Lkw-Hersteller MAN Finanzchef Lutz will sich zurückziehen

MAN-Finanzchef Frank Lutz steht nach SZ-Informationen kurz vor seinem Rücktritt - gerade noch rechtzeitig. Er kommt damit seiner drohenden Entmachtung zuvor: Bald soll Volkswagen die Finanzgeschäfte des Lkw-Herstellers übernehmen.

Von Thomas Fromm

Es ist keine zwei Wochen her, da saß MAN-Finanzchef Frank Lutz noch bei der Jahrespressekonferenz des Lkw-Herstellers in München und sprach über Zahlen. Keine besonders guten Zahlen, und erst recht keine guten Geschäftsaussichten. Sinkender Absatz, schmelzende Gewinne, Kurzarbeit - so der Dreiklang des Nutzfahrzeugkonzerns in der Krise. "Wir werden nicht die Zukunft von MAN aufs Spiel setzen, indem wir uns kaputtsparen", kündigte Lutz damals an. Es waren starke Worte. Und das in schlechten Zeiten, gerade für den Finanzchef eines Lkw-Bauers.

Was zu diesem Zeitpunkt wohl kaum jemand ahnte: Der Auftritt des gelernten Bankers, der unter anderem für die Deutsche Bank und Goldman Sachs in Frankfurt, New York und London gearbeitet hatte, dürfte sein letzter bei MAN gewesen sein. Lutz, seit 2009 Finanzvorstand in München, steht nach SZ-Informationen kurz vor seinem Rücktritt. Wie es aus Konzernkreisen heißt, soll eine entsprechende Aufhebungsvereinbarung für den Vertrag des Managers in Kürze durch den Aufsichtsrat gehen - danach würde Lutz das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen.

Über die Gründe des Abgangs so kurz nach der Jahrespressekonferenz kann nur spekuliert werden. Insider halten es für wahrscheinlich, dass Lutz nicht abwarten möchte, bis der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durch den Volkswagen-Konzern in Kraft tritt - damit wäre das Amt des MAN-Finanzchefs de facto obsolet. "Damit würde sein Bereich mit Aufgaben wie Investor Relations, Finanzierungen und Jahresabschlüssen wegfallen und zentral über Wolfsburg laufen", heißt es. Für einen Investmentbanker wie Lutz sei dies kaum reizvoll. Auf Anfrage wollten weder MAN noch Lutz selbst die Rücktrittsgerüchte kommentieren.

VW plant einen integrierten Auto- und Nutzfahrzeugkonzern, zu dem auch die Lkw-Töchter MAN und Scania gehören. Daher hatten die Wolfsburger erst im vergangenen Jahr ihren Stimmrechtsanteil bei MAN auf 75,03 Prozent aufgestockt und streben jetzt einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag an. Mit anderen Worten: Sie wollen die Kontrolle über den Konzern. Zurzeit arbeiten VW und MAN daran, Bewertungsgutachten von Wirtschaftsprüfern zu studieren, es geht um viel Geld. Möglich, dass Lutz die abschließenden Verhandlungen mit den VW-Kollegen nicht mehr führen wollte.

Dabei ist das genaue Vorgehen derzeit noch unklar: Wahrscheinlich ist, dass der nötige Hauptversammlungsbeschluss für den Beherrschungsvertrag im Juni fällt. VW könnte die restlichen MAN-Aktionäre dann mit einem Abfindungsangebot aus MAN herausdrängen. Denkbar wäre aber auch, dass MAN börsennotiert bleibt, so wie die VW-Oberklassetochter Audi, an der VW rund 99 Prozent hält. Der letzte Rest gehört noch freien Aktionären.

Der Vertrag von Lutz läuft bis 2017; in der Branche wird damit gerechnet, dass der Manager zum Abschied ein bis zwei Jahresgehälter bekommt. Wegfallen würde seine Stelle nicht: Jemand muss das Münchner Finanzressort leiten, zumindest so lange, bis der Traditionskonzern nicht ganz unter die Fittiche von VW gegangen ist.