Mächtige Investoren Staatsfonds - die undurchsichtigen Billionen-Manager

Der große Reichtum des norwegischen Staatsfonds hängt unter anderem mit den Öl- und Gasvorkommen des Landes zusammen.

(Foto: dpa)
  • Staatsfonds verwalten etwa fünf bis zehn Prozent des globalen Anlagevermögens. Es gibt kaum einen Dax-Konzern, an dem etwa Norwegens Pensionsfonds nicht beteiligt ist.
  • Es spricht einiges dafür, dass Staatsfonds zuletzt Aktien verkauft haben - und damit wohl auch zu Kursrutschen beigetragen haben.
Von Aloysius Widmann

Ein Gespenst geht um an den Aktienmärkten. Der Deutsche Aktienindex lag vor rund einem Jahr noch bei über 12 000 Punkten, heute notiert er etwa 2000 Punkte darunter. Ein Blick nach Shanghai, New York oder London zeigt: Die weltweit größten Aktienindizes haben seit Anfang 2015 allesamt verloren. Schuld daran ist nicht nur Unsicherheit bezüglich der Konjunktureinbrüche in China und anderen Schwellenländern. Hinter dem Abwärtstrend könnten auch Staatsfonds stecken.

Laut Sovereign Wealth Fund Institute (SWFI) sollen sie 2015 Aktien im Wert von rund 200 Milliarden Dollar verkauft haben. Für 2016 erwartet das Forschungsinstitut nochmals Aktienverkäufe im Wert von 400 Milliarden Dollar. Das würde die Börsenkurse weiter unter Druck setzen. Staatsholdings tauchen immer wieder in Aktionärslisten großer Unternehmen auf. Wie groß die Beteiligungen wirklich sind, ist aber kaum einsehbar. "Hinter Investitionsentscheidungen von Staatsfonds stecken auch aufwendige Marktanalysen", erklärt Stefan Kooths, der das Prognosezentrum am Kieler Institut für Weltwirtschaft leitet. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden unter Verschluss gehalten.

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Rund zwei Drittel der Dax-Aktionäre sind ausländische Investoren

Aber das ist nicht der einzige Grund dafür, dass man die Aktiendepots von Staatsfonds kaum rekonstruieren kann. Ein Beispiel: Der norwegische Pensionsfonds ist der drittgrößte Aktionär von Daimler, hält aber auch fast sechs Prozent der Blackrock-Aktie - also an Daimlers zweitgrößtem Aktionär. Verstrickungen solcher Art gibt es zahlreiche, Fonds sind an Fonds beteiligt, die selbst wiederum an Fonds beteiligt sind und immer so weiter. Größter Einzel-Aktionär des Stuttgarter Autoherstellers ist übrigens ein weiterer Staatsfonds, die Kuwait Investment Authority. Auch hier ist kaum bekannt, welchen genauen Anteil an Daimler das Emirat über andere Fonds und Konzerne hält.

Gleiches lässt sich hierzulande von nahezu allen börsennotierten Unternehmen sagen. Kaum ein Dax-Konzern, bei dem der norwegische Pensionsfonds und Blackrock nicht unter den größten Aktionären aufscheinen. Bei anderen Staatsfonds, etwa jenen der Golf-Emirate, geschieht das seltener. Kuwait ist mit 3,24 Prozent an Infineon beteiligt, Qatar hält über seinen Staatsfonds mehr als elf Prozent der Volkswagen-Aktien. Abu Dhabi hat Anteile an Vonovia und der Deutschen Börse. Zudem ist das Emirat über seine nationale Fluglinie Etihad an Air Berlin beteiligt. Über indirekte Beteiligungen kann man aber auch hier nur spekulieren. Dass der Einfluss von Staatsfonds auf deutsche Aktien beträchtlich sein dürfte, sind sich Experten einig. Rund zwei Drittel der Dax-Aktionäre sind ausländische Investoren.