Marktmacht des Versandhändlers Zwang zum Rabatt

Auch die Monopolkommission hat den Buchmarkt schon einmal ins Visier genommen, allerdings anders, als es den Verlagen recht ist. Sie attackierte schon 2000 die Buchpreisbindung, wegen der ein Buch in Deutschland überall gleich viel kosten muss (Hauptgutachten 2000/2001 als PDF). Für die Kommission ist sie ein "ordnungspolitischen Ärgernis ersten Ranges". Ihre Abschaffung, so sie denn eines Tages kommt, dürfte eher Amazon zu Gute kommen. Konzernchef Bezos setzt oft auf eine Billig-Strategie, um weiter zu wachsen. So bietet er Apples iPad mit dem günstigen Tablet Kindle Fire die Stirn.

Der Buchmarkt ist kein gewöhnlicher Markt. Der neue Dan Brown kostet dank Preisbindung überall gleich viel und wird auch dann nicht besser, wenn man ihn beim Buchhändler um die Ecke kauft. Der Kampf um Kunden läuft hauptsächlich über Service - und der gilt in den Augen von immer mehr Kunden als Amazons Stärke. Bestellen und schnell geliefert bekommen ist einfach bequemer als der Gang in den Buchladen, die Auswahl ist riesig. Problematisch wird große Marktmacht in dieser Branche also nicht im Verhältnis zwischen Kunde und Händler, sondern in dem zwischen Händler und Produzent.

Die Produzenten im Buchhandel sind: die Verlage. Der Börsenverein sagt: "Amazon diktiert ungünstige Konditionen." Christoph Schroer, Chef des kleinen Kunstbuch-Verlages Neue Sachlichkeit, hatte sich im Februar in einem offenen Brief an Amazon-Chef Jeff Bezos gewandt. Er klagte über Rabatte von 50 Prozent, die der Platzhirsch den Verlagen aufzwinge, die diese mangels gleichstarker alternativer Verkaufskanäle akzeptierten.

Doch offene Kritik von Verlegern ist die Ausnahme. Wenn sie Beschwerden an die Behörden richten würden, dass Amazon seine Marktmacht in Verhandlungen missbraucht, könnte der Konzern ins Visier der Kartellwächter geraten. Allerdings ergibt sich auch daraus kein Zwang für das Kartellamt, zu handeln.

Die meisten Verlage waren bisher ohnehin still. Aus Angst, wie Professor Heinemann glaubt: "Faktisch liegt Abhängigkeit vor. Aber kein Verlag traut sich, aufzustehen." Wettbewerbshüter nennen es das "Ross-und-Reiter-Problem": Wer von einem großen Konzern abhängig ist, wird ihn kaum bei Behörden anschwärzen. Ein Monopolist könnte Produkte von Rebellen als Vergeltung auslisten.