Der Pilotenstreik bei der Lufthansa-Tochter CityLine hat um Mitternacht begonnen. Der Mutterkonzern reagiert mit Unverständnis und spricht von einer Zumutung für die Kunden.
Fluggäste der Lufthansa-Tochter Cityline müssen sich am Donnerstag und Freitag auf massive Flugausfälle einstellen. Denn nur wenige Tage nach dem Ende der Streiks beim Boden- und Kabinenpersonal ist ein neuer Arbeitskampf bei der Lufthansa ausgebrochen.
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Die Piloten der Lufthansa CityLine wollen streiken. (© Foto: AP)
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Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) hat für Donnerstag und Freitag mehr als 700 Piloten bei der Lufthansa-Tochter CityLine zu einem 36-stündigen Arbeitskampf aufgerufen. Der Streik der Piloten werde am Donnerstag um 00.00 Uhr beginnen und bis Freitag 12.00 Uhr dauern, teilte Cockpit mit.
Hintergrund seien die festgefahrenen Tarifverhandlungen über die Gehälter für Piloten. Diese Verhandlungen laufen unabhängig von denen für das Boden- und Kabinenpersonal, bei dem am vergangenen Freitag nach fünf Tagen Streik eine Einigung erreicht worden war.
Rund 400 Flüge am Donnerstag
CityLine bedient ausschließlich Strecken in Europa, vor allem auf wenig frequentierten Linien. Am Donnerstag stehen rund 400 Flüge auf dem Programm. Wie viele davon wegen der Streiks ausfallen werden, ist nach Angaben der Lufthansa noch offen. Der Mutterkonzern Lufthansa mit seinen stark frequentierten Routen zwischen Drehkreuzen und Interkontinentalverbindungen ist nicht betroffen.
Das Unternehmen reagierte mit Unverständnis auf die Ankündigung. "Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Pilotenvereinigung Cockpit auf Basis des vorliegenden Angebots nicht verhandlungsbereit ist", sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty.
Passagiere würden nach Möglichkeit auf die Bahn und auf andere Flüge umgebucht. Fluggäste könnten sich unter der Telefonnummer 0800-850 60 70 und im Internet informieren.
Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat den 36-stündigen Pilotenstreik der Vereinigung Cockpit scharf kritisiert. Weitere Streiks seien eine Zumutung für die Kunden und schadeten dem Unternehmen, sagte Lauer am Mittwochabend vor Journalisten in Frankfurt am Main. "Dialog ist hier der richtige Ansatz." Lauer betonte, dass es ein verbessertes Angebot für die Piloten bei der Regionaltochter Cityline gebe. Das Unternehmen sei bereit, direkt mit Arbeitnehmer-Vertretern zu verhandeln oder einen Schlichter anzurufen. Es gebe keinen Grund, in einen Arbeitskampf zu gehen.
Cockpit begründete die neuen Aktionen damit, dass die Lufthansa-Führung in den monatelangen Tarifverhandlungen kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt habe. Bereits im Juli waren die Cockpitbesatzungen der Lufthansa-Töchter Eurowings und CityLine in einen 24-stündigen Ausstand und Ende Juli in einen 36 Stunden dauernden Streik getreten. Die Gewerkschaft hatte die Tarifverhandlungen für die Piloten im Mai für gescheitert erklärt.
Fast alle Mitglieder befürworten den Streik
In einer Urabstimmung sprachen sich anschließend mehr als 99 Prozent der VC-Mitglieder für Streiks aus. Im Kern geht es bei den Verhandlungen um mehr Geld, eine konkrete Forderung für eine Anhebung hatte die Gewerkschaft in der Öffentlichkeit aber nicht genannt.
Von den neuen Arbeitskämpfen sind nach Angaben von Cockpit unter anderem die Flughäfen Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf, Berlin-Tegel und Leipzig betroffen.
Derzeit läuft unabhängig von den Piloten eine Urabstimmung der Gewerkschaft Verdi über die am Freitag erzielte Tarifeinigung für die gut 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine. Sie erhalten rückwirkend zum 1. Juli 5,1 Prozent mehr, vom 1. Juli 2009 an weitere 2,3 Prozent.
Die Piloten des Lufthansa-Mutterkonzerns drohen ebenfalls mit Warnstreiks in den nächsten Tagen. Sie fordern eine Konzern-Personalvertretung bei Deutschlands größter Fluggesellschaft. Die Lufthansa hält solche Warnstreiks nicht für zulässig und will notfalls gerichtlich bis hin zur Forderung von Schadenersatz dagegen vorgehen. Bei einem Warnstreik der gut 3500 Piloten der Lufthansa AG könnte es zu massiven Verspätungen im Luftverkehr kommen.
Lufthansa-Manager Lauer sprach sich für eine Diskussion in Deutschland über den Umgang mit konkurrierenden Gewerkschaften aus. Es müsse auch bei Streiks der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gelten. Lauer argumentierte, dass bei Dienstleistungsunternehmen wie der Lufthansa jeder einzelne Streiktag unwiederbringlich verloren sei und nicht wie in anderen Branchen später nachgearbeitet werden könne.
Spartengewerkschaften in der Kritik
Der Personalvorstand bezog sich mit seinem Vorschlag auf kleine Spartengewerkschaften wie die Vereinigung Cockpit, die in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben und in Konkurrenz zu den traditionellen Großgewerkschaften stehen.
So setzte die Lokführergewerkschaft GDL in diesem Jahr nach einem einjährigen Arbeitskampf durch, dass sie von der Deutschen Bahn als eigener Tarifpartner anerkannt wird und erreichte deutliche Lohnsteigerungen. Neben der Vereinigung Cockpit und der GDL kann etwa die Gewerkschaft der Flugsicherung mit relativ geringem Aufwand für massive Behinderungen im Verkehr sorgen.
Einstieg bei Austrian Airlines
Unabhängig vom Streik zeigt die Deutsche Lufthansa sich offen für weiterführende Gespräche zu einem möglichen Einstieg bei der angeschlagenen österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines(AUA). "Wenn die österreichische Regierung auf uns zukommt, sind wir natürlich an einem intensiven Dialog interessiert", sagte Lauer in Frankfurt.
Lufthansa begrüße die Entscheidung der österreichischen Staatsholding ÖIAG, die sich zumindest von einem Teil ihres rund 43-prozentigen AUA-Anteils trennen will. Die Regierung hatte sich auf eine Privatisierung der Airline verständigt - allerdings unter der Bedingung, dass ein österreichischer Kernaktionär weiter eine Sperrminorität hält. Besorgt zeigte sich Lauer über die Wirtschaftsentwicklung. "Wir müssen damit rechnen, dass das Konsumverhalten sich gegen Ende des Jahres ändert", sagte er.
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(dpa/AP/Reuters/vw/segi)
Vor der EM in Polen und der Ukraine
Der Personalvorstand der Lufthansa möchte also gern weniger Lohn bezahlen, als die Piloten fordern - na das ist ja wirklich bemerkenswert.
Und da ihm die Einzelgewerkschaft zu stark ist, möchte er lieber mit einer großen Ver.di verhandeln, die in der jüngsten Vergangenheit bereits deutlich gezeigt hat, dass das mit der Höhe des Abschlusses nicht ganz so wichtig ist - kann man irgenwie verstehen. Solange die nur Beiträge gezahlt werden, kann man ruhig den Chef während laufender Verhandlungen in Südsee-Urlaub schicken.
Außerdem findet Herr Lauer es sowieso unfair, wenn die Arbeitnehmerschaft am vermeintlich längeren Hebel sitzt - zumindest was bestimmte Sparten angeht. So bildet Lauer eine unheilige Allianz mit den etablierten Gewerkschaftsführern und ruft indirekt nach Gesetzen, die die abtrünnigen (unchristlichen) Spartenkämpfer wieder zurück in den Schoß der sanften Mutter treiben soll.