Medienkonzern Burda-Chef kritisiert Googles Macht

  • Burda-Chef Kallen kritisiert die Wettbewerbsbedingungen im Internet: Amerikanische Konzerne seien klar im Vorteil, weshalb die Politik handeln müsse.
  • Die Umsätze des Medienhauses sind im vergangenen Jahr um sieben Prozent gesunken. Burda erwägt, Bezahlschranken im Internet einzuführen.

Burda macht Google Vorwürfe

Das Münchner Medienunternehmen Hubert Burda Media hat den Einfluss und die Macht von amerikanischen Internet-Konzernen wie Google scharf kritisiert und fordert Maßnahmen der Politik. "Wir müssen fairen Wettbewerb schaffen", sagte der Vorstandsvorsitzende Paul-Bernhard Kallen der Süddeutschen Zeitung. Es gehe um Subventionen in Milliardenhöhe und um Spielregeln, mit denen die US-Anbieter geschützt würden.

"Unser Problem ist, dass wir diese Spielregeln und Vorteile für europäische Unternehmen einfach nicht haben. Wir treten unter ganz anderen Bedingungen an, wir zahlen Steuern, wir haben härtere Datenschutzregeln. Amerikanische Unternehmen aber dürfen ihre eigenen Spielregeln nach Europa mitbringen", sagte Kallen. Er fordert gleiche Rahmenbedingungen für alle europäischen und amerikanischen Unternehmen.

Der Burda-Chef im Wortlaut Lesen Sie das vollständige Interview im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung vom 9. März 2015 oder in der digitalen Ausgabe.

Kallen pocht auf Alternativen zu US-Angeboten

Scharf kritisierte er in diesem Zusammenhang die US-Regierung und Präsident Barack Obama: "Dass wir uns in diesem Zusammenhang von einem amerikanischen Präsidenten sagen lassen müssen, die unfairen Wettbewerbsvorteile für die US-Konzerne sind richtig, weil die das Internet erfunden haben, das ist doch wirklich ein Gag."

Kallen forderte, dass es künftig Alternativen geben müsse: "Wer ein Betriebssystem von Google hat, muss die Möglichkeit haben, die Suchmaschine oder ein Bezahlsystem eines anderen Anbieters zu nutzen. Die Pakete müssen entbündelt werden", sagte Kallen der Süddeutschen Zeitung.

Umsatzrückgänge durch Probleme in Russland

Nach Angaben Kallens ging der bilanzielle Umsatz des Burda-Konzerns im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zurück. Grund sei zum einen, dass sich das Unternehmen von der Mehrheit des Online-Tierfutterherstellers Zooplus getrennt hat und dessen Umsatz nicht mehr konsolidiert. Zum anderen gebe es erhebliche Probleme in Russland und der Ukraine, dort gibt Burda 60 Magazine heraus. "Der Verfall des Rubels trifft uns enorm, die Konjunktur kommt ins Stottern, das schlägt durch", betonte Kallen. Ohne diese beiden Effekte hätte sich der Burda-Umsatz um 7,8 Prozent erhöht. Ursprünglich hatte Burda mit einem Umsatzplus von zehn bis 15 Prozent im Jahr geplant.

Zudem kündigte der Burda-Chef an, dass es künftig im Internet auch von seinem Unternehmen Paid-Content-Angebote geben könnte. "Auch wir werden in Zukunft mit Bezahlinhalten experimentieren", sagte Kallen. Er fügte an: "Nur in engem Kontakt mit dem Leser und Kunden kann man herausfinden, was wirklich klappt. Je weniger Scheuklappen man hat, desto besser." Bislang war das Unternehmen sehr kritisch gegenüber Bezahlangeboten im Internet gewesen.