Lufthansa: MD-11 Das Angstflugzeug

Der jüngste Crash einer Lufthansa-Frachtmaschine scheint die Probleme der "MD-11" zu belegen: Piloten der Lufthansa sehen in dem Flugzeug ein permanentes Sicherheitsrisiko.

Von Jens Flottau

Es lief anfangs wie oft in solchen Situationen. Augenzeugen wollen gesehen haben, wie die MD-11 der Lufthansa Cargo Rauchschwaden hinter sich herzog, als sie am Dienstag der vergangenen Woche auf dem Flughafen von Riad landen wollte. Die Piloten schafften es mit ihrem Jet auf die Landebahn, doch dann brach der Rumpf auseinander und die Maschine rutschte Hunderte Meter weiter, bis sie schließlich im Sand neben der Betonpiste zum Liegen kam. Die Crew konnte sich über die Notrutschen befreien, bevor praktisch der gesamte Rumpf ausbrannte.

Bei ganz vielen Flugzeugabstürzen geben Augenzeugen an, dass die betreffende Maschine bereits in der Luft gebrannt habe. Doch in den wenigsten Fällen stimmt die Beobachtung, und das ist für die Ursachenforschung sehr wichtig. Und auch bei Flug LH 8480 sind sich lokale Behörden, Lufthansa Cargo und die amerikanischen Flugunfalluntersucher einig: Bis zu dem Moment, als die Maschine den Boden berührte, war alles ganz normal: Keine Auffälligkeiten, keine Fehler- oder Rauchmeldung im Cockpit.

Zu schnell bei der Landung

Der Unfall wird deswegen erneut die Diskussion befeuern, ob die MD-11 ein ausreichend sicheres Flugzeug ist, das normal talentierte Piloten beherrschen können. Denn der Crash steht in einer Reihe von Unfällen mit ähnlichem Ablauf. Erst im November 2009 war eine andere MD-11 der Lufthansa Cargo in Mexiko-Stadt nach einer harten Landung schwer beschädigt worden, aber es gab bei anderen Airlines auch Unfälle mit vielen Opfern.

Hinter den Kulissen gärt es: Wieder werfen Piloten den Fluggesellschaften vor, ein permanentes Sicherheitsrisiko zu dulden. Und bislang haben die Airlines argumentiert, meist hätten individuelle Pilotenfehler eine wichtige Rolle gespielt. Ein bisschen haben wohl beide Seiten recht.

Die MD-11, von der Lufthansa Cargo nun noch 18 Stück betreibt, wird vor allem als Frachtflugzeug eingesetzt. McDonnell Douglas entwickelte die Maschine in den späten achtziger Jahren auf der Basis der kleineren DC-10. Um Gewicht zu sparen und den Treibstoffverbrauch zu senken, ließ der Hersteller aber die Tragflächen in der gleichen Größe, und stattete den Jet mit einem kleineren Leitwerk aus.

Das hat Konsequenzen: Die MD-11 ist bei der Landung mit bis zu 160 Knoten (knapp 300 Stundenkilometern) viel schneller als die meisten anderen Jets (240 Stundenkilometer), und sie ist wegen der kleineren Steuerflächen an den Flügeln dabei auch noch schwerer zu kontrollieren. "Die MD-11 ist ein anspruchsvolles Flugzeug, für das wir mehr trainieren als bei anderen Modellen", so Fokko Doyen, Flottenchef MD-11 bei Lufthansa Cargo vor einigen Monaten.

Große Kräfte

Einige Indizien deuten darauf hin, dass auch in Riad die Landung missriet, weil der Pilot einen Fehler gemacht hat oder weil das Flugzeug unvorhersehbar reagiert hat, wovon Piloten immer wieder berichten. Nach einem extrem harten Aufsetzen könnte der hintere Rumpfteil buchstäblich durchgebrochen sein, durch den Funkenflug ausgelöst von schleifendem Metall habe die Ladung Feuer gefangen. Auch der Umstand, dass das Bugfahrwerk komplett zerstört wurde und die Piloten Verletzungen ähnlich wie nach einem Autounfall hatten, deutet darauf hin, dass große Kräfte auf den Rumpf gewirkt haben müssen.

Bei Lufthansa Cargo dürfte der Unfall denjenigen im Unternehmen Rückenwind verschaffen, die mit dem Flugzeug sowieso nie glücklich waren und das Kapitel schnell beenden wollen. Doch selbst wenn die Frachtsparte der Lufthansa schnell Ersatz bestellen würde, müsste sie mit der MD-11 noch mehrere Jahre zurechtkommen - so lange sind die Vorlaufzeiten bei den Flugzeugbauern.

Einsteigen, bitte!

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