Im Sommer 2007 sollte sich das ändern. Die Ketten sprengen, endlich. Raus aus der Gefangenschaft, der Machtlosigkeit. Es ist die alte Geschichte von David gegen Goliath, die die Menschen daran faszinierte.

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Wobei dieser David mehr als nur eine Steinschleuder in der Hand hatte. Hinter Schell standen die Lokführer der Bahn. "Die Lok zieht die Bahn", heißt sein Buch nicht ohne Grund. Ohne Lokführer fährt eben keine Lok. Das war Schells Trumpf. Nach neun Monaten war er am Ziel: Es gab einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer und elf Prozent mehr Lohn.

Die Einigung hat Schell und die Bahn offenbar nicht näher gebracht. Lektor Kienast kann erzählen, dass zur Leipziger Buchmesse eine Lesung mit Schell in einer Bahnhofsbuchhandlung und im Verkehrsmuseum geplant war. Dem Buchhändler ist dann wohl eingefallen, dass sein Vermieter die Deutsche Bahn ist - und im Verkehrsmuseum muss einem Verantwortlichen aufgefallen sein, dass die Bahn dort zu den Förderern gehört.

Die Lesung wird weder hier noch dort stattfinden.

Es soll aber Anzeigen für das Schell-Buch in der Bahn-Kundenzeitung mobil geben, die im ICE ausliegt. Sollte Mehdorn im Mai Zug fahren, wird ihm das Konterfei des ärgsten Widersachers seiner Amtszeit entgegenstrahlen.

Chefmentalität in Gutsherrenmanier

Schell hat nie hinter dem Berg gehalten, was er von Vorstandschef Mehdorn hält. Das macht er auch an diesem Abend im DBB-Forum nicht. Die Bahn werde, sagt der Gewerkschafter, "nach Gutsherrenmanier geführt. Der Gutsherr heißt Mehdorn und die anderen kuschen".

Nach dem Tarifstreit hatte die GDL ihren Gewerkschaftstag. Wie immer war auch der Bahnvorstand eingeladen. Mehdorn kam nicht, er schickte seine Personalvorstandsfrau Margret Suckale. Dass er nicht gekommen war, "hat etwas mit der Persönlichkeitsstruktur von Herrn Mehrdon zu tun", sagt Schell.

Es ist auch nie zu dem gemeinsamen Glas Bier gekommen, das Schell dem Manager Mehdorn angeboten hatte, wenn der Tarifstreit vorbei ist. An ihm, so Schell, sei das nicht gescheitert: Der Bahn-Chef "kann weder vergessen noch verzeihen".

Eigene Fehler in dem Tarifstreit? Schell muss länger nachdenken. Ihm fällt nichts ein. Sagt er jedenfalls. Aber doch, da war etwas. Etwas, das zumindest in der Öffentlichkeit als Fehler wahrgenommen wurde. Dass er mitten im Tarifstreit zur Kur nach Radolfzell gefahren sei. Journalisten hätten geschrieben, er stürze das Land ins Chaos und halte die Füße in den Bodensee, berichtet Schell und lächelt milde. Er habe sich nichts vorzuwerfen.

"Es gab nichts zu verhandeln." Da sei es egal gewesen, ob er in Frankfurt oder am Bodensee "Sauerstoff verbrauche". Und sonst? "Da fällt mir nicht viel ein." Warum auch? Schell ist der Held der Lokomotivführer. Und Helden machen keine Fehler.

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  1. Der Lokomotivführer lässt Dampf ab
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(sueddeutsche.de/jja/mel)