Luftverkehr Muttergesellschaft von British Airways kauft Niki

  • Die British-Airways-Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG) hat sich mit dem Verwalter der insolventen Fluggesellschaft Niki geeinigt.
  • Offenbar will das Unternehmen 20 Millionen Euro für die österreichische Fluggesellschaft zahlen.
  • Die Einigung wird auch den deutschen Flugmarkt verändern.
Von Jens Flottau, Frankfurt

Im Verkaufsverfahren der insolventen Fluggesellschaft Niki ist eine erneute überraschende Wende gelungen. Schon Donnerstag hatte es geheißen, dass Insolvenzverwalter Lucas Flöther nur noch mit einem Bieter verhandle: der British-Airways-Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG). Das Unternehmen hat die Gerüchte am Freitagabend bestätigt. Die IAG will die frühere Air-Berlin-Tochter zu großen Teilen übernehmen. Damit sind die übrigen drei Bieter - Niki Lauda, Thomas Cook und Tuifly - aus dem Rennen.

Demnach will die Muttergesellschaft von British Airways und Iberia für die österreichische Fluggesellschaft 20 Millionen Euro zahlen. Weitere 16,5 Millionen Euro bekomme die Fluggesellschaft als Finanzspritze. Die Transaktion erfolge durch die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft der spanischen Billig-Airline Vueling. Diese werde in Österreich gegründet und eigenständig agieren.

Flöther hatte zunächst lediglich mitgeteilt, dass die Verkaufsverhandlungen "für den Geschäftsbetrieb des Unternehmens vorerst exklusiv mit einem Bieter" fortgesetzt würden. Der vorläufige Gläubigerausschuss habe ihn dazu beauftragt, in den nächsten Tagen einen Kaufvertrag "endzuverhandeln".

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IAG früh an Niki interessiert

Die Air-Berlin-Tochter Niki betreibt eine Flotte von rund 20 Flugzeugen, vor allem auf Ferienstrecken von Deutschland und Österreich zu Zielen im Mittelmeerraum. Mitte Dezember musste Niki aber einen eigenen Insolvenzantrag stellen, nachdem Lufthansa mitgeteilt hatte, den Kauf der Firma nicht mehr weiterzuverfolgen.

Lufthansa begründete dies damals mit dem Widerstand der Europäischen Kommission gegen die Übernahme. Einen Tag später stellte Niki den Flugbetrieb ein. Die österreichische Aufsichtsbehörde Austro Control hat Niki aber die Fluglizenz noch nicht entzogen, somit hat die Airline weiterhin noch die Kontrolle über Start- und Landezeiten an wichtigen deutschen Flughäfen wie Düsseldorf und Berlin.

Niki-Gründer Niki Lauda war am Donnerstag der einzige der vier zuletzt verbliebenen Bieter, der offiziell Stellung nahm. "Ich bin nicht mehr im Rennen", sagte er der Wiener Tageszeitung Die Presse. Eigenen Angaben zufolge hatte er etwas mehr als 18 Millionen Euro geboten. Lauda zufolge läuft die aktuelle Betriebsgenehmigung für Niki nur noch bis zum 3. Januar.

IAG war schon in einer früheren Phase des Air-Berlin-Insolvenzverfahrens an Niki interessiert gewesen. Der Konzern war einer von mehreren Interessenten, die ein Angebot für die Airline abgaben. Ende Oktober hatte aber die Lufthansa in der ersten Runde den Vorzug erhalten, weil sie dem Vernehmen nach deutlich mehr Geld bot als IAG und Thomas Cook.

Niki wird wohl in Vueling aufgehen

Danach hatte IAG das Interesse verloren, doch die Insolvenz von Niki hat hier zu einem Umdenken geführt - ein Käufer müsste keine alten Verbindlichkeiten mehr übernehmen. Mit der Einigung über den Verkauf wird sich der deutsche Flugmarkt weiter verändern. Denn Niki wird in der IAG-Billigsparte Vueling aufgehen. Vueling mit Sitz in Barcelona hat ein dichtes Streckennetz in Spanien, Italien, Frankreich und nach Großbritannien aufgezogen, in Deutschland aber noch nicht gut Fuß fassen können.

Niki ist die Gelegenheit, dies schnell nachzuholen. Der neue Eigentümer bekomme maximal 15 Airbus-A320-Maschinen sowie Landerechte an mehreren Flughäfen - darunter Wien, Düsseldorf, München, Palma de Mallorca oder Zürich. Das neue Unternehmen plane, rund 740 Niki-Mitarbeiter einzustellen. "Niki war der wirtschaftlichste Teil von Air Berlin, und die Ausrichtung auf den Freizeitbereich passt perfekt zur Strategie von Vueling", sagte IAG-Chef Willie Walsh.

Vueling ist damit nach Easyjet die zweite große Billigairline, die nach der Air-Berlin-Pleite massiv in den deutschen Markt einsteigt. Easyjet nimmt am 5. Januar innerdeutsche Flüge in Konkurrenz zu Lufthansa auf und will bis Ende 2018 rund 25 Maschinen alleine vom Flughafen Berlin-Tegel aus einsetzen.

Für IAG ist es auf gewisse Weise eine Rückkehr in den deutschen Markt: Die IAG-Tochter British Airways hatte 1992 die Deutsche BA gegründet. Air Berlin hatte diese 2006 übernommen und integriert. Anders als Easyjet und früher die Deutsche BA dürfte Vueling aber kaum Interesse an innerdeutschen Strecken haben. Vielmehr setzt die Airline wie Niki vor allem auf innereuropäische Ferienziele.

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