In Deutschland streiken die Milchbauern, nun bekommen sie Unterstützung aus dem Ausland. Es droht ein europäischer Lieferboykott.

Die deutschen Milchbauern sind richtig sauer. Mehr Geld fordern sie von den Molkereien, mindestens 40 Cent pro Liter Milch wollen sie bekommen. Tausende Bauern haben bereits einen Lieferboykott gestartet, Milch auf die Felder gekippt oder an die Kühe verfüttert.

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Nun solidarisieren sich die europäischen Milchbauern nach Angaben der Milchviehhalterverbandes mit ihren deutschen Kollegen. "Wir haben viele Solidaritätserklärungen aus dem Ausland erhalten", sagte Stefan Mann, Vizechef beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), der Frankfurter Rundschau. So hätten die Milchbauernverbände aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Belgien, Luxemburg und Teilen Frankreichs ihre Unterstützung zugesagt. Mit Irland liefen Gespräche.

Schlittert Europa nun doch in eine Milchkrise? Bislang hatte die Wirtschaft vor Hysterie gewarnt. Doch die streikenden Milchbauern wollen nicht nachgeben. Welche Ausmaße der Lieferboykott annehme, sei noch unklar, sagte BDM-Vize Mann. Dies wird sich wohl erst in den nächsten Tagen klären. Mann sagte: "Ich rechne aber damit, dass noch mehr Länder dazukommen."

Milchindustrie bleibt gelassen

Dem Bericht zufolge hatte am Dienstag die Vorsitzende des niederländischen Milchbauernverbands, Dutch Dairymen Board, und Vizepräsidentin des European Milk Boards, Sieta van Keimpema, die holländischen Milchbauern aufgefordert, die Milch auf den Acker zu kippen. Die österreichische IG-Milch habe ihre heimischen Erzeuger dazu aufgerufen, die Lieferungen um 50 Prozent zu reduzieren und auch in der Schweiz wolle man sich solidarisch zeigen.

Der Milchindustrieverband reagierte gelassen. Eine Abfrage bei den Molkereiverbänden in den Niederlanden, Frankreich und Österreich habe ergeben, dass dort von einem Lieferboykott keine Rede sei. Bei den Molkereien hierzulande habe der Ausfall lediglich zwischen fünf und 30 Prozent betragen, sagte Eckhard Heuser, Geschäftsführer des Verbandes. Ein solcher Rückgang könne durch die saisonal bedingte Überproduktion aufgefangen werden, sagte Heuser dem Blatt.

Bislang habe auch der Spotpreis für Milch, der aktuelle Preis auf dem internationalen Markt, nicht angezogen. Doch das muss nicht unbedingt so bleiben: "Sollte es aber eine Woche lang einen Lieferausfall von 50 Prozent geben, haben wir ein Problem. Dann wird die Versorgung mit Frischmilch knapp", wurde Heuser zitiert.

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(sueddeutsche.de/AP/tob/mel)