Absturz gestoppt: Der schwerste Abschwung in der Geschichte Deutschlands ist beendet. Erstmals seit Sommer 2008 ist die Wirtschaft wieder gewachsen.
Aufatmen in der Wirtschaft: Die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik ist beendet. Im Frühjahr hat sich die Wirtschaft überraschend schnell erholt und ist erstmals seit Anfang 2008 wieder gewachsen. Zum Vorquartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt meldete.
Warenumschlag im Hamburger Hafen: Ist die Krise schon ausgestanden? (© Foto: ddp)
Anzeige
Zugleich fiel das Minus im ersten Quartal etwas kleiner aus, als von der Behörde zunächst angegeben. So war die deutsche Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten des Jahres nicht wie im Mai gemeldet um 3,8 Prozent gesunken, sondern nur um 3,5 Prozent.
Das Wachstum wurde vor allem durch den privaten Verbrauch, die staatlichen Konsumausgaben sowie Bauinvestitionen gestützt. Auch der Außenhandel stärkte das Wachstum, obwohl wegen der Flaute in der Weltwirtschaft die Nachfrage nach deutschen Exportgütern sank. Da die Importe aber stärker zurückgingen als die Exporte, gab es einen positiven Beitrag des Außenhandels. Viele Unternehmen bremsten das Wachstum, weil sie ihre Lager abbauten.
Warnung vor Euphorie
Die Wirtschaft kommt damit überraschend schnell aus dem Tal - viele Volkswirte hatten für das Frühjahr einen weiteren Rückgang des BIP prognostiziert. "Das ist das erste Wachstum nach einem Jahr stetigen Schrumpfens", sagte ein Statistiker. "Die Rezession ist vorbei", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Der Unsicherheitsschock, der nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 eingesetzt habe, sei abgeebbt, so Krämer: "Die Unternehmen holen Investitionen nach."
"Die weltweite Angst, dass nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman das Finanzsystem kollabieren könnte, ist vorüber", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise.
Die Unternehmen weltweit holten jetzt Investitionen nach. In den USA sieht die amerikanische Notenbank Fed die größte Volkswirtschaft in den USA vor der Konjunkturwende. Frankreich überraschte wie Deutschland mit guten Konjunkturdaten und einem Plus des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal von 0,3 Prozent.
Dennoch steht die deutsche Wirtschaft wegen des dramatischen Einbruchs schlechter da als vor einem Jahr. Im Vorjahresvergleich sank das BIP um 7,1 Prozent, kalenderbereinigt allerdings nur um 5,9 Prozent."Einen stärkeren Rückgang gab es noch nie in der Nachkriegszeit", verdeutlichte ein Statistiker.
Erholung eine "zähe Angelegenheit"
Experten warnen deshalb vor Euphorie. "Das Risiko bleibt ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit", sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian Dreger.
"Sollte im Herbst Kurzarbeit verstärkt in Entlassungen umgewandelt werden, dämpft das die Löhne und den Konsum." Die Bundesregierung und führende Institute rechnen bislang für 2009 mit einem Minus von sechs Prozent. Das wäre der stärkste Einbruch seit Gründung der Bundesrepublik. Ursache dafür ist die globale Wirtschaftskrise, unter der Exportweltmeister Deutschland besonders leidet. Der Allianz-Experte Heise rechnet nach den neuesten Zahlen nun für 2009 aber nur noch mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung von vier Prozent.
Bis Deutschland die Rezession verdaut haben wird, könnte es noch einige Jahre dauern, glaubt der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt. "Wir werden bis 2013 brauchen, bis wir da sind, wo wir vor der Krise waren", sagte der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Rezession sei mit dem leichten Wachstum im zweiten Quartal zwar zu Ende gegangen. "Anlass zum Jubeln gibt es aber nicht. Ein kräftiger Aufschwung ist nicht in Sicht. Die Erholung wird eine zähe Angelegenheit."
- Thema
- Konjunktur RSS
- Exporte Bloß nicht zu früh freuen 07.08.2009
- Wirtschaft kompakt Konjunktur: Freier Fall gestoppt 20.07.2009
- Konjunktur Kreditklemme schürt Pessimismus 14.07.2009
- Konjunktur "Die Lage ist grottenschlecht" 23.06.2009
- Europa in Not Gefährliche Träume vom Aufschwung 16.05.2010
- Wirtschaft kompakt Disney scheffelt Geld - dank Tim Burton 12.05.2010
- Wirtschaft kompakt Finanzinvestor legt Angebot für Karstadt vor 23.04.2010
(sueddeutsche.de/dpa/AFP/mel/pak/mel/tob)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Seit 2 oder 3 Tagen lese ich in Online-SZ nichts über deren Liebling "von Guttenberg". Wie kann das angehen? Man schämt sich doch wohl nicht, dass ihr Star ein Beratungsbüro der obersten Preisklasse beauftragt hat und somit überflüssig Steuergelder ausgibt?
Von nun an gehts aufwärts, jubelte der Frosch, als er im Brunnen aufschlägt.
0,3 % Quartalsaufschwung nach 6,9 % Einbruch. Das heißt so an die 20 Quartale, bis wir wieder den status quo ante erreicht haben.
Das heißt bis dahin Millionen Arbeitslose und Geringverdiener, wenn in der Arbeitsmarktpolitik nichts unternommen wird.
Und die Regierung Merkel/Westerwelle wird arbeitmarktpolitisch nichts unternehmen. Versprochen.
Frau Merkel wird sich vor die Kameras stellen und verkünden: "Schlechte Arbeitsmarktdaten sind alternativlos, wa?"
Und die Wut wird sich über dem armen Guido entladen. Einer muss ja, wie auch heute, schuld sein.
"Absturz gestoppt: Der schwerste Abschwung in der Geschichte Deutschlands ist beendet."
Solche Sätze sind aber nicht sehr seriös. Das ist ja wie wenn der Bankberater zum Kauf einer Aktie rät, weil sie den Tiefpunkt erreicht hat.
Eine Schwalbenfeder macht noch keinen Sommer.
aus welchen gründen liest jemand eine zeitung, die er als "drecksblatt" bezeichnet?
im übrigen bin ich der meinung, daß es zum wesen der pressefreiheit gehört, daß eine zeitung nicht nur vor obrigkeitlichen eingriffen geschützt ist, sondern auch eigene kriterien und rahmenbedingungen für die veröffentlichung von lesermeinungen formulieren kann
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Paging