Luftfahrt Den Flughafen Tegel weiter zu nutzen, wäre Irrsinn

Am 24. September wird es in Berlin einen Volksentscheid zum Flughafen Tegel geben. Nicht ausgeschlossen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Beibehaltung von Tegel votiert.

(Foto: dpa)

Der Berliner Stadt-Airport erfreut sich größter Beliebtheit. Viele hoffen, dass er doch noch bleiben kann. Aber das würde teuer werden.

Kommentar von Caspar Busse

Ziemlich beliebt ist der Flughafen in Berlin-Tegel bei Passagieren. Von der Flugzeugtür bis zum Ausgang sind es nur wenige Schritte, es gibt keine weiten und ermüdenden Wege wie auf anderen großen Airports. Und dann ist man auch noch schnell in der Stadt. Geschäftsreisende können ihre Termine so bequem erreichen wie in kaum einer anderen Metropole in Europa.

Kein Wunder, dass die Forderung immer lauter wird, den Flughafen nicht wie geplant zu schließen. Vor zehn Tagen erst hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mitgeteilt, dass er sich einen Weiterbetrieb gut vorstellen könne. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat dies am Wochenende strikt abgelehnt.

Es geht munter hin und her. Am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, wird es in Berlin auf Antrag einer Bürgerinitiative einen Volksentscheid dazu geben. Nicht ausgeschlossen, dass dann eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Offenhaltung von Tegel votiert.

Und dann? Der Berliner Senat erklärt schon jetzt, ein Votum wäre gar nicht bindend. Aber wenn der öffentliche Druck zunimmt? Wird dann der Flughafen, der das Kürzel TXL trägt, Mitte der 70er-Jahre eröffnet wurde und inmitten der Stadt liegt, offen bleiben?

Lärmgeplagte Bürger

Fest steht jedenfalls: Bei dem Thema gehen nicht nur in der Hauptstadt die Emotionen hoch: Auf der einen Seite die lärmgeplagten Bürger rund um Tegel, auf der anderen die Passagiere, die es möglichst einfach haben wollen.

Es gibt eine ganze Reihe von Argumenten, Tegel sofort zu schließen, wenn der neue Großflughafen BER im Südosten der Stadt (endlich) eröffnen sollte (den jüngsten Prognosen zufolge wird das vielleicht erst Anfang 2019 sein). Der wichtigste Grund: Es wäre schlicht wirtschaftlicher Irrsinn, in Berlin zwei internationale Flugplätze parallel zu unterhalten.

Ein Doppelbetrieb von TXL und BER würde nach Schätzungen 100 bis 200 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten. Flugüberwachung, Sicherheitskontrollen, Gepäckabfertigung und vieles mehr müssten doppelt betrieben werden.

Dazu kommen erhebliche Investitionen in eine dringend erforderliche, grundlegende Sanierung der in die Jahre gekommenen Gebäude in Tegel, von rund einer Milliarde Euro ist die Rede. Aber schon jetzt macht der Betreiber, die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, die den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund gehört, hohe Verluste. Die Kosten würden also die Bürger tragen - und die Passagiere. Denn die Mehrkosten würden voraussichtlich zu einem Teil auch auf die Ticketpreise umgelegt.

Dazu kommt: Lufthansa, Ryanair und andere Unternehmen haben bereits mitgeteilt, sie würden weiter Tegel anfliegen, wenn das möglich ist. "Wenn Tegel offen bleibt, kann man aus dem BER ein Museum machen", glaubt Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann.

So weit kommt es vielleicht doch nicht. Aber klar wäre auch, dass nicht alle Fluggesellschaften in Tegel bleiben könnten. Dort würden dann wohl die Linien-Airlines mit den gut zahlenden Geschäftsreisenden landen und starten, in Schönefeld möglicherweise vor allem Billig- und Ferienflieger. Es könnte einen Flughafen erster und zweiter Klasse geben. Umsteigeverbindungen wären ohnehin kaum möglich, wenn Passagiere in Schönefeld ankommen und von Tegel aus weiterfliegen sollen.

Natürlich ist Berlin auch in einem Dilemma, das kaum zu lösen ist. Der neue Flughafen BER, der eigentlich schon 2011 eröffnet werden sollte und sich stattdessen zu einer Peinlichkeit sondergleichen entwickelt hat, ist schon jetzt viel zu klein. Etwa 34 Millionen Passagiere werden in Berlin in diesem Jahr erwartet, damit wird es in Schönefeld ziemlich eng.

Aber deshalb einen zweiten Flugplatz offen zu halten, ist die falsche Lösung. Der neue Flughafen muss vielmehr größer werden, einige Maßnahmen dazu wurden bereits ergriffen.

Die Diskussion um die Zukunft von Tegel ist dabei eine weitere Unglaublichkeit in der scheinbar unendlichen Berliner Flughafengeschichte. CDU und FDP in Berlin wollen den Weiterbetrieb erzwingen. Absolut unverständlich ist, dass nun ausgerechnet Bundesverkehrsminister Dobrindt sich auf ihre Seite stellt, denn er muss die wirtschaftlichen Zwänge der Berliner Flughafengesellschaft kennen. Die beiden anderen Gesellschafter Brandenburg und Berlin, beide von SPD-Chefs regiert, wehren sich tapfer dagegen und beharren auf den alten Beschlüssen, dass es künftig nur einen großen Flughafen in der Hauptstadt geben kann.

Für das Desaster gilt, was Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller am Wochenende sagte: "Glauben Sie mir, lustig finde ich das nicht."

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