Wenn sich Manager und Politiker wie jetzt nicht mehr ernst nehmen, kommt es nicht zu dem vernünftigen Dialog - doch der wäre dringend nötig, um vernünftige Gesetze zu schaffen.
Jetzt soll alles anders werden. Die große Koalition hat am Donnerstag ein Gesetz verabschiedet, mit dem die Manager großer Konzerne an die Kette gelegt werden sollen. Sie sollen weniger verdienen, längerfristig denken und stärker in die Verantwortung genommen werden. Das klingt großartig. Doch nicht einmal die emsigen Berliner Manager-Kritiker werden behaupten, mit ihrem Paragraphenwerk eine künftige Wirtschaftskrise verhindern zu können. Dieses Gesetz ist über weite Strecken nichts als zu Paragraphen gewordener Wahlkampf. Es ist zum Teil irrelevant oder unbrauchbar und nur in wenigen Punkten vernünftig.
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Kein Gesetz kann Vorstände zwingen, sich langfristig zu orientieren, statt sich von Quartal zu Quartal zu hangeln. Die Unternehmensstrategie wird von den Aufsichtsräten überwacht, in denen auch Mitarbeiter sitzen. Die Leistung der Aufsichtsräte wird aber nur durch besseres Personal gesteigert, nicht durch neue Paragraphen. Richtig ist an dem neuen Gesetz, dass Manager stärker zur Verantwortung gezogen werden sollen. Vernünftig ist auch, den Aufstieg von Vorständen in den Aufsichtsrat zu erschweren. Diese halbautomatische Erbfolge ist in vielen Unternehmen Grund für gravierende Fehlentwicklungen.
Aber weltfremd ist die Vorstellung, man könne die Gehälter von Managern drücken, indem man den gesamten Aufsichtsrat über die Berufung und Bezahlung eines neuen Vorstandsmitgliedes befinden lässt und nicht nur den bislang zuständigen dreiköpfigen Unterausschuss, in dem auch immer ein Gewerkschafter sitzt. Dazu ist das Kontrollgremium zu groß. So wird es schwer, gute Leute für ein Unternehmen zu gewinnen. Ein fähiger Manager, der damit rechnen muss, dass seine Verhandlungen über einen Job bei der Konkurrenz bekannt werden, wird zu keinem Gespräch bereit sein.
Das Schlimmste aber ist, dass das neue Gesetz ein tiefes Misstrauen der politischen Klasse gegenüber denjenigen zeigt, die in den Unternehmen Verantwortung tragen. Das mag verständlich sein. Aber den Managern alleine die Verantwortung für die Wirtschaftskrise zuzuschieben ist lächerlich. Dass es gierige, verantwortungslose und unfähige Manager gibt, steht außer Frage. Aber genauso sind Regierungen und Notenbanken in die katastrophale Fehlentwicklung verstrickt.
Die beiden wichtigsten Eliten misstrauen sich. Wenn sich Manager und Politiker wie jetzt nicht mehr ernst nehmen, kommt es nicht zu dem vernünftigen Dialog, der nötig ist, um vernünftige Gesetze zu schaffen. Es steht außer Zweifel, dass es Vorschriften geben muss, die Managern Grenzen setzen. Der Versuch von Kanzler Gerhard Schröder von 2002, mit dem Deutschen Corporate Governance Kodex Regeln zu schaffen, die freiwillig beachtet werden, kann als gescheitert gelten. Viele Konzerne sind nicht bereit, ohne Zwang ihr Verhalten zu ändern.
Aber es kann nicht alles per Gesetz geändert werden. Die Höhe von Gehältern lässt sich ebenso wenig politisch deckeln wie die Brotpreise. Aber wie beim Bäcker die Hygiene der Backstube und das Gewicht der Laibe kontrolliert werden müssen, brauchen große Konzerne Grenzen für ihre Spielräume. Aber es geht nicht ohne die richtige Mischung aus freiwilligen Verhaltensregeln und Gesetzen.
Diese Balance kann nur entstehen, wenn es eines Tages wieder einen rationalen Dialog zwischen Wirtschaft und Politik gibt. Den gibt es hoffentlich wieder nach der Bundestagswahl im September.
(SZ vom 19.06.2009/mel)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
. . . schafft man nicht als erstes diese unsinnigen Quartalsberichte ab? Die zwingen doch gerade dazu, kurzfristig zu denken. Darüber hinaus kosten sie wertvolle Arbeitszeit, die man anderswo sinnvoller einsetzen kann!
Roland Bergers Spruch, wer nur Affen bezahlt, bekommt auch nur Affen, sollte nicht nur für Manager, sondern auch für die gesamte Belegschaft gelten. Die Krise kommt daher, daß eine kleine und korrupte Elite immer mehr, die Belegschaft aber immer weniger vom Gewinn bekommen hat. Bei letzterer heißt es Niedriglöhne und Leiharbeit oder arbeitslos.
Dieser Kommentar geht wohlweislich an der Realität vorbei. Ist das so gewollt, oder soll rehabilitiert werden, was nicht zu rehabilitieren ist? Das Einzige was stimmt, ist, das der Versuch durch den Deutschen Corporate Governance Kodex Regeln zu schaffen, grandios gescheitert ist! Das war aber absehbar! Meines Wissens nach, hat noch keine Regelung, die auf Freiwilligkeit beruht , funktioniert. Man kann durchaus darüber streiten, ob die neue Regelung praxistauglich ist. Immerhin haben die Dax-Vorstände und
Aufsichtsräte im Vorfeld schon mächtig Druck erzeugt. Das weist indes darauf hin, dass man dort immer noch nichts begriffen hat. Wenn man bedenkt, wie die Aktionärsversammlungen ablaufen, in denen die Großaktionäre das Sagen haben und obendrein über ihre Leitungsgremien mit den Gremien der Unternehmen verbandelt sind, kann man über den Kommentar nur den Kopf schütteln. Jedenfalls ist inzwischen wohl jedem klar, dass manche " Eliten" ihre Unternehmen an die Wand gefahren haben. Das wäre mit höheren Gagen exakt genau so passiert. Also kann von "Eliten" keine Rede sein!
von einer Zeitung, deren gefühlte Zielgruppe die Manager sind? Natürlich ist das auch Wahlkampf, und das ist gut so. Denn der Wählerwille zählt nur vor der Wahl. Nach der Wahl geht es nur noch um die Interessen der Wirtschaft. Die Steuerfreistellung von Unternehmensverkäufen, die Zulassung und steuerliche Förderung von Hedgefonds und Private Equity, die Hartzgesetze, das kam alles nach der Wahl. Diese Gesetze sind mit schuld an der Finanzkrise und der Enteignung der Arbeitnehmer. Die Beschränkung der Managergehälter ist Populismus, da hat Herr Büschemann recht, ein virtuelles Signal, passt auf wir können auch anders, aber keine reale Regulierung. Die aber fordert H. Büschemann nicht. Um Gottes willen! Bisher hat die Regierung keinerlei Schritte unternommen, um die Ursachen und die Verursacher der Krise an die Kandarre zu nehmen.
Der SZ Wirtschaftsredaktion ist das keine Analyse wert.
Zunächst einmal ist fraglich, ob Manager und Politiker tatsächlich "Eliten" sind. Es sind Personen, die sehr mächtig sind, ob sie sehr fähig sind, ist doch zweifelhaft.
Dann ist unklar, warum ein Dialog geführt werden soll. Politiker sind Volksvertreter, die den Willen des gesamten Volkes repräsentieren und durchsetzen. Dieser Wille wird zwar durch zahlreiche Initiativen und Konvente und Stiftungen beeinflusst, aber ganz täuschen lassen sich die Wähler nun doch nicht. Und die Wähler haben erkannt, dass die Führungsriege der Großunternehmen zum einen häufig versagt (Daimler, Arcandor, Porsche, viele Banken, etc. etc.) und zum anderen völlig überzogene Vorstellungen vom Wert ihrer häufig wertezerstörenden Arbeit hat. Da ist es Aufgabe der Politik, Richtlinien zu sezten, die eine angemessene Bezahlung ermöglichen und keine sinnlosen Boni-Geschenke auf Kosten des Unternehmens, der Arbeitnehmer und auch der Aktionäre.
Besonders absurd ist das Argument, dass man bei niedrigeren Manager-Gehältern keine ausreichend fähigen Manager findet. Wenn es insgesamt weniger zu verdienen gibt, dann muss eben auch der Top-Manager, der sich durch besondere Smartheit und besondere Rücksichtslosigkeit auszeichnet, mit weniger zufrieden sein. Und sicherlich gibt es genug fähige Leute, die auch für 50 % die durchaus spannenden Aufgaben eines Vorstandsvorsitzenden übernehmen würden.
Die Manager und das neoliberale Denken haben versagt. Daher ist kein Dialaog mehr notwendig, sondern eine klare Ansage der Politik an die Wirtschaft: So geht es nicht weiter. Der Mensch muss in den Mittelpunkt gestellt werden, nicht der Profit und die eigene Absicherung.