Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Deutsche Top-Manager haben sich im vergangenen Jahr wieder eine kräftige Gehaltssteigerung von durchschnittlich 17,5 Prozent gegönnt. Dabei verdienen sie ohnehin zu viel - auch wenn sie dies vehement bestreiten.

Mal angenommen, es gäbe eine Gewerkschaft der deutschen Manager, und diese Gewerkschaft würde mit den Konzernen über das Gehalt dieser Manager verhandeln. Was wäre los in diesem Land, wenn am Beginn der Verhandlungen eine Forderung von, sagen wir mal, 40 oder gar 50 Prozent stünde? Und wenn man sich am Ende auf eine Steigerung von 17,5 Prozent einigen würde? Würden die Unternehmen dies als einen Pilotabschluss akzeptieren, den man problemlos auf andere Berufe übertragen kann?

Anzeige

Wohl kaum. Denn für Tarifverhandlungen gilt seit Jahren die Losung, dass die Löhne allenfalls so schnell steigen dürfen wie der Zuwachs von Produktivität und Inflation. Andernfalls, so lautet das gängige Argument, werden Jobs vernichtet. Wenn es um ihr eigenes Gehalt geht, wollen deutsche Top-Manager diese Formel allerdings nicht akzeptieren. Und so gönnten sich die 4300 wichtigsten Vorstände im vergangenen Jahr wieder eine Gehaltssteigerung von durchschnittlich 17,5 Prozent. Dabei verdienten die Vorstände der Dax-Konzerne 23,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, leitende Angestellte von Unternehmen aus dem TecDax bekamen sogar 50 Prozent.

Alle Versuche seitens der Manager, dies zu rechtfertigen, laufen ins Leere. Natürlich: Die Unternehmensgewinne sind im vorigen Jahr kräftig gestiegen, die Aktienkurse auch - jedenfalls bis zum Sommer. Und mancher Boss in den USA verdient noch mehr als seine deutschen Kollegen. Doch Manager sind nicht nur dafür verantwortlich, dass sie die Gewinne erhöhen; sie haben auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Wer die eigene Gier vor allem mit der Gier der anderen rechtfertigt, zeigt, dass er dies nicht begriffen hat.

Leser empfehlen 

(SZ vom 19.02.2008/mah)