Leitzins-Manipulation durch Royal Bank of Scotland Libor-Skandal kostet britische Bank 455 Millionen Euro

"Verblüffend, wie die Libor-Feststellung einem so viel Geld einbringen kann": Auch die Royal Bank of Scotland zahlt Hunderte Millionen Euro Strafe wegen Tricks beim Leitzins Libor. Interne E-Mails zeigen, in welch triumphierenden Tonfall sich die Händler für ihre Tricks feierten. Die Deutsche Bank feuert Mitarbeiter wegen des Skandals.

Ohne eine hohe Millionenstrafe ist bisher keine der Banken davongekommen in einem der größten Bankenskandale der Geschichte. Barclays zahlte schon 360 Millionen Euro, die UBS rekordverdächtige 1,2 Milliarden. Weil Mitarbeiter beim Leitzins Libor getrickst hatten, zahlt die Royal Bank of Scotland (RBS) 455 Millionen Euro Buße.

Das Geld geht an Aufsichtsbehörden in England und den USA. Der Chef der Handelssparte, John Hourican, übernehme die Verantwortung für die Fehler des Managements und werde die RBS verlassen, erklärte das britische Geldhaus, das in der Finanzkrise teilverstaatlicht worden war.

Vor allem bei einer japanischen RBS-Investmenttochter wurde den Behörden zufolge getrickst. Auch Londoner Händler hätten bei den Manipulationen mit anderen Banken und Handelsfirmen zusammengewirkt. Insgesamt hätten sich 21 Mitarbeiter falsch verhalten. Die Verantwortlichen hätten die Bank verlassen. Die Untersuchungen hätten aber ergeben, dass der Bank selbst kein bewusstes Fehlverhalten vorzuwerfen sei, heißt es zumindest aus der RBS.

Der täglich in London festgesetzte Libor-Zinssatz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie andere Finanzprodukte im Gesamtvolumen von mehr als 300 Billionen Euro. Er basiert auf den Daten mehrerer Großbanken, die diese täglich abliefern. Den Instituten wird vorgeworfen, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Angaben gemacht haben, um die eigenen Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern.

Für die Manipulation zahlen nun vor allem die Mitarbeiter. Die RBS will etwa 350 Millionen Euro für die Strafzahlung verwenden, die eigentlich als Boni für die Handelssparte vorgesehen waren. Der britische Finanzminister George Osborne hatte zuletzt schon klargemacht, dass die Bank für die nötigen Zahlungen nicht auf Steuergelder zurückgreifen könne.

Die US-Aufsichtsbehörde CFTC verhängte allein eine Strafe von 240 Millionen Euro, weil die britische Bank nach ihren Erkenntnissen den Yen- und Franken-Libor mindestens von Mitte 2006 bis 2010 "hundertfach" mehr oder weniger erfolgreich durch ihre Meldungen gefälscht habe. Zudem gehen mehr als 100 Millionen Euro der Summe an das US-Justizministerium.

Die Manipulationen in Büros rund um die Welt seien sogar weitergegangen, nachdem die Händler erfahren hätten, dass die CFTC ermittelt. Die britische Marktaufsicht FSA verhängte eine Strafe von ebenfalls mehr als 100 Millionen Euro gegen die RBS. Sie geht von mindestens 219 gefälschten Libor-Meldungen aus. Die RBS habe die Meldungen von 2005 bis März 2012 unzureichend überwacht.

Wie schon im Fall UBS gibt interne Kommunikation Einblicke in die Absprachen der Händler. In E-Mail-Auszügen der RBS, die an diesem Mittwoch ebenfalls veröffentlicht wurden, machten sich die beteiligten Händler lustig, wie leicht es sei, mit dem Libor reich zu werden. "Es ist einfach verblüffend, wie die Libor-Feststellung einem soviel Geld einbringen kann. Es ist jetzt ein Kartell hier in London", schrieb einer der RBS-Händler. Ein anderer schrieb: "Ich bin wie der Schlüpfer einer Hure" ("I'm like a whores' drawers") - genau wie der gehe der Libor rauf und runter.

Insgesamt soll ein Dutzend Banken den Libor manipuliert haben, darunter auch die Deutsche Bank. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin prüft ihre Rolle. An diesem Mittwoch äußerte sich auch das institut aus Frankfurt zu dem Fall: Die betroffenen Mitarbeiter arbeiteten im Geldmarktteam in Frankfurt und waren unter anderem für die Festlegung von Referenzzinsen wie Libor und Euribor zuständig. "Nachdem die Bank festgestellt hat, dass sich eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern unangemessen verhalten hatte, hat sie diese Mitarbeiter suspendiert oder entlassen und verfallbare Vergütungskomponenten einbehalten", erklärte ein Deutsche-Bank-Sprecher.