-Streik 2007 zu manipulieren. Und noch ein weiterer Verdacht ist Weselsky inzwischen gekommen. Womöglich könnte die Bahn indirekt auch hinter dem Hackerangriff stecken, der während der Streikwelle die GDL-Homepage lahmlegte - und das interne Netz der Gewerkschaft gleich mit. "Ein solcher Verdacht regt sich", sagt Weselsky. "Nach allem, was da passiert ist." Das Vertrauen ist verloren.

Das gilt offenbar auch für einen Teil das Managements. Vergangene Woche verfassten Führungskräfte des Konzerns eine Solidaritätsadresse an Mehdorn. "Die Entwicklung des Unternehmens ist eine Erfolgsgeschichte", lobten die Autoren. Der Vorstand genieße "unser volles Vertrauen und die uneingeschränkte Unterstützung" im Kampf gegen Korruption.

Doch der Schuss ging nach hinten los. Viele Vorstände wichtiger Tochterfirmen setzten ihre Unterschrift nicht unter das Schreiben. Bei wichtigen Töchtern wie DB Regio, Fernverkehr und Schenker Rail unterschrieben von 16 Vorständen nicht einmal die Hälfte. Der Brief verschwand in der Schublade.

Doch Mehdorn, 66, sieht es genau so: Der Kampf gegen Korruption und Verrat kann nicht Unrecht sein, so hat er befunden. Aufgrund legitimer Handlungen zurückzutreten, damit letztlich das eigene Handeln für Unrecht zu erklären, "dafür stehe ich nicht zur Verfügung", erklärte er Freitagabend.

Fragen wollte er nicht beantworten - schließlich komme man ja am Montag wieder zusammen, zur Vorstellung der Bilanz. Und da, so regte Mehdorn selber an, "können wir vielleicht dies und jenes noch mal hinterfragen."

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  1. Ein Wahnsinns-Unternehmen
  2. Sie lesen jetzt Wie hat die Bahn den Lokführerstreik manipuliert?
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(SZ vom 30.03.2009/liv)