Von Markus Balser

Der designierte Siemens-Chef Peter Löscher will den Technologiekonzern sanft verändern. Wer eine Revolution erwarte, werde enttäuscht, sagte Löscher bei seiem ersten offiziellen Auftritt am Dienstagabend.

"Guten Abend zusammen", schallt es durch den historischen Rathaussaal in Nürnberg. Mit flotten Schritten betritt Peter Löscher am Dienstagabend bei einem Empfang des Konzerns den Raum und lächelt in die Runde.

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Lange geheim gehalten von den Konzernstrategen nutzt Siemens seine jährliche Medienkonferenz überraschend zum ersten offiziellen Auftritt des neuen Chefs. Fünf Tage vor Dienstantritt des 49-jährigen Österreichers zum 1. Juli lautet die Botschaft vor der internationalen Presse: Die Zeit der Unsicherheit nach der Führungskrise und der Korruptionsaffäre ist endgültig vorbei.

"Ich freue mich darauf, dass es jetzt losgeht", sagt Löscher und dämpft die Angst vor einem raschen Konzernumbau. "Wenn Sie denken, der Löscher fängt an und die Revolution beginnt, muss ich Sie enttäuschen."

Der Konzern werde sich wandeln wie schon in den vergangenen Dekaden, aber es gehe um eine Evolution, nicht um einen Umbruch, sagt Löscher.

Er wolle zunächst auf wichtigen Märkten ein Zeichen der Kontinuität setzen. Indien, China und Japan seien seine ersten Ziele nach dem Amtsantritt, am kommenden Donnerstag wird Löscher zudem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Antrittsbesuch zusammentreffen.

Selten zuvor war der erste Auftritt eines neuen Topmanagers in Deutschland mit soviel Spannung erwartet worden, denn der ehemalige Pharmamanager übernimmt einen der wichtigsten Jobs, den die deutsche Industrie zu vergeben hat - aber auch einen der schwersten.

Das Ruder herumreissen

Der künftige Chef des Konzerns mit zuletzt 480.000 Mitarbeitern und etwa 80 Milliarden Euro Umsatz soll bei Siemens das Ruder herumreißen und das in einem Korruptionsverfahren verstrickte Traditionshaus wieder zu einem angesehenen Unternehmen machen, "auf das die Welt mit Respekt schaut", wie Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme fordert.

Die Affäre um schwarze Kassen, die das Unternehmen seit Monaten in Atem hält, hatte Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld nach nur 30 Monaten Amtszeit den Job gekostet. Kleinfeld hatte Ende April bekannt gegeben, als Vorstandschef von Siemens nicht mehr zur Verfügung zu stehen, nachdem der Aufsichtsrat Bedenken gegen eine Vertragsverlängerung angemeldet hatte.

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(SZ vom 27.06.2007)