Von Moritz Jäger

Mehr als nur Qualitätsmängel - giftige Lebensmittel und Zahnpasten bereiten der Exportnation massive Probleme. Ein Fünftel der Waren entspricht nicht den Minimalstandards. Peking will die Kontrollen verschärfen.

Produkte "Made in China" haben unseren Alltag längst durchdrungen. Das Reich der Mitte verdankt seinen Aufschwung vor allem dem Export von Massenware - Quantität zum billigen Preis. Doch sorgten teils massive Qualitäts- und Kontrollmängel in letzter Zeit für Skandale.

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Giftiges Frostschutzmittel, getarnt als chinesische Zahnpasta. Colgate scheint von dem Skandal nicht betroffen zu sein. (© Foto: AP)

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Waren es bisher anspruchslose Konsumartikel oder industrielle Vorprodukte, die in Shenzen oder Guangzhou zu einem Bruchteil der hiesigen Kosten hergestellt werden, drängt China längst auch in qualitätssensible Bereiche wie Lebensmittel oder Hygieneartikel vor.

Und da wird es kritisch: Weichmacher in Salatsoßen oder Zahnpasta, die mit Frostschutzmittel kontaminiert ist - da hilft nur ein beherztes Durchgreifen der Regierung.

Erschreckende Zahlen

Das staatliche Hauptamt für Qualitätskontrolle und Quarantäne hat am vergangenen Dienstag Zahlen veröffentlicht, die nicht nur das Ausland erschrecken: Im ersten Halbjahr 2007 entsprachen 19,1 Prozent der für den Inlandsmarkt gedachten Güter nicht den Mindestanforderungen. Besonders kleine Unternehmen sorgten mit Mängelquoten von bis zu 30 Prozent für das schlechte Abschneiden.

Gleichzeitig wird von höchster Stelle beschwichtigt: Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums beschuldigte die Medien, regelmäßig zu übertreiben und die Bevölkerung unnötig in Panik zu versetzen. Auch China kämpfe gegen importierte Mängelware, so die Reaktion des Ministeriums auf Vorwürfe der Großabnehmer EU und Japan.

Nicht zur Zahnreinigung geeignet

Dennoch wolle die Regierung die Kontrollen verschärfen, meldete das chinesische Staatsfernsehen am Mittwoch. Auslöser war der Fund gefährlicher Substanzen in Zahnpasten, die vorwiegend nach Nord- und Südamerika, sowie nach Asien exportiert worden waren.

In den Tuben wurden Spuren des Frostschutzmittels Diethylenglykol (DEG) nachgewiesen, das in den letzten beiden Jahrzehnten weltweit zu acht Massenvergiftungen mit tausenden Toten führte. In Panama beispielsweise wurde der billige Glycerinersatzstoff DEG in Hustensaft gefunden - die gefälschte und hochgefährliche Zutat stammte aus China. Acht Menschen starben durch die Einnahme des Medikaments, berichtete die New York Times.

Mittlerweile haben die USA aus solchen und ähnlichen Skandalen der vergangenen Monate die Konsequenzen gezogen. Sie vertrauen nicht länger auf die Kontrollen der Chinesen. Mit einer Schwarzliste sollen chinesische Waren rigoros aus den Regalen verbannt oder gar nicht erst ins Land gelassen werden: Aufgelistet werden mit Schwermetallen belasteter Fisch, Fruchtsäfte mit gesundheitsschädlichen Lebensmittelfarben oder Spielzeug, von dem sich Kleinteile, Lacke und Weichmacher lösen.

Der Regierung in Peking scheint langsam bewusst zu werden, wohin laxe Kontrollen und Problemverdrängung führen: In die globale Verweigerungshaltung von Konsumenten gegenüber Produkten, deren Herkunft die "People's Republic of China" ist.

Die alleinige Schuld für die Skandale darf man der Volksrepublik aber nicht anlasten. Der gnadenlose Preisdruck durch westliche Industriestaaten auf die verlängerte Werkbank im Osten trägt zu dieser Entwicklung bei. Damit das Frostschutzmittel nach Panama gelangte, wechselte es dreimal den Besitzer - die Transportkontrollen versagten nicht nur in China, sondern auch in Barcelona.

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(sueddeutsche.de)