Seit 2006 habe Lidl bei 7500 Untersuchungen die Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer überprüft. Dazu kämen im Auftrag von Lidl 28.000 Untersuchungen durch externe Prüfinstitute, die sich speziell der Kinder- und Zwangsarbeit widmeten.

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Doch im Detail muss Lidl einräumen, dass einige seiner Zulieferer nicht oder nicht immer die hohen Standards erreichen, um die sich der Konzern laut Eigendarstellung bemüht.

Beleidigungen und Misshandlungen

Auf Anfrage äußert sich Lidl zu mehreren Firmen aus Bangladesch, deren Arbeitsweise in der Studie kritisiert wurde. So erklärt Lidl zur Firma C. (der Name ist der Redaktion bekannt, wird aber zum Schutz der Näherinnen nicht genannt) in Dhaka, ein Importeur habe Lidl Anfang 2009 diesen Hersteller vorgeschlagen.

Lidl habe daraufhin das unabhängige Prüfinstitut SGS Fresenius damit beauftragt, die Arbeitsumstände bei C. zu untersuchen.

Die Kontrolle am 17. Mai 2009 habe "notwendige Verbesserungsmaßnahmen in den Bereichen Management Practice, Entlohnung und Arbeitssicherheit deutlich" gemacht. Am 22. Juli 2009 habe es die nächste, unangekündigte Kontrolle gegeben; alle Verbesserungen seien umgesetzt worden.

Drei Monate später aber berichtete ein Arbeiter der Fabrik C. für die Studie der Lidl-Kritiker, er habe allein in den beiden Wochen vom 6. bis zum 19. Oktober insgesamt 43 Überstunden geleistet. Andere Mitarbeiter erzählten, dass Überstunden aus Angst vor Bestrafung grundsätzlich nicht abgelehnt würden.

Wer sich weigere, müsse mit Beleidigungen und Misshandlungen rechnen. Vor allem Frauen würden bedroht; der Druck sei besonders massiv, wenn Liefertermine näherrückten. In der Studie heißt es, nach fünf Uhr nachmittags, nach Ende des achtstündigen Arbeitstags, dürfe niemand das Firmengelände ohne Zustimmung des Managements verlassen.

Lidl erklärte der SZ, man habe die Firma C. im März 2010 unangekündigt überprüft und die in der Studie erwähnten Sachverhalte untersucht. In der Tat seien die von der Firma C. im Juli 2009 zugesagten Verbesserungen "bedauerlicherweise" nicht eingetreten.

Zivilklage gegen Lidl

C. habe nun drei Monate Zeit bis zur nächsten Kontrolle. Allgemein offenbaren die Antworten des Discounters, dass Lidl seine Zulieferer nur sehr punktuell überprüft und die "Audits" nicht mehr als einen Tag dauern. Fraglich ist, wer dabei Missstände offenlegen soll: Die Arbeiter müssen mit Strafen oder Entlassung rechnen, wenn sie sich beschweren, erst recht gegenüber Außenstehenden.

Schon die Verfasser der kritischen Studie mussten beharrlich um das Vertrauen der Arbeiter werben, bis diese bereit waren, über ihren Arbeitsalltag zu berichten.

Lidl betont, einige Kontrollen führten durchaus dazu, dass unzuverlässige Zulieferer aussortiert würden. In einer Firma habe man bei drei Kontrollen zwischen Ende 2007 und Ende 2008 keine deutliche Verbesserung festgestellt und deshalb den Produzenten "für eine weitere Geschäftsbeziehung zukünftig ausgeschlossen".

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Lidl dazu aufgefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben: Der Handelskonzern soll nicht mehr damit werben dürfen, seine Produkte seien sozialverträglich hergestellt worden. Lidl bestreitet einen Wettbewerbsverstoß. Die Sache soll nun gerichtlich geklärt werden. Die Verbraucherzentrale hat am Dienstag eine Zivilklage beim Landgericht Heilbronn eingereicht.

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  1. Das verkaufte Gewissen
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(SZ vom 08.04.2010/pak/odg)