Von Hans-Jürgen Jakobs

Die Familiensprecherin ist bestens vernetzt - innerhalb und außerhalb des Konzerns.

Über Liz - eigentlich: Elisabeth - Mohn gibt es einige Anekdoten. Eine handelt davon, wie sie einmal mit dem einstigen Bundespräsidenten Johannes Rau plauschte und ihn fragte, wie viele Assistenten er denn habe. "Einen", antwortete der Politiker, was Liz Mohn etwas verblüffte. "Ich habe acht", entgegnete sie fröhlich.

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Längst ist ihr Wirken nicht mehr auf Gütersloh beschränkt, den Standort von Bertelsmann und Bertelsmann Stiftung. Seit einigen Jahren ist sie vermehrt in der Hauptstadt Berlin präsent, in der ihr Konzern in der schmuckvollen Alten Kommandantur, Unter den Linden 1, eine Repräsentanz hat. Auch der traditionelle Rosenball, den sie ausrichtet, ist längst von Gütersloh in die Hauptstadt verlegt worden. Und öffentlich hat sich Liz Mohn beizeiten für Angela Merkel ausgesprochen, ihre "Sister-in-arms" sozusagen, eine Waffenfreundin, die es in der Männerwelt ebenfalls nach ganz oben geschafft hat.

Nichts hat in Europas größtem Medienkonzern so viel Bedeutung wie das Wort der Familiensprecherin, die an vielen Stellen im Gütersloher Gewerbe auftaucht: Aufsichtsrätin der AG und dort Leiterin des Arbeitskreises der Mitarbeitervertreter, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Chefin und Geschäftsführerin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft.

Ein steiler Aufstieg für die 64-Jährige, die als Telefonistin im ostwestfälischen Medienhaus angefangen hat und Ende der fünfziger Jahre bei einer der vielen Firmen-Geselligkeiten dem Eigentümer Reinhard Mohn aufgefallen war - beim Spiel "Die Reise nach Jerusalem". Sie heirateten 1982.

Als Bertelsmann auf der Expo 2000 in Hannover einen großen Pavillon baute, wurden die Pläne im letzten Moment noch einmal revidiert, da sich Liz Mohn und die Frauen der Führungskräfte an dem kleinen Aufzug hätten stören können. Auch diesen Damenkreis leitet die Konzern-Eigentümerin, ein wichtiger informeller Zirkel, der schon mal einen Ausflug nach Dubai macht, wenn dort Bertelsmann-Geschäfte anstehen.

Ihre Ansichten breitete sie in der Autobiografie Liebe öffnet Herzen aus, wobei es wie in den Büchern ihres Manns um "partnerschaftliche Unternehmenskultur" geht. Nachdem der Konzernpatron Schlaganfälle erlitt, ist Liz Mohns Einfluss beständig gewachsen.

Ihre Kinder Christoph und Brigitte gelten als die maßgeblichen Personen der Zukunft; von ihrem dritten Kind Andreas, einem sensiblen Künstler, ist weniger die Rede. Ihr immenses Programm, zu dem ihr Einsatz für Familienpolitik sowie die Deutsche Schlaganfall-Stiftung gehört, bewältigt sie nach eigenen Worten mit einem rigiden Ernährungs- und Fitnessplan, der viel Obst und Gemüse sowie täglich 80 Minuten auf dem Laufband vorsieht.

Am Dienstag erst erschien ein Interview des Manager Magazins mit ihr, in dem sie die Lage als "sehr entspannt" darstellte. Es sei von "untergeordneter Bedeutung", ob die Bertelsmann-Aktie an der Börse notiere. Es waren die Worte einer Taktikerin - wenig später kam alles ganz anders.

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(SZ vom 26.5.2006)