sueddeutsche.de: In der Zigarrettenindustrie sitzen auffällig viele Frauen auf prominenten Posten, ein Beispiel ist Ilona Luttmann, die Leiterin für Gesellschafts- und Verbraucherpolitik der deutschen Niederlassung von British American Tobacco. Sind Frauen für solche Jobs geeigneter?
Marianne Tritz: "Wir haben noch keine fertigen Lösungen." (© Foto: marianne-tritz.de)
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Tritz: Wenn ich ehrlich bin und mich hier umschaue, dann habe ich das Gefühl, dass es mehrheitlich Männer sind, mit denen ich es zu tun habe.
sueddeutsche.de: Ihnen steht in Zeiten des heftig diskutierten Rauchverbots ein ganz harter Job bevor. Haben Sie den Zielrahmen mit Ihrem neuen Arbeitgeber schon abgesteckt?
Tritz: Das ist alles noch nicht in Gänze gefüllt. Es geht erst einmal darum, tatsächlich wieder mit Menschen zu reden und rauszukommen aus einer Ecke mit verhärteten Fronten; zuzuhören, was Kritiker zu sagen haben, aufzunehmen was die Wissenschaft Neues bringt, sich mit der Politik zu verständigen - es geht darum, miteinander zu reden und natürlich auch den Rauchern eine Stimme zu geben.
sueddeutsche.de: Den Nichtraucherschutz tragen Sie mit?
Tritz: Natürlich akzeptiere ich den Nichtraucherschutz. Ich will auch nicht dran drehen, der hat eine hohe Priorität. Aber der Rest der Bevölkerung, der sich anders entschieden hat, soll auch zu seinem Recht kommen.
sueddeutsche.de: Sind Sie Raucherin?
Tritz: Nicht mehr.
sueddeutsche.de: Fangen Sie wieder an?
Tritz: Warum sollte ich? Ich habe ja aufgehört.
sueddeutsche.de: Zum neuen Job würde das doch ganz gut passen.
Tritz: Da täuschen Sie sich. Wir sind genauso wie der Rest der Bevölkerung aufgeteilt in Raucher und Nichtraucher.
sueddeutsche.de: Der Verband der Cigarettenindustrie hatte sich im vergangenen Sommer nach dem Austritt des Marktführers Philip Morris in Luft aufgelöst, mit Ihrem Start wird er nun reanimiert.
Tritz: Es geht überhaupt nicht um eine Wiederbelebung. Der alte und der neue Verband haben nichts miteinander zu tun. Der alte Verband hatte sich aus nachzulesenden Gründen aufgelöst. Aber es gab natürlich das Bedürfnis der Zigarettenindustrie, wieder mit einer Stimme zu sprechen. Deutschland ist nun mal ein Verbände-Land. Außerdem ist es eine Hilfe für die Politik, die gefordert hat, dass sie wieder einen kompetenten Ansprechpartner hat. Darum hat es eine Neugründung gegeben.
sueddeutsche.de: Was hat der Verband vor?
Tritz: Der Verband hat sich Leitmotive gesetzt und unterscheidet sich in seinem Auftreten und in der Politik von dem alten Verband. So werden wir auch arbeiten.
sueddeutsche.de: Verfügt der Verband dementsprechend über mehrere neue Köpfe an verantwortlichen Stellen - oder unterstützen Sie als Geschäftsführerin im Grunde genommen die alte Mannschaft?
Tritz: Natürlich wird es den ein oder anderen aus dem alten Verband geben, der sein Fachwissen mit einbringen wird. Aber es gibt auch neue Köpfe.
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Großprojekte in Berlin
Man hätte sie noch fragen sollen, wie das Verständnis des erwachsenen mündigen Konsumenten mit dem üblichen Einstiegsalter von 10-12 Jahren zusammenpasst, was das mit der Werbung und Verfügbarkeit für/von Zigarretten, sowie den suchtverstärkenden, hustenvermindernden und für KINDER geschmacksverbessernden Zusatzstoffen zusammenhängt.
[..] wenn man die Zigarette so genießt, wie wir uns das vorstellen [..]
Einen solchen Satz einer bekennenden Zigarettenindustrielobbyistin kann ich nur so verstehen:
Bitte raucht so viel ihr könnt, aber sterbt am Rauchen nicht statistik- oder medienwirksam!
.. und dürfen Lobbyisten auf der SZ eigentlich 24x7 sprechen?
Dieser Satz alleine zeigt, wessen Geistes Kind die Dame ist.
Es ist weder Aufgabe noch Pflicht des Staates, Drogenmissbrauch zu fördern, zu unterstützen oder zu schützen. Niemand muss rauchen. Daher ist die Diskussion überflüssig. Wer dennoch raucht, muss mit den Konsequenzen eben leben oder aufhören.
Aus meiner Sicht gibt es nicht den geringsten Grund, auf Raucher in irgendeiner Form mehr Rücksicht zu nehmen, als auf Alkoholkranke, Heroinabhängige oder Kokser. Im Gegenteil. Rauchen ist keine schutzwürdige Handlung. Mit der Verfügbarkeit von Entwöhnungsangeboten ist die Pflicht des Staates und der Gesellschaft gegenüber Rauchern im vollen Umfang erfüllt.
Alleine die Perversion im Denken ist ungeheuerlich. Man denkt darüber nach, wie man auf Raucher Rücksicht nehmen kann, wie man Verbote untwerandern kann, wie man sie aufweichen kann, ob man es dem Raucher zumuten kann, vor der Tür zu rauchen. Bisher ist noch niemand willens oder intelligent genug gewesen, mal die relevanten Fragen zu stellen: Ist es einem nicht rauchenden Menschen zuzumuten, seine Freizeitgestaltung so auszurichten, dass er nach rauchfreien Angeboten sucht? Ist es einem nicht rauchen Menschen zuzumuten, sich in einem verqualmten Raum aufzuhalten? Ist es einem Menschen überhaupt zuzumuten, die Belästigung hinzunehmen, die ein Drogenabhängiger aus niederen Beweggründen (Suchtbefriedigung) verursacht?
Nein. Ist es nicht. Genaugenommen nicht einmal im Freien. Es gibt auch keinen rechtlichen Anspruch darauf, überall und jederzeit rauchen zu dürfen. Die Freiheit endet nämlich, wo die Rechte Dritter verletzt werden.
Das Theater ist grotesk. Rauchverbote sind logisch, überfällig und nicht verhandelbar. Wer raucht kann aufhören oder muss damit leben. Einfache Sache. Wenn es jemand anders sieht, dann soll er bitte auch Kotzeimer für Alkoholkranke, Spiegeltische für Kokser und Spritzensets für Heroinabhängige fordern. Das wäre zwar genauso dumm, aber wenigstens konsequent.
Wer daran glaubt, dass der neue alte VdC nun ein Club von Menschenfreunden ist - vielleicht, weil eine Grüne da im Chefsessel sitzt - der glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte der Nikotinlobby. Der ist in den letzten Monaten subversiv und mit Guerilla-Taktiken verteidigt worden und nach den ersten Erosionstendenzen bei den Gesetzen, macht man es eben wieder offen und versucht sich durch eine Grüne einen feinen Anstrich zu verleihen. Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben - Ziel des Verbandes der Cigarettenindustrie ist es ganz klar, dass die Nikotinlobby weiterhin gewerbsmäßig süchtig machen kann, dass keine Milliarden-Schadenersatzforderungen der Regierung auf sie zukommen und das man möglichst die Gesetze noch weiter aufweicht.
Wäre der Verband daran interessiert, dass auch nur ein Raucher mit dem Rauchen aufhört oder wäre es diesem Verband mit den vorgegaukelten Zielen ernst, würden die angeschlossenen Unternehmen keine Zigaretten mehr produzieren oder vertreiben.
Der VdC kann schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht das geringste Interesse daran haben, dass weniger geraucht wird, die Verbote ausgedehnt oder gar nur aufrecht erhalten werden. Man sollte sich da keinen Illusionen hingeben. Denen geht es darum, möglichst viele Zigaretten an die Frau, die Kinder, die Männer zu bringen und möglichst viele süchtige Kunden zu haben - um nichts anderes geht es denen. Vielleicht noch darum, dass sie trotz dieses widerwärtigen Geschäftsmodells noch ein "gutes Standing" in der Öffentlichkeit erhalten.
Eigentlich keiner. Und Bürger sind es doch, die das Parlament wählen. Meistens benutzen
die Abzocker mit Mandat, dasselbe nur als Vehikel um als Lobbyist in der Wirtschaft nochmal richtig abzusahnen. Reicht es dafür nicht, geht man ins Europaparlament nach
Brüssel. Dort klingen die Kassen fett und steuerfrei.
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