Von Klaus Ott

Der Streit um die Landesbank wird zur ersten Bewährungsprobe für Bayerns künftigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. In Sparkassenkreisen wird ihm vorgeworfen, planlos zu handeln.

Neuer Sitzungsmarathon in Sachen Landesbank: Um zehn Uhr hat am Morgen für führende Sparkassenfunktionäre in Bayern die nächste Krisensitzung begonnen. Die wichtigsten Vertreter der kommunalen Kreditinstitute um Verbandschef Siegfried Naser beraten intern, wie man sich gegenüber der Staatsregierung verhalten soll, die auf eine Ablösung von Bankchef Michael Kemmer drängt. Die Marschroute ist noch unklar. Klar ist eigentlich nur: Wichtige Sparkassenvertreter, auch solche mit einem CSU-Parteibuch, sind sauer auf den künftigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Hat sich den Zorn der bayerischen Sparkassen zugezogen: Horst Seehofer. (© Foto: ddp)

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Seehofer hatte den Vorstand der BayernLB wegen der ständig gestiegenen Risiken in Milliardenhöhe, die den Freistaat viel Geld kosten, öffentlich indirekt zum Rücktritt aufgefordert. Der künftige Ministerpräsident will einen völligen Neuanfang - ohne Personen, die mit alten Problemen belastet sein könnten.

"Kurzsichtig, planlos, unüberlegt"

Seehofers Vorgehen bei der BayernLB sei allerdings kurzsichtig, unüberlegt und planlos, heißt es aus Sparkassenkreisen. Ein führender Funktionär schimpft, der neue Regierungschef schade entweder sich oder der Bank. Bereits bei der ersten Bewährungsprobe versage Seehofer.

Dem künftigen CSU- und Regierungschef wird angekreidet, Landesbankchef Kemmer ablösen zu wollen, aber keinen Nachfolger parat zu haben. Die BayernLB dürfe mitten in ihrer schlimmsten Krise nicht führungslos gemacht werden. Geschehe das, dann "gute Nacht" Landesbank, sagt der Sparkassenfunktionär.

Andererseits könne Seehofer jetzt auch nicht mehr zurück, ohne sein Gesicht zu verlieren. Dazu habe sich der künftige Ministerpräsident schon zu weit aus dem Fenster gelehnt. Bleibe Kemmer Bankchef, dann stehe Seehofer in der Öffentlichkeit bei seinem ersten Machtkampf in Bayern als Verlierer da. Und das ausgerechnet kurz vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten und Parteichef.

Auch Naser in Bedrängnis

Die Lage sei verfahren wie noch nie, stöhnt man im Sparkassenlager. Ein Ausweg sei nicht in Sicht. Daran sei Seehofer allerdings selbst schuld. In Sparkassenkreisen gibt es allerdings auch andere Stimmen. Die Landesbank habe ihre Eigentümer unzureichend informiert, es müsse in der Tat ein Neuanfang gemacht werden. Nicht nur bei der BayernLB, sondern auch im Sparkassenverband.

In der CSU wird bereits offen der Rücktritt von Verbandspräsident Naser gefordert. Der habe als Chef oder Vizechef des Verwaltungsrats in der Landesbank immer an entscheidender Stelle mitgewirkt und sei nicht weniger verantwortlich als Finanzminister Erwin Huber, der sein Amt nun aufgibt, und als Bankchef Kemmer. Fällt nach Huber auch Kemmer, dann könnte am Ende auch Naser fallen.

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(sueddeutsche.de/mel)