Manager Was sie verdienen

Ein Ökonom der Universität Zürich hat untersucht, ob die hohen Gehälter von Top-Managern gerechtfertigt sind. Das Ergebnis: Bei zwei Dritteln der untersuchten Betriebe hatte die Entlohnung nichts mit dem Erfolg zu tun.

Von Charlotte Theile, Zürich

Bekommen Top-Manager das Gehalt, das sie verdienen? Immer wieder gibt es Berichte, die das Gegenteil nahelegen: Dem Unternehmen geht es schlecht, der verantwortliche Vorstandschef aber streicht Millionen an Bonuszahlungen ein. Nicht wenige fordern daher eine Art Maximallohn, der die krassesten Exzesse verhindert. Der Schweizer Ökonom Ernst Fehr hat vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, die sich mit genau dieser Fragestellung beschäftigt: Verdienen die Chefs großer Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihr Gehalt? Die Antwort ist kurz: Nein.

Bei etwa zwei Dritteln der von ihm untersuchten Unternehmen konnte Fehr, der an der Universität Zürich lehrt, "keinen Zusammenhang" zwischen dem Erfolg der Firma und der Entlohnung der Geschäftsleitung feststellen. Diese Beobachtung gelte für alle drei untersuchten Länder.

Die Methode, die der Zürcher Wirtschaftsprofessor wählte, nennt sich "Pay-for-Performance". Dabei geht es vor allem darum, externe Faktoren aus dem Unternehmensergebnis herauszurechnen. Das geschieht, indem man die Performance des Unternehmens, also wesentliche Kennzahlen wie Umsatzwachstum, Gewinn oder Rendite, mit der durchschnittlichen Rendite einer ähnlichen Firmen-Gruppe vergleicht. In den Unternehmen passiere das nur selten, sagt Fehr. "Der Managerlohn hängt oft von einer Kennzahl wie dem Aktienkurs ab, in den viele vom Management nicht beeinflussbare Effekte wie zum Beispiel die Konjunktur oder die Geldpolitik mit hineinspielen." Auf diese Weise würde nicht die Leistung des Vorsitzenden belohnt, sondern ein diffuses Konglomerat an Einflüssen.

Problematisch ist daran vor allem, dass die Manager oft sehr gut darin sind, negative Effekte, für die sie nicht verantwortlich sind, herausrechnen zu lassen. Sie achten etwa darauf, dass sie nicht dafür bestraft werden, wenn es in ihrem Einsatzgebiet eine Umweltkatastrophe gegeben hat oder die wirtschaftliche Lage schwierig war. Positive Effekte werden dagegen gerne als eigene Leistung betrachtet, die Frage, wie viel davon wirklich einem selbst zuzuschreiben ist, fällt unter den Tisch. Zudem vergleicht man sich gern mit schwächeren Konkurrenten.

Fehr betont, es gehe ihm nicht um Manager-Bashing. Ein solches Verhalten sei menschlich, man könne es aber verhindern, indem man die Leistung anhand objektiver Indizes messe.

Einen weiteren Fehler im Anreizsystem vieler Managerlöhne sieht Fehr in der Kurzfristigkeit. Wer an der Spitze eines großen Unternehmens sitze, trifft Entscheidungen, die über viele Jahre Konsequenzen haben. Oft stellt sich erst mit einiger Verzögerung heraus, ob ein Manager gut oder schlecht entschieden hat.

Auch darauf müsse der Lohn reagieren, sagt Fehr. Er fordert Langfrist-Boni: Wenn zum Beispiel vier Millionen Euro Bonus zugesprochen würden, dann sollten diese nicht sofort ausgezahlt werden, sondern gestaffelt über fünf Jahre hinweg. Je nach Performance könnte die jährliche Auszahlung verkleinert oder vergrößert werden, im Extremfall werden so aus vier Millionen Euro null Euro.

Dass sich Unternehmen nach der Kündigung noch Geld von schlechten Managern zurückholen, hält Fehr für unrealistisch: "Das gibt nur schlechte Presse und hohe Prozesskosten." Und eine gesetzliche Obergrenze für Managerlöhne, wie sie die SPD Anfang des Jahres für Deutschland forderte? Fehr winkt ab. Er habe grundsätzlich nichts dagegen, dass Top-Manager Millionen verdienen. Das System müsse aber "eine klare Leistungstransparenz aufweisen" und verhindern, dass schlechte Leistung belohnt wird. "Bei erfolgreichen Sportlern stört es uns ja auch nicht, dass sie viel Geld verdienen. Das liegt daran, dass wir ihnen live dabei zusehen können, wie sie ihre Leistung bringen, wie sie schwitzen, kämpfen, leiden. Bei Vorstandsvorsitzenden fehlt dieser Einblick. Daher können wir ihre Löhne nicht nachvollziehen."

Der Ökonom ist überzeugt: Auch hohe Managergehälter ließen sich rechtfertigen - wenn die Firma klar zeigen könne, welche Leistung dahintersteht. Solange das nicht der Fall sei, gebe es durchaus Unternehmenslenker, die ihre Machtstellung nutzen, um sich übermäßige Vorteile zu verschaffen. Die Vergütung der VW-Vorstände etwa wird in dem Report explizit genannt. Fehr glaubt: Manager müssten ihre Gehälter stärker als bisher in einem transparenten Wettbewerb behaupten können. Nur wer objektiv und messbar mehr leiste als die Konkurrenz, habe einen Bonus verdient.