Von K.-H. Büschemann u. K. Riedel

Zehn Millionen Euro Jahresverdienst für Josef Ackermann - das bedeutet ein sattes Plus. Die meisten anderen Dax-Vorstandschef mussten Einbußen hinnehmen. Ein Überblick.

Dieses Mal gab es keinen Aufschrei wegen Josef Ackermann. Noch vor wenigen Jahren hätte die Meldung gereicht, dass der Vorstandschef der Deutschen Bank sein Gehalt 2009 um das Siebenfache gesteigert hat, für Schlagzeilen zu sorgen. Ackermann, der 2008 noch 1,4 Millionen Euro verdiente, bekam im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro, erfolgsabhängige Anteile eingeschlossen. Damit ist der Deutsche-Bank-Chef auch wieder der Bestverdiener unter den Chefs der größten deutschen Konzerne.

Managergehälter, Ranking

Sie sind die Top-Verdiener des Jahres 2009 - die Dax-Chefs Josef Ackermann (Deutsche Bank), Jürgen Großmann (RWE), Peter Löscher (Siemens), Martin Winterkorn (VW), Wolfgang Reitzle (Linde) und Michael Diekmann (Allianz, von links) (© Grafik: SZ)

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Der Schweizer galt in Deutschland lange als Inbegriff des gierigen Managers, weil er 2007 sogar 14 Millionen Euro verdient hatte. Dass er in diesem Jahr ohne öffentliche Prügel davonkommt, mag daran liegen, dass die Bank nach Verlusten 2008 im vergangenen Jahr wieder einen Gewinn von fünf Milliarden Euro erzielte. Offenbar ist ein Ende der Krise in Sicht. "Die Bankenbranche dürfte 2010 und 2011 langsam zu einer gewissen Normalität zurückkehren", heißt es im Geschäftsbericht der Deutschen Bank. Vielleicht kommt Ackermann auch gut weg, weil die Aktionäre der Deutschen Bank eine höhere Dividende für 2009 bekommen.

Winterkorn - Verlierer des Jahres

Die einst heiß geführte Debatte über die Manager-Gehälter in Deutschland ist inzwischen abgekühlt und hat sich versachlicht. Ein Grund ist, dass im Krisenjahr 2009 einige der Manager auf Einkommen verzichten mussten, weil die Gewinne ihrer Firmen zurückgegangen sind. Von den 24 der 30 Dax-Chefs, deren Einkünfte bis jetzt in den Geschäftsberichten veröffentlicht wurden, haben 15 weniger verdient als im Vorjahr, acht hatten ein höheres Einkommen.

Zwei Manager mussten sich mit deutlich reduzierten Einkommen begnügen. Hakan Samuelsson, der bis zum 23. November 2009 Chef der MAN AG war, verlor wegen der massiven Krise auf dem Lkw-Markt mehr als zwei Drittel seines Einkommens von 2008. Ekkehard Schulz, Vorstandschef von Thyssen-Krupp, der als Stahlkonzern und Autozulieferer von der Krise hart abgestraft wurde und Verlust machte, büßte 60 Prozent seiner Vorjahresbezüge ein und landete bei 1,3 Millionen Euro.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn büßte im Vergleich zum Vorjahr so viel ein wie kein anderer. Er verdiente etwa sechs Millionen Euro weniger, landete bei immer noch 6,6 Millionen Euro. Damit ist er in absoluten Zahlen der größte Verlierer des Jahres. Der VW-Mann hatte allerdings 2008 ein ungewöhnlich hohes Einkommen. Er profitierte davon, dass Spekulanten den VW-Kurs zeitweilig in Rekordhöhen trieben und seine Aktienoptionen extrem wertvoll waren.

Ein Gesetz für Gehälter

Die Aufregung ist aus der Gehälter-Debatte verschwunden, weil die Manager-Bezüge in Deutschland seit 2006 bekanntgegeben werden müssen. Sie sind transparent geworden, die Debatte wurde sachlicher. Inzwischen sind die Gehälter sogar in einem Paragraphenwerk geregelt. Das Gesetz über die Angemessenheit der Vorstandsvergütung verlangt, dass die erfolgsabhängigen Anteile der Bezüge viel längerfristig orientiert werden als bisher. Zudem soll es möglich machen, Gehälter bei der Verschlechterung der Lage eines Unternehmens herabzusetzen.

In diesem Gesetz, das die Unternehmen zu Anreizsystemen für ihre Chefs bringen soll, die längerfristig sind als in der Vergangenheit, liegen aber auch große Risiken. Jens Massmann, der Vergütungsexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young erwartet, dass die neue Regelung den gewünschten Effekt, nämlich eine Senkung der Bezüge, nicht bringen wird: "Es wird zu einer Erhöhung der Vergütung führen", sagt Massmann. Es sei schwer, über mehrere Jahre Ziele zu definieren, an denen sich die Einkommensentwicklung eines Unternehmenschefs orientieren soll.

Für die Manager sei eine solche Regelung riskanter als die heutige Praxis, die stärker auf ein Geschäftsjahr abhebt. Sie würden dafür einen Risikoausgleich verlangen, erwartet der Berater. Das treibe die Bezüge nach oben. "Solche Abstürze wie im vergangenen Jahr bei einzelnen Unternehmen wird es in den neuen Systemen nicht mehr geben", so Massmann. Es sei aus seiner Sicht aber besser, wenn ein Vergütungssystem relativ schnell auf Veränderungen der Ergebnisse reagiere.

Dieser Trend nach oben wird bei den Banken bereits eingeleitet. Commerzbank und Deutsche Bank reagieren auf die heftige öffentliche Kritik an den erfolgsabhängigen Gehaltsanteilen ihrer Spitzenmanager. Sie arbeiten an Bezahlungssystemen, in denen der feste Anteil erhöht wird, um zu erreichen, dass die Gehälter auch im Krisenfall wenigstens nicht fallen. Ein ähnlicher Effekt war eingetreten, als die Bekanntgabe der Vorstandsgehälter durch ein Gesetz vorgeschrieben wurde. Fachleute sind sicher, dass diese Regelung, die gedacht war, die Gehaltsentwicklung nach oben zu deckeln, das genaue Gegenteil erreicht. Gehaltsexperten berichten, in den Vorständen seien daraufhin die Bezüge angepasst worden: In den meisten Fällen nach oben.

Sehen Sie hier, wie hoch die Gehälter der Dax-Bosse im Jahr 2008 waren.

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(SZ vom 20.03.2010/tob)