Luxemburg-Leaks Dieser Briefkasten ist sechs Firmen

Ein Haus - 1600 Firmen: So was gibt es in Luxemburg. Man muss suchen, bis man Briefkästen von Milliardenunternehmen wie Fresenius findet, das sich den Schlitz mit fünf anderen teilt

(Foto: Bastian Obermayer)

Willkommen im Land der diskreten Milliarden. Wer in Luxemburg mal nachfragen will, was sich hinter den Adressen deutscher Firmen verbirgt, der erlebt ein absurdes Theater.

Von Bastian Obermayer, Luxemburg

Es knackt in der Sprechanlage, und der Mann, der hier, am Luxemburger Stadtpark, für den deutschen Energieriesen Eon spricht, holt Luft. Er hat inzwischen wirklich schlechte Laune. Man hat ihm ein paar vorsichtige Fragen gestellt zu den Milliardengeschäften des Konzerns, die via Luxemburg an der deutschen Steuer vorbeilaufen. Der Mann hat erklärt, er könne dazu nichts sagen. Also hat man gefragt, ob man nicht hochkommen könne, ins Büro? Man könnte dort oben im vierten Stock auf jemanden warten, der Auskunft geben könne? Irgendwen muss es hier ja geben, der Ahnung hat. Und auf der Straße in eine Sprechanlage hineinschreien nervt ja auch ein wenig.

"Vergessen Sie es, Sie können auf keinen Fall hochkommen", sagt er, "no way". Stille. Auch Stille kann feindselig sein. Dann fragt er: "Was wollen Sie eigentlich?"

Ja, was will man?

Man will einen Tag kreuz und quer durch Luxemburg fahren, immer auf der Suche nach dem großen deutschen Geld. Genauer gesagt: nach hier angeblich ansässigen Firmen suchen, die ihre Profite vor der Steuern schützen. Milliarden gehen seit Jahren verloren, weil multinationale Firmen hohe Gewinne ihren Luxemburger Ablegern zuschieben - die so tun, als würden sie von hier aus Geschäfte betreiben. Oder tun sie das tatsächlich?

Die bislang geheimen Steuerdokumente des Luxemburg-Leaks deuten, vorsichtig gesagt, eher darauf hin, dass sich hinter den Tochterfirmen meist nicht viel mehr verbirgt als eine Adresse, die man in Formulare eintragen kann. Gemeinhin also das, was man Briefkastenfirmen nennt.

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Aber man lässt sich ja gerne eines Besseren belehren. Und man kann ja mal vorbeischauen bei den Tochterfirmen von Deutscher Bank, Eon, Ikea oder Fresenius, und einfach mal fragen, was deren Leute hier in Luxemburg so machen den ganzen Tag.

Außerdem hat man ja wochenlang seine Nase in die verschiedenen Steuerunterlagen gesteckt - auch dazu fiele einem die ein oder andere Frage ein.

Man fliegt also, ausgestattet mit einer langen Adressliste, in aller Herrgottsfrüh nach Luxemburg, leiht sich am Flughafen ein Auto und macht sich auf den Weg in die City. Im Flugzeug war man schon kurz davor, die nervöse ältere Dame auf dem Gangplatz zu fragen, ob sie ihr Schwarzgeld besuchen geht. Also als Witz. Aber dann blätterte sie in Papieren, die tatsächlich aussehen wie Bankunterlagen.

Man schweigt also lieber. Man wird noch früh genug unangenehm auffallen an diesem Tag.

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