Die Lufthansa lässt ein neues Logo auf ihre Maschinen malen und spart damit Geld bei der Bezahlung der Piloten - die fühlen sich ausgetrickst.
Wenn man nach den Ursachen des Tarifkonfliktes zwischen der Lufthansa und der Vereinigung Cockpit sucht, muss man bis ins Jahr 1992 zurückgehen. Damals war die Lufthansa fast pleite, und die Piloten halfen mit Gehaltsabstrichen, das Unternehmen zu retten. Im Gegenzug vereinbarten sie als künftige Geschäftsgrundlage den sogenannten Konzerntarifvertrag (KTV).
Die Art der Verwendung des Logos durch die Lufthansa ist einer von mehreren Streitpunkten zwischen Unternehmen und Piloten. (© Foto: ddp)
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Darin stehen, neben vielem anderen, zwei wesentliche Punkte: Kein Lufthansa-Flugzeug mit mehr als 70 Sitzen darf bei Tochtergesellschaften fliegen. Und Flüge unter der Lufthansa-Marke müssen auch von den eigenen Leuten durchgeführt werden. Auf diese Vereinbarung lassen sich fast alle Streitthemen zurückführen. Denn Lufthansa hält das 18 Jahre alte Abkommen für überholt: "Die Luftverkehrsindustrie von heute hat mit der von damals nichts mehr zu tun", so Vorstand Stefan Lauer.
Lufthansa hatte damals, von kleinen Ausnahmen abgesehen, keine ausländischen Tochtergesellschaften. Und kaum eine Airline betrieb im Regionalgeschäft Maschinen mit mehr als 50 Sitzen. Inzwischen hat sich Lufthansa von einem deutschen zu einem europäischen Konzern gewandelt, Airlines wie Swiss und Austrian gekauft und Lufthansa Italia gegründet.
Mittlerweile ist der Markt zudem voll von Regionaljets, die mit über 100 Sitzplätzen deutlich geringere Kosten pro Passagier aufweisen als ihre Vorläufer. Auch Lufthansa setzt diese, teilweise geduldet von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), mittlerweile bei den günstigeren Tochtergesellschaften ein.
Der Streit hat sich nun daran entzündet, dass die Airline immer mehr dieser Flugzeuge gekauft hat. Dabei bedient sie sich eines Tricks. Sie lässt nicht das Lufthansa-Logo auf die Maschinen malen, sondern nur gelbe Bälle auf blauem Grund. Das Unternehmen hält dieses Vorgehen für rechtlich einwandfrei, die Piloten sehen darin einen Bruch des Tarifvertrages.
Der Trick mit dem Logo
Auch der Fall Lufthansa Italia sorgt für Ärger. Dem KTV zufolge müssten bei der neuen italienischen Tochter die gleichen Tarifbedingungen gelten wie in Deutschland, sagen die Piloten. Lufthansa hält dagegen, dass ein deutscher Tarifvertrag in Italien gar nicht wirksam sei. Übergangsweise fliegen derzeit deutsche Piloten die in Mailand stationierten Maschinen. Sie sollen aber bald von lokalen Kollegen mit niedrigerer Bezahlung abgelöst werden.
Die Piloten befürchten, dass Lufthansa Italia ebenso wie Austrian und Swiss mit ihren geringeren Kosten im Laufe der Zeit immer mehr Strecken der Lufthansa übernehmen werden und damit indirekt Arbeitsplätze im Konzern vernichten könnten. Deswegen fordern sie, dass in einer neuen Vereinbarung genau definiert wird, wer was fliegen darf, etwa im Nachbarschaftsverkehr zwischen Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Das Unternehmen sieht darin einen unzulässigen Eingriff in seine Entscheidungsfreiheit.
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(SZ vom 22.02.2010/jab)
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