Von Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann

Steuersünder haben den Behörden bisher 500 Millionen Euro aus Geldanlagen in Liechtenstein zurückgezahlt - aber längst nicht alles gemeldet.

In Nordrhein-Westfalen gibt es viele Tafeln, an denen Arme gespeist werden. Die ehrenamtlichen Initiatoren dieser Einrichtungen können sich jetzt auf einen unverhofften Geldsegen einstellen.

Alle Spuren für illegale Geldanlagen führen nach Vaduz. Knapp 200 Steuersünder haben sich selbst angezeigt und insgesamt 500 Millionen Euro an die Finanzbehörde gezahlt. (© Foto: AFP)

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Die Bochumer Staatsanwaltschaft, die seit Monaten unter dem Aktenzeichen 35 Js 220/07 das Liechtenstein-Verfahren vorantreibt, will die in hoher zweistelliger Millionenhöhe erwarteten Geldbußen vorwiegend für Armenspeisungen und zur Bekämpfung der Kinderarmut einsetzen.

"Die Gelder reicher Steuersünder, die gegen das Gemeinwohl gehandelt haben", sagt ein Fahnder, sollen "direkt armen Menschen zugute kommen".

Bevor das Geld verteilt werden kann, muss es erst einmal eingetrieben werden. Die EK (Einsatzkommission) Liechtenstein II, um die es in den vergangenen Wochen ruhig geworden war, will wieder loslegen.

Den Fahndern liegen seit dem vergangenen Jahr Kundendateien der Liechtensteiner LGT Group, der berühmten Fürstenbank, und seit ein paar Monaten auch Interna über Klienten der Vaduzer Vontobel Treuhand AG vor. Nach derzeitigem Stand handelt es sich um 700 Beschuldigte.

Neue Dimensionen

Dieser Liechtenstein-Fall sprengt alle bekannten Dimensionen: Knapp zweihundert Steuersünder, die sich selbst angezeigt haben, um juristische Sanktionen zu verhindern, haben a conto schon mal eine halbe Milliarde Euro an die Finanzämter überwiesen.

Die Selbstanzeigen werden derzeit von den Finanzbehörden und der Staatsanwaltschaft auf Plausibilität geprüft. Etwa 230 weitere Selbstanzeigen sind bei den Steuerbehörden eingegangen, die keinerlei Bezug zum Liechtenstein-Komplex haben. Steuersünder, die in anderen Ländern Schwarzgeld gebunkert hatten, reagierten damit offenkundig auf einen höheren Fahndungsdruck.

Allerdings steht es um die Reue und Ehrlichkeit der Steuersünder nicht immer gut. Bei etlichen Selbstanzeigen stellten die Fahnder fest, dass die Steuersünder zwar ihre jeweilige Familienstiftung bei der LGT-Bank angegeben hatten, nicht aber Stiftungen bei anderen Liechtenstein-Banken, an die Geld abgeflossen war.

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