SZ: Hochtief hat gerade versucht, sein Flughafengeschäft abzugeben, der Börsengang scheiterte dann. Warum hatten Sie kein Interesse?

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Schulte: Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Hochtief geplant, einen Minderheitsanteil abzugeben. Für uns sind in der Regel Minderheitsbeteiligungen nicht interessant, wir wollen die Mehrheit oder Managementeinfluss. Wenn Hochtief morgen über den Verkauf einzelner Flughafenbeteiligungen mit uns reden möchte, kennen die ja unsere Adresse.

SZ: Haben Sie Bedenken, dass der neue Berliner Flughafen für Sie eine starke Konkurrenz wird?

Schulte: Die Stärke Frankfurts resultiert aus der wirtschaftlich sehr starken Region. Wir haben einen großen Einzugsbereich, der 35 Millionen Menschen umfasst. Passagiere aus einem Umkreis von 200 bis 300 Kilometern kommen nach Frankfurt, um hier abzufliegen, beispielsweise per ICE aus Köln. Wir haben mehr Hinterland als Berlin oder München. Wir liegen einfach in der Mitte Deutschlands, ein geopolitisch unschlagbarer Vorzug.

SZ: Wird München jemals so groß sein wie Frankfurt?

Schulte: Ja, wie Frankfurt heute schon, aber dann werden wir längst über die heutige Größe von London-Heathrow hinausgewachsen sein.

SZ: Wenn Sie Ihre zusätzliche Landebahn bekommen, stellt sich doch die Frage, ob Sie nicht dann neue Möglichkeiten für Anbieter wie Easyjet schaffen, selbst wenn ein großer Teil der neuen Slots wieder an die Lufthansa geht.

Schulte: Wir haben einen ganz klaren Rechtsrahmen. Die Vergabe der Slots obliegt dem Flughafenkoordinator und nicht der Fraport AG.

SZ: Aber Sie könnten auf die Idee kommen, ein Billig-Terminal zu bauen und dort geringere Gebühren zu verlangen?

Schulte: Der Frankfurter Flughafen will insbesondere im interkontinentalen Bereich wachsen und nicht Verbindungen aus dem Nirgendwo ins Nirgendwo anbieten. Dafür brauchen Sie aber Zubringerverkehr. Wir freuen uns, wenn das Lufthansa und die Star Alliance machen, aber natürlich können und werden auch andere Airlines europäische Metropolen mit starkem Aufkommen an Frankfurt anbinden. Das kann Easyjet sein oder Air Berlin, oder andere, das wird man abwarten müssen. Und wir werden definitiv kein Billig-Terminal bauen.

SZ: Sie betreiben ja nicht nur den Frankfurter Flughafen, sondern auch andere. Werden das noch mehr werden?

Schulte: Wir werden das internationale Geschäft weiter ausbauen und schauen uns weitere Projekte an. Wir können uns noch ein oder zwei Projekte in China vorstellen. Und wir schauen uns noch ein bis zwei Regionen an, in denen die Flughafeninfrastruktur noch effizienter entwickelt werden kann, das Wachstum aber hoch ist. Derzeit entwickeln sich unsere internationalen Investitionen wie Antalya, Lima oder Xian gut.

Die Talsohle in der Luftfahrtkrise ist durchschritten

SZ: Ihre Verkehrszahlen im Dezember sahen wieder besser aus. Ist die Talsohle durchschritten?

Schulte: Die Talsohle ist klar durchschritten. Die Frachtzahlen waren ja sehr gut, aber auch bei den für uns wichtigen Langstreckenpassagieren sehen wir einen positiven Trend. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend 2010 und 2011 fortsetzt, wenn auch mit einigen Wellenbewegungen. Die Passagierzahlen werden bei uns 2010 um ein bis zwei Prozent steigen. Wenn das weltweite Wirtschaftswachstum aber stärker ausfällt als derzeit prognostiziert, dann kann das auch zu einem stärkeren Wachstum führen.

SZ: Aber es gibt auch Risiken in die andere Richtung.

Schulte: Klar, wenn es Terroranschläge gibt oder sich neue Risiken in der Finanzwirtschaft auftun, dann sieht die Sache wieder anders aus. Derzeit gehen wir aber von einer deutlichen Steigerung des operativen Ergebnisses aus, 600 Millionen Euro oder mehr, was wir angesichts der hohen Investitionen auch brauchen. Für 2009 haben wir zuletzt 530 bis 540 Millionen vorausgesagt. Und da wir im Vorfeld immer konservativ rechnen, können Sie davon ausgehen, dass wir zumindest im oberen Bereich dieser Bandbreite liegen. Die Steigerung kommt vor allem aus dem internationalen Geschäft.

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  1. Fraport-Chef flirtet mit der Konkurrenz
  2. Sie lesen jetzt "Der Flughafen Frankfurt ist geopolitisch unschlagbar"
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(SZ vom 02.02.10/jcb/mel)