Massendemonstrationen in Rom Italiener protestieren gegen Montis Sparkurs

Zehntausende haben in der italienischen Hauptstadt gegen die Sparmaßnahmen der Regierung demonstriert und von Ministerpräsident Monti mehr Wachstum und Arbeitsplätze gefordert. In Bologna gerieten Demonstranten und Polizei aneinander.

Zehntausende Gewerkschafter haben in Rom für Wachstum, mehr Arbeitsplätze und eine sozialere Verteilung der Steuerlasten in Italien demonstriert. Sie verlangten von der Technokratenregierung unter Mario Monti ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie eine "epochale Wende im Kampf gegen Steuerhinterziehung".

Die großen Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL hatten zu der Kundgebung am Samstag aufgerufen, an der nach ihren Angaben 200.000 Menschen teilnahmen. "Den wirklichen Wandel, den das Land braucht, gibt es nicht", sagte CGIL-Chefin Susanna Camusso.

Die Demonstranten forderten die Regierung auf, nicht das Sozialsystem des Landes zu beschneiden, um Schulden abzubauen. Stattdessen solle sie sich darauf konzentrieren, angesichts einer Arbeitslosenquote von über zehn Prozent neue Jobs zu schaffen.

Zu einigen Zwischenfällen kam es bei kleineren Protestzügen in Bologna gegen den in der Stadt anwesenden Regierungschef. Gegner einer "Regierung der Banken" und die Polizei gerieten kurz aneinander, dann flogen auch Farbbeutel gegen den Sitz der Deutschen Bank, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Demonstranten wenden sich gegen eine von den Finanzmärkten gelenkte Demokratie.

Monti warnte davor, dass sich Italien wieder auf ein wirtschaftliches Desaster zubewege. "Wir waren schon vom Abgrund zurückgetreten", sagte er in der Nähe von Mailand. "Das Loch wird aber größer und droht uns zu verschlingen. Wir stecken wieder in einer Krise."

Die Regierung des früheren EU-Kommissars hatte am Freitag ein Maßnahmenpaket für Wachstum und Entwicklung im Krisenland Italien verabschiedet. Es soll nach einer Phase des harten Sparkurses die Wirtschaft ankurbeln. Monti setzt auf europäische Wachstumsimpulse, will Italien dabei aber ohne europäische Hilfsgelder voranbringen.