Es geht um viel - für Zitzewitz und für Conergy. Zitzewitz dürfte das schon im März 2008 beim Wechsel in die Solarbranche klar geworden sein. Denn zu Beginn der neuen Karriere begegnen ihm alte Probleme: Wieder sind Ermittler im Spiel. Die Staatsanwaltschaft Hamburg verdächtigt mehrere Personen, darunter ehemalige Conergy-Vorstände, Bilanzen gefälscht, den Aktienkurs manipuliert und Insiderhandel betrieben zu haben. Doch eins ist anders: Diesmal soll Zitzewitz aufräumen.

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Weil der anfangs skeptische Aufsichtsrat nach einigen Monaten von seiner Arbeit überzeugt ist, wird Zitzewitz 2009 in den Vorstand berufen und avanciert zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. "Kaum jemand hätte gedacht, dass er zurückkommt", sagt ein früherer Weggefährte. Plötzlich findet sich Zitzewitz in einer längst nicht mehr erwarteten Rolle wieder - der des Hoffnungsträgers. Zäh hatte Zitzewitz zuvor an seiner Chance auf ein Comeback gearbeitet.

Zur Untätigkeit in der eigenen Hightech-Branche verdammt, stieg er nach der Korruptionsaffäre und dem Rücktritt bei Infineon als Geschäftsführer beim kleinen Reisemobilhersteller Bavaria Camp in der bayerischen Provinz ein. Landsberg am Lech statt internationale Chipmessen, Rollschubladen statt Reinräume. Umständehalber leistete der Porsche-Fan Kärrnerarbeit mit Campingwagen. Zitzewitz entwickelte eine eigene Serie, die aus Citroën-Transportern fahrbare Haushalte machte. Ihm gelang, was kaum jemand für möglich hielt: Binnen weniger Monate sanierte er den zuvor chronisch unprofitablen Betrieb.

Keine Pleite aber trotzdem verunsichert

Auf ein ähnliches Wunder hofft jetzt auch Conergy. Zitzewitz führe schon vor dem offiziellen Chefwechsel einen Großteil der Geschäfte, heißt es. Er habe eine Menge der Vorstandsarbeit seines Vorgängers Ammer übernommen. Der soll nun noch die Finanzierung unter Dach und Fach bringen. Doch in der entscheidenden Phase der Rettung gefährdet ein Streit unter den Gläubigern die Zukunft des Unternehmens.

Nach dem Ausstieg einzelner Banken sei das Kreditkonsortium tief entzweit über die künftige Kapitalstruktur, heißt es. Zwar verlautete aus Bankenkreisen, dass eine Pleite von Conergy ausgeschlossen sei, da kein Finanzhaus das Unternehmen fallen lassen werde. Doch die Investoren bleiben verunsichert. Der Absturz von Conergy an der Börse war kaum aufzuhalten. Der Aktienkurs fiel binnen drei Jahren von über 20 Euro auf 75 Cent.

Nun will das Management um Zitzewitz und Ammer offenbar mit guten Zahlen überzeugen. Marktkreisen zufolge will der Konzern möglicherweise schon an diesem Freitag vorläufige Zahlen über den Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2010 vorlegen und so den Druck auf die Banken erhöhen. Conergy schreibe 2010 wieder schwarze Zahlen, verlautet aus dem Unternehmen. "Die zweite Chance", sagt ein Vertrauter von Zitzewitz, "darf einfach nicht platzen."

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  1. Zweite Chance für das Stehaufmännchen
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(SZ vom 30.07.2010/stl)