Luftverkehr Piloten von Air Berlin sollen verzichten

Eine Maschine von Air Berlin auf dem Hauptstadt-Flughafen: Die Airline schreibt schon seit Langem Verluste.

(Foto: Odd Andersen/AFP)
  • Air Berlin will Piloten vorerst keine Überstunden mehr bezahlen.
  • Das Unternehmen nutzt damit eine entsprechende Klausel im Tarifvertrag mit dem Cockpitpersonal.
Von Jens Flottau

Die Fluggesellschaft Air Berlin will den Piloten vorerst keine Überstunden mehr bezahlen. Das Unternehmen bestätigte am Freitag, es nutze damit eine entsprechende Klausel im Tarifvertrag mit dem Cockpitpersonal. Diese lasse Konsultationen zur sogenannten Mehrflugstundenregelung im Falle geopolitisch oder durch Naturgewalten verursachter Geschäftseinbrüche zu. Das dazu an die Piloten verschickte Schreiben als Zeichen von Finanznot zu interpretieren, sei jedoch irreführend und falsch, betonte Air Berlin.

Mit Bezug auf das Schreiben hatte der Spiegel berichtet, Air Berlin sei offenbar finanziell in einer weitaus prekäreren Lage als bislang vermutet. Laut Air Berlin haben andere Mitarbeitergruppen bereits darauf verzichtet, sich aufgelaufene Überstunden auszahlen zu lassen. Das Unternehmen begründet die aktuellen Maßnahmen mit einem deutlichen Rückgang der Nachfrage nach den Anschlägen in Paris und Istanbul. Diese hätten dazu geführt, dass ein nennenswerter Prozentsatz des Geschäfts weggebrochen sei, somit komme die Klausel in dem Tarifvertrag zum Tragen.

Sorge in der Branche

Allerdings sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens grundsätzlich seit Langem bekannt, entsprechend groß ist die Sorge in der Branche, dass sich diese Probleme weiter zuspitzen könnten. Viele Flughäfen haben ein großes Interesse daran, dass Air Berlin auf Dauer neben Lufthansa erhalten bleibt, denn der Marktführer zieht sich immer mehr auf die beiden Drehkreuze in München und Frankfurt zurück. Jede weitere schlechte Nachricht bei Air Berlin sorgt unter den wichtigen Lieferanten regelmäßig für Aufregung.

In den vergangenen Jahren haben die häufig wechselnden Vorstände der Airline mit immer neuen Maßnahmen bislang vergeblich versucht, den Wandel zum Besseren einzuleiten. Der derzeitige Air-Berlin-Chef Stefan Pichler war im vergangenen Frühjahr mit klaren Ansagen zu einer harten Sanierung gestartet und hatte vor allem im Sommer und im Herbst die Kapazität bei Air Berlin deutlich zurückgefahren. In dem im Herbst vom Aufsichtsrat verabschiedeten und auch vom Hauptaktionär Etihad Airways (29,2 Prozent) abgesegneten Sanierungsprogramm war dann von einem weiteren Abbau nicht mehr die Rede, denn Etihad will Air Berlin auch kurz- und mittelfristig wieder wachsen sehen.

Air Berlin schreibt seit Jahren hohe Verluste und konnte nur durch den Einstieg von Etihad weiterfliegen. Etihad hat bislang Hilfen in der Größenordnung von einer Milliarde Euro in Air Berlin gepumpt, unter anderem durch ein hochverzinsliches Gesellschafterdarlehen in Höhe von 255 Millionen US-Dollar. Im vergangenen Herbst platzierte Etihad zudem für sich selbst und ihre diversen Beteiligungsgesellschaften eine Sammelanleihe, aus der Air Berlin anteilig rund 140 Millionen Dollar erhalten hat.

Air Berlin wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, welchen Anteil des Gesellschafterdarlehens sie bislang schon gezogen hat. Ein Unternehmenssprecher verwies auf die Vorlage der Geschäftszahlen für das Jahr 2015 im April. Auch Etihad äußerte sich zunächst nicht zu dem Darlehen und möglichen weiteren Finanzhilfen, die Insider vermuten.

Die Nachfrage im Luftverkehr ist stark saisonal beeinflusst und liegt im Winter deutlich unter dem Niveau des Sommers. Fast alle Fluggesellschaften verdienen ihr Geld deswegen in den Sommermonaten und machen in den Winterquartalen deutlich geringere Gewinne oder gar Verluste.

Der Druck, in dieser Zeit die Kosten unter Kontrolle und möglichst hohe liquide Mittel im Unternehmen zu halten, ist besonders groß. Zuletzt hatte das Air-Berlin-Management auf einen Teil der Gehälter verzichtet, um die laufenden Ausgaben zu beschränken. Mit den Piloten verhandelt das Unternehmen zudem auch darüber, bereits vereinbarte Gehaltserhöhungen von rund vier Prozent für das Jahr 2016 auszusetzen.

Parallel dazu hat Airline-Chef Pichler das Air-Berlin-Management noch einmal umgebaut. Oliver Iffert, 46, der bislang bei Etihad Airways Flugbetriebsleiter war, übernimmt in Berlin den Posten des Chief Operating Officer (COO). Er ist zuständig für Flugbetrieb, Kabinenbesatzung, Bodenstationen und Wartung. Neil Mills, 45, ist künftig für unter anderem für Netzplanung und Allianzen zuständig.