Marc Rich Der "König des Öls" ist tot

Spezialität: Embargos brechen. Der Milliardär Marc Rich nervte Ölkonzerne, machte Geschäfte mit Rassisten und Ayatollahs. Er war überall zu Hause, wurde vom FBI gesucht und von Bill Clinton in einer umstrittenen Aktion begnadigt. Ein Leben wie ein Thriller ist nun zu Ende gegangen.

Von Jannis Brühl

Die Grauzone war sein Zuhause. Marc Rich, Rohstoffhändler, Milliardär, und eine Zeit lang einer der zehn vom FBI meistgesuchten Männer, ist im Alter von 78 Jahren gestorben, berichten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters.

Rich spielte nicht nach Regeln, wurde reich, gesucht und einer der prominentesten Flüchtlinge der Wirtschaftswelt. Der Sohn jüdischer Flüchtlinge aus Belgien lernte in den USA den Rohstoffhandel, nachdem er sein Studium in New York abgebrochen hatte. In den Siebzigern nahm er es dank Geschäftssinn und gehöriger Dreistigkeit mit dem Kartell der Ölkonzerne auf: Shell, Texaco & Co. kauften und verkauften den Rohstoff nur mit Terminkontrakten - langfristig und zu festgelegten Preisen. Rich gilt als Pionier des Spotmarktes für Öl - er organisierte sein eigenes Öl und verkaufte es kurzfristig nach Angebot und Nachfrage.

Richs Spezialität: Embargos brechen. Er war gekonnter Netzwerker, auch im Umgang mit Diktatoren und Revolutionsführern. Während der Anti-Apartheid-Sanktionen verkaufte er Südafrika Öl. Als 52 Amerikaner in der Teheraner Botschaft festsaßen und Jimmy Carter ein Ölembargo gegen Iran verhängte, soll Rich seine Kontakte zu Ayatollah Chomeini genutzt und ihm Öl abgekauft haben. Den Handel verschleierte er angeblich durch ein internationales Firmengeflecht. Auch mit Kuba machte er trotz der US-Sanktionen Geschäfte. Später soll er israelischen und amerikanischen Geheimdiensten als Quelle gedient haben.

1983 klagte ihn Rudolph Giuliani, damals Staatsanwalt und später Bürgermeister von New York, wegen Steuerinterziehung an. Es ging um 48 Millionen Dollar. Rich floh ins schweizerische Zug. Aus seinem Unternehmen Marc Rich & Co. wurde 1994 - als sein Name längst für dunkle Geschäfte stand und Rich sich mit Zink verzockte - die Firma Glencore. Der Konzern ist heute der größte Rohstoffhändler der Erde, dem auch Minen gehören. Er sitzt nach wie vor im Schweizer Niedrigsteuer-Kanton Zug. Zuletzt besaß Rich Pässe von mindestens drei Ländern.

Er war schon fast vergessen, bis zum 20. Januar 2001. In einer zweifelhaften Aktion begnadigte Bill Clinton an seinem letzten Tag im Amt 140 Amerikaner, darunter Rich. Er musste lediglich 100 Millionen Dollar Steuern nachzahlen, aber hatte in den Vereinigten Staaten keine Strafverfolgung mehr zu befürchten. Warum half Clinton dem halbseidenen Rich? Eine Theorie besagt, dass er so für seine Geheimdienstinfos belohnt wurde - eine andere, dass Richs Ex-Frau Denise die Politik der Familie Clinton finanziell unterstützt hatte, mutmaßlich mit dem Geld ihres Mannes. Der ehemalige Präsident Carter, dessen Embargo gegen Iran Rich gebrochen hatte, nannte die Begnadigung "beschämend". Dass Foto, auf dem Denise Rich Clinton wenige Tage zuvor ein Saxofon überreicht hatte, wurde zur Peinlichkeit für den scheidenden Präsidenten.

Denise Rich (l) mit Bill und Hillary Clinton im Jahr 2000

(Foto: REUTERS)

Der Milliardär hatte drei Kinder mit der Sängerin Denise, seit 1996 waren die beiden geschieden. Seine Ex-Frau geriet zuletzt im Zuge der Offshore-Leaks in die Schlagzeilen. Rich soll am Donnerstag in Tel Aviv beigesetzt werden.