Luxemburg-Leaks Warum ein Professor PwC für eine Gefahr für die Gesellschaft hält

460 dieser spezialisierten Arbeitskräfte arbeiten derzeit in der PwC-Steuerabteilung in Luxemburg, wo die Firma etwa 2450 Mitarbeiter hat. Sie leben davon, ihren Kunden zu verraten, was das Steuerrecht des Großherzogtums für ihre Steuerrechnung hergibt. PwC sei sechstgrößter Arbeitgeber Luxemburgs, verkündete Luxemburg-Chef Didier Mouget in einem Video auf der Luxemburger PwC-Internetseite nicht ohne Stolz. Auch das Ergebnis kann sich sehen lassen: 288 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2013 und 15 Prozent davon kommen aus der Steuerabteilung. Insgesamt sei das "eine solide Performance", so ordnet Mouget im Video lächelnd - und sichtlich um Understatement bemüht - das Wachstum von elf Prozent ein.

Dass die Luxemburger Geschäfte nun ernsthaft in Gefahr sind, glaubt man nicht in der Branche. Nicht unter dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Das sagte zumindest kürzlich George Bock, einer der KPMG-Partner in Luxemburg, der Wirtschaftswoche: "Juncker wird den Schneid haben zu sagen, dass Steuerwettbewerb in Europa gewünscht ist."

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Ein besonders harter Kritiker der Wirtschaftsprüfer ist Prem Sikka, Professor für Wirtschaftsprüfung in London. Er hält das Tun der "Big Four" sogar für gefährlich und nennt sie nur die "Nadelstreifenmafia". Ihre Arbeit führe dazu, "dass normale Menschen höhere Steuern zahlen müssen, weil ihre Steuervermeidungsschemata große Konzerne und reiche Menschen entlasten", sagt er. Deswegen hielte er es für richtig, die Macht der großen Prüfungsgesellschaften zu beschränken. Die Prüfer sind in seinen Augen eine Gefahr für die Gesellschaft: "Sie nutzen ihre Macht, um die Demokratie, das Recht und das Wohlergehen der Menschen zu untergraben."

In eine ähnliche Richtung argumentiert der ehemalige deutsche Steuerfahnder Frank Wehrheim. "Es gibt keine Waffengleichheit", so beschreibt er den Kampf der Fahnder gegen die Modelle der Beratungsfirmen. "Wenn wir vier Leute zum Prüfen in eine Großbank schicken, stecken auf der Gegenseite vielleicht 300 oder 400 externe Berater."

Auf Anfrage des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) erklärt PwC, man weise "jede Andeutung zurück, es gäbe im Bereich der Arbeit der Firma etwas Vorschriftswidriges." PwC halte sich weltweit an einen Verhaltenskodex, der keine unethischen Verhaltensweisen zulasse. Zu den bekannt gewordenen Dokumenten erklärt die Beratungsgesellschaft, diese seien "gestohlen" und "veraltet". Die Aufklärung des Diebstahls liege in den Händen der zuständigen Behörden.

Wie auch immer die Ermittlungen ausgehen: Die Folgen des Lecks werden Pricewaterhouse Coopers noch länger begleiten, als ihnen lieb ist.