Media-Saturn-Gruppe Was haben Sie hier zu suchen?

Der Streit bei der Metro-Tochter Media-Saturn gleitet ins Groteske ab: Bei einer Gesellschafterversammlung müssen zwei Prokuristen den Raum verlassen. Die Kontrahenten streiten ernsthaft über die Anfertigung eines Protokolls. Blöd nur, dass sie die wichtigen Themen ignorieren.

Von Uwe Ritzer

Was ist von einer wichtigen Konferenz zu halten, die um zehn Uhr morgens beginnt und sich bis Mittag nur mit Verfahrensfragen beschäftigt? Das deutet auf ein tief liegendes Zerwürfnis hin, genauso, wie es in der Elektronikmarktkette Media-Saturn tatsächlich der Fall ist: Auf der einen Seite, mit großer Kapitalmehrheit, die Düsseldorfer Metro-Gruppe, die wiederum zum Familienkonzern Haniel gehört. Auf der anderen Seite die Gruppe um die beiden rührigen Firmengründer Leopold Stiefel und Erich Kellerhals, die mit wichtigen Vetorechten ausgestattet ist.

Um die Elektronikmarktkette Media-Saturn gibt es Ärger: Am Montag stritten die Gesellschafter über wichtige strategische Fragen, aber auch über Kleinkram.

(Foto: dapd)

Am Montag sollten die verfeindeten Fraktionen ihren Dauerstreit in einer Gesellschafterversammlung beenden, doch das ist angesichts der Konstellation schwieriger, als in einem Saturn-Markt samstags eine ordentliche Fachberatung zu bekommen.

Im Konferenzraum in Ingolstadt herrschte von Anfang an dicke Luft. Mitgründer Kellerhals rügte, dass Metro-Chef Eckhard Cordes die Versammlung leite. Eine Streitpartei als neutrale Instanz, das wollte ihm nicht einleuchten. Und dann ging es um die Frage, wer bei dem Showdown überhaupt teilnehmen dürfe. Die vier Prokuristen, die Metro ins Gefecht geschickt hatte, seien ja wohl eindeutig zu viel, monierte Kellerhals.

Die Reaktion von Cordes: Er schickte zwei aus dem Quartett raus. Umgekehrt fragte die Gegenseite, ob Kellerhals und sein Sohn wohl bleiben dürften - und problematisierte dabei offenbar die Gepflogenheiten bei der Salzburger Firma Convergenta, über die Kellerhals und seine Gattin Helga wirken.

Man kann herrlich über solche juristischen Spitzfindigkeiten streiten. Mancher der Beteiligten wurde das Gefühl nicht los, dass "die ganze Party platzen sollte", wie ein Beteiligter sagt. Kellerhals durfte am Ende drinbleiben.

Um das Cash-Pooling geht es erst später

Dafür stritt sich die Runde über die Arbeit der zwei Stenographen, die im Bayerischen Landtag während der Parlamentsdebatten ihren Dienst verrichten. Weil es bei der letzten Media-Saturn-Sitzung Zoff über das Protokoll gegeben habe, kritisierte Kellerhals offenbar den Einsatz des Duos. Der Kompromiss sieht so aus, dass die beiden Stenographen eine Vorlage für den Chefjustiziar erstellen - der dann das offizielle Protokoll erstellt.

Es ist alles hochpolitisch bei Media-Saturn. Am Nachmittag erst ging es um die echten Streitpunkte. So kritisiert die Kellerhals-Seite, dass Media-Saturn zum Cash-Pooling mit anderen Metro-Firmen gehört - und auf diese Art billig Geld zur Verfügung steht. Dann ging es um die Suspendierung eines Geschäftsführers der Media-Saturn-Holding, der in eine Korruptionsaffäre verwickelt sein soll. Eine Sonderprüfung ist im Gespräch.

Schließlich stand der Kauf von zwei Internetfirmen auf der Tagung, i-Bood und rebuy. Kellerhals hat dagegen, so sagen Metro-Kreise, auf der Sitzung vom Montag sein Veto eingelegt. In der Sitzung wurde aber beschlossen, der Metro-Konzern werde die beiden Firmen kaufen und ihre Fähigkeiten dann Media-Saturn zur Verfügung stellen. Über das Cash-Pooling wird später entschieden.