Luftfahrt Für die Rettung von Niki drängt die Zeit

Nach der Mutterfirma Air Berlin droht auch der Airline Niki das aus. Die Zeit für eine Rettung drängt.

(Foto: AFP)
  • Der Insolvenzverwalter der Airline Niki sieht noch Chancen für eine Rettung.
  • Doch die Zeit dafür ist äußerst knapp.
  • Unter anderem soll Firmengrüne und Rennfahrer-Legende Niki Lauda versuchen, in die Fluggesellschaft wieder einzusteigen.
Von Markus Balser und Jens Flottau, Berlin

Eigentlich hätte die Veranstaltung in den Büros von Niki stattfinden sollen, doch die waren wegen des großen Andrangs schlicht überfüllt. Und so musste das Management der Fluggesellschaft Ende vergangener Woche in einen unterirdischen Passagiergang des Flughafens Wien-Schwechat umziehen, um einige hundert Niki-Mitarbeiter über das drohende Aus der Fluggesellschaft zu informieren. Nach einer Stunde musste die Geschäftsführung die Veranstaltung jedoch beenden. Das Treffen endete in heftigem Streit.

Die Nervosität bei der insolventen Air-Berlin-Tochter in Österreich wächst. Doch der Insolvenzverwalter stellt nun klar, dass er die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben habe. Im Gegenteil. "Ich schließe aus der großen Nachfrage im Investorenprozess, dass die Chance für eine Rettung von Niki gut ist - trotz des großen Zeitdrucks", sagt Insolvenzverwalter Lucas Flöther der Süddeutschen Zeitung. Es gebe ein "enormes Investoreninteresse". Und: "Mit der Insolvenz haben wir eine ganz neue Situation. Für Bieter wird die Fluggesellschaft interessanter, weil Nachteile wie bestehende Verträge damit kündbar sind." Die zweistellige Millionensumme, die Lufthansa in Niki gesteckt hat, damit der Flugbetrieb weitergeführt werden kann, müsse nicht zurückgezahlt werden, da sie eine Insolvenzforderung geworden sei.

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Der Zeitplan ist allerdings straff. "Wir haben zunächst eine Sieben-Tages-Frist, die aber von den österreichischen Behörden auch noch bis nach den Feiertagen verlängert werden könnte", sagt Flöther. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen bemühen sich neben dem früheren Firmengründer Niki Lauda und dem Billigflieger Ryanair auch ein Bieterkonsortium um den Berliner Logistiker Zeitfracht und die Wartungsfirma Nayak um den Einstieg. Auch der Ferienflieger Thomas Cook gilt weiterhin als mögliche Alternative. Thomas Cook könnte mit Niki ihre deutsche Ferienfluggesellschaft Condor stärken.

Niki Lauda hat bereits seit Längerem Interesse daran, die nach ihm benannte Airline zurückzukaufen. Er war 2011 komplett ausgestiegen und hatte alle Anteile an Air Berlin verkauft. Erschwert werden die Rettungsbemühungen von Niki allerdings von einem heftigem Streit unter den Konkurrenten. So erhebt der ehemalige Rennfahrer und Unternehmer Lauda schwere Vorwürfe gegen die Lufthansa. Sie habe sich heimlich fast die gesamte Flotte geholt. "Das ist ein durchschaubares Spiel", sagte er der Bild am Sonntag. "Lufthansa will Niki zerstören."

Niki Lauda, hier mit seiner typischen roten Kappe im Jahr 1987, ist schon seit den 80er-Jahren im Airline-Geschäft, erst mit Lauda-Air, dann mit Niki. Jetzt will er wieder einsteigen.

(Foto: imago)

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Finde sich wegen der Hängepartie kein neuer Investor, würden die Start- und Landerechte auf die verbliebenen Fluggesellschaften an den jeweiligen Flughäfen übergehen. So erhalte Lufthansa, was sie will - und das sogar gratis. Lufthansa weist Vorwürfe zurück. Man habe zwar mit Leasingunternehmen Vorverträge für rund die Hälfte der etwa 20 Niki-Flugzeuge abgeschlossen. Lufthansa habe sich aber gegenüber der EU-Kommission verpflichten müssen, die Maschinen zu Marktkonditionen weiterzuvermieten oder zu verkaufen, sollte sich ein anderer Käufer für Niki finden. Diese Vereinbarung gilt einem Lufthansa-Sprecher zufolge weiter, das Unternehmen werde sich natürlich daran halten. Zuletzt war dem Vernehmen nach der Druck auf den Konzern gewachsen, die Vereinbarung auch zu befolgen.

In Berlin wird derweil über das drohende Finanz-Debakel für deutsche Steuerzahler diskutiert. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums bestätigte am Sonntag, dass der staatliche Notkredit über 150 Millionen Euro wegen der Niki-Pleite wohl nur zum Teil zurückgezahlt werde. Dabei hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im August noch versprochen, man könne mit "großer, großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass der Steuerzahler das nicht bezahlen muss".

In der Union herrscht Unmut darüber, dass die Staatsgelder nicht zurückgezahlt werden können. "Ich mache mir große Sorgen, dass die Lufthansa auf dem Weg zum Monopolisten ist", sagt Carsten Linnemann, der Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union. "Der Staat muss eigentlich Wettbewerb fördern, das hat er mit diesem Kredit nicht getan. Viele Kunden spüren ja bereits, wie die Preise anziehen."

Bundestag fordert Aufklärung

Aus dem Bundestag wurden am Sonntag Forderungen nach Aufklärung laut. Für die damals zuständigen Minister Alexander Dobrindt (CSU) und Brigitte Zypries (SPD) "ist der Air-Berlin-Deal zur Bruchlandung geworden", sagt die Grünen Wirtschaftsexpertin Katharina Dröge. Sie hätten leichtfertig das Geld der Steuerzahler riskiert. Dabei hätten Kartellexperten im Wirtschaftsministerium wissen müssen, "dass Brüssel eine solche Monopolstellung der Lufthansa nicht genehmigen würde". Nun müsse sich der Bundestag mit dieser Pleite beschäftigen. Die zuständigen Minister müssten Anfang Januar Vertreter aller Bundestagsfraktion über die Hintergründe unterrichten.

Niki-Insolvenzverwalter Lucas Flöther hat nach aktuellem Stand bis Ende kommender Woche Zeit, einen neuen Käufer für die österreichische Air Berlin-Tochter zu finden. Bis dahin will die Aufsichtsbehörde Austro Control die Betriebsgenehmigung aufrechterhalten, normalerweise hätte sie diese bereits mit dem Insolvenzantrag entziehen müssen.

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