Lösungen für die Schuldenkrise Es gibt drei Modelle

Wenn diese Analyse stimmt und wenn die Lage an den Märkten so ist wie beschrieben, dann darf die Politik jetzt keinen Fehler mehr machen, dann hat sie noch genau einen Schuss frei. Das ist die historische Aufgabe, die den Regierenden in Europa zukommt, personifiziert durch Angela Merkel, deren große Zeit womöglich erst kommt.

Während die Kanzlerin in Deutschland unter Dauerbeschuss steht, wird sie außerhalb Europas wahrgenommen als Führungsperson - wie auch Deutschlands Rolle in Europa sich fundamental verändert. In der Euro-Krise hängt mittlerweile alles an Deutschland. Die Bundesrepublik könnte in Europa wirtschaftlich das werden, was Amerika immer noch für die Welt ist: unvollkommene, ungeliebte, aber entscheidende Macht. Jetzt muss Deutschland führen, und Merkel ist dazu bereit. Sie hat dabei gemeinsam mit den Euro-Partnern genau drei Möglichkeiten.

Erstens könnten die Politiker darauf vertrauen, dass die unabhängige Europäische Zentralbank das große Liquiditätsversprechen abgibt, so wie dies die Notenbanken in USA und Großbritannien getan haben: Wir drucken Geld notfalls ohne Ende, bis der Markt zufrieden ist. Der Aufkauf von Anleihen, die am Markt niemand mehr will, in Höhe von bereits mehr als 200 Milliarden Euro wäre dann nur der Anfang auf einem Weg, der in Inflation münden wird.

Zweitens könnten die Staaten Euro-Bonds einführen, also gemeinschaftliche Staatsanleihen, was letztlich eine Vergemeinschaftung der Schulden ist. Das aber wäre das Signal an die Schuldnerstaaten, weiterzumachen wie bisher. Die Hoffnung auf spätere, freiwillige Reformen hat schon bei der Einführung des Euro getrogen, warum sollte es jetzt funktionieren? Um den Preis, dass die Märkte wieder anspringen, verlagerte man die Probleme in die Zukunft - sie würden doppelt und dreifach zurückkommen.

Also spricht alles für den dritten Weg: erst sparen, dann retten. Das ist der Weg von Angela Merkel, der anspruchsvollste. Gefordert sind Verhandlungsgeschick, starke Nerven, guter Wille, nackte Not, Vertrags- und Verfassungsänderungen. Aber am Ende könnte eine stabilitätsorientierte Euro-Gruppe mit hartem Sanktionsmechanismus stehen. Der Gipfel von Straßburg in dieser Woche war ein Anfang - wenn es Berlin und Paris nicht bei Ankündigungen belassen. Die wirtschaftsstarken Deutschen können den Euro retten, aber sie müssen dann auch die Bedingungen diktieren. Damit macht man sich nicht beliebt, aber für Zurückhaltung fehlt die Zeit.

Insgesamt 800 Milliarden Euro müssen 2012 im Euro-Raum neu finanziert werden. Wenn die Politik nicht rasch Vertrauen bildet, dann steht irgendwann im kommenden Jahr das Finanzsystem still, mit dramatischen Folgen für die Realwirtschaft und das tägliche Leben - auch im reichen Deutschland.