Skandal bei MAN: Bei internationalen Geschäften soll der Konzern fragwürdige Zahlungen zum Teil über ominöse Beraterverträge abgewickelt haben.
Der Fahrzeugkonzern MAN soll für umfangreiche Aufträge aus dem Ausland Schmiergeld gezahlt und dabei auch mit Scheinrechnungen und Scheinfirmen operiert haben. Diesem Verdacht geht die Münchner Staatsanwaltschaft nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bei ihren Ermittlungen wegen Korruption gegen Mitarbeiter des Konzerns nach.
MAN - der Konzern steht unter Korruptionsverdacht. (© Foto: ddp)
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Die Strafverfolger prüfen offenbar Geschäfte des Konzerns in mehreren europäischen und afrikanischen Staaten, in die MAN Lastwagen und Busse verkauft hat, darunter auch Griechenland. Das Unternehmen wollte sich dazu auf Anfrage der SZ nicht äußern.
Offenbar zwei Bestechungs-Systeme
MAN ist im Verlauf der Ermittlungen in den Verdacht geraten, zwei verschiedene Bestechungs-Systeme betrieben zu haben, eines für das Inland und das andere für das Ausland. Bei den internationalen Geschäften soll der Konzern fragwürdige Zahlungen zum Teil über Beraterverträge abgewickelt haben, zum Teil über Scheinrechnungen und Scheinfirmen. Das Geld sei auch über Länder geflossen, die für solche Transaktionen bekannt seien. Teilweise soll MAN im Ausland auch mit Bargeld bestochen haben. Auf diese Weise, so der Vorwurf, seien lukrative Aufträge für Lkw und Busse sowohl von privaten wie auch staatlichen Unternehmen besorgt worden. Die Staatsanwaltschaft untersucht auch, ob ausländische Amtsträger geschmiert wurden.
MAN hatte nach einer Großrazzia der Staatsanwaltschaft in der Münchner Konzernzentrale und 39 Niederlassungen in ganz Deutschland erklärt, die Ermittler untersuchten mutmaßliche "verdeckte Provisionszahlungen" zwischen 2002 und 2005. Es gehe um eine Million Euro im Inland und mehrere Millionen Euro im Ausland, teilte MAN mit. Nach SZ-Informationen sollen sich die fragwürdigen Zahlungen im Ausland auf 15 Millionen Euro belaufen.
Abschreckendes Beispiel Siemens
Nach Angaben von Beteiligten an dem Ermittlungsverfahren sollen die angeblichen Schmiergeldsysteme bei MAN in den Jahren 2006 und 2007 eingeschränkt oder gar abgeschafft worden sein. Das könne damit zusammenhängen, dass der Korruptionsfall Siemens die deutsche Wirtschaft aufgeschreckt habe und viele Konzerne ihre internen Vorkehrungen gegen illegale Geschäfte daraufhin verstärkt hätten.
Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte nach einer Großrazzia bei Siemens im November 2006 ein weltweites Korruptionssystem in dem Industriekonzern entdeckt. Die Ermittlungen bei Siemens, die bis in die Vorstandsetage führten, erregten internationales Aufsehen. In Kreisen, die in die MAN-Ermittlungen Einblick haben, wird darauf hingewiesen, dass sich die Systeme bei mutmaßlichen Schmiergeldgeschäften im Ausland oft ähnelten. Es gebe womöglich Parallelen zwischen Siemens und MAN. Siemens hatte mit Beraterverträgen, Scheinrechnungen und Scheinfirmen agiert und viele Transaktionen über sogenannte Steuerparadiese abgewickelt, die sich der internationalen Finanzaufsicht zu entziehen versuchen.
MAN kündigte eine Sonderprüfung an, mit der man externe Ermittler beauftragen wolle, um den Korruptionsverdacht selbst so weit wie möglich aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft hat bereits einen Top-Manager vernommen. Er soll erklärt haben, die fraglichen Zahlungen seien "nicht im Sinne der Geschäftsleitung" gewesen.
- Korruptionsfall MAN Viele kleine Summen 06.05.2009
- Korruptionsverdacht Großrazzia bei MAN 05.05.2009
(SZ vom 07.05.2009/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
hat wirtschaft nicht schon immer so funktioniert? eine firma wird keine schmiergelder zahlen wenn sie sich davon keine aufträge erhofft. "schmiergeld" - damit das geschäft wie geschmiert läuft. und wenn es unsere firmen nicht machen, dann verkauft eine andere nation ihre lastwagen. also was soll die heuchlerei!
Tja, früher war sowas noch von der Steuer absetzbar. Durch eine einfache Gesetzesänderung wurden dann aus "Provisionen" plötzlich "Schmiergelder" ;o)
Wieso spricht man bereits von einem Skandal, wenn man doch selbt im Bericht einräumt, daß man nichts Konkretes an der Hand hat und deshalb die Formulierung "Bei .. Geschäften SOLL der Konzern fragwürdige Zahlungen ... abgewickelt haben."
Wie wäre es denn mit belastbaren Beweisen bevor man vorschnell von einem Skandal spricht?
Ist doch kaum mehr fassbar, wie sich einige wenige auf eindeutig kriminelle Weise- mit Druck und auch Hilfe- ihrer Untergebenen selbst bereichert haben?