Lehrstunde Die Stunde der Pioniere

Frisches Gemüse direkt vom Erzeuger nach Hause geliefert. Eine der Ideen, die Metro-Chef Olaf Koch begeisterten.

(Foto: imago )

Metro-Chef Olaf Koch will von Gründern lernen, wie er den eigenen Online-Handel in Schwung bringen könnte. Deshalb lädt er sie regelmäßig zu sich ein.

Von Kirsten Bialdiga

Das erste Date in den eigenen vier Wänden. Es könnte mehr daraus werden, wenn alles stimmt. Aber es ist nichts zu essen im Haus - und ohnehin ist Kochen ein Problem. Leute in genau dieser Lage zählen zu den Kunden von Marcus Läbe. Der gelernte Koch hat vor über einem Jahr seinen Online-Lieferdienst gegründet. Dinnery heißt er und bringt fertige Menüs ins Haus. Der geschmorte Kalbsbraten, zum Beispiel, wird im Plastikbeutel geliefert und muss nur noch in heißem Wasser gegart werden. Zum Dessert gibt es pochierte Schokoladencreme aus dem Gläschen. Gerichte in Restaurantqualität, verspricht Läbe.

"In den USA ist auf diesem Gebiet viel passiert, in Europa bisher nicht. Wir müssen Gründer stärker fördern und unterstützen."

Läbe ist einer der Internetpioniere, die Metro-Chef Olaf Koch in dieser Woche in das Café im Erdgeschoss des früheren Vorstandsgebäudes eingeladen hatte. Fünf Dutzend Gründer und Sympathisanten der Szene tauschen ihre Ideen aus. Sie suchen wie einst ihre Vorbilder im kalifornischen Silicon Valley ihr Glück im Internet. Und Koch will von ihnen lernen. Er muss. Die Metro hat Nachholbedarf im Online-Handel. Erst gut drei Prozent des Konzernumsatzes machen die Großmärkte Cash & Carry, der Elektronikhändler Media-Saturn, die Real-Supermärkte und die Kaufhaustochter Galeria Kaufhof im Internet.

Zum dritten Mal hat Koch nun schon die Jungunternehmer eingeladen. Er gibt sich leger, trägt Anzug, aber keine Krawatte, nur den allerobersten Knopf des Hemdes geöffnet. Das reicht nicht, um unter all den Newcomern mit ihren Hipsterbrillen, Vollbärten, Jeans und Sneakers nicht aufzufallen. Ganz hinten steht Koch in der Menge und reckt den Hals, um genau mitzubekommen, was Jungunternehmer Läbe zu erzählen hat. Es könnte ja sein, dass eines Tages eine Zusammenarbeit dabei herausspringt, von der beide profitieren. Läbes Geschichte entspricht ziemlich genau dem Klischee der neuen Start-Up-Generation. Auf der Rückfahrt von einer Taufe, wo es schlechtes Essen gab, sei er darauf gekommen, Menüs für Zuhause online zu verkaufen. Noch im Auto recherchierte er, ob es so etwas schon gibt. Dann nahm er eigenes Geld in die Hand, "nicht wenig", wie er sagt. Inzwischen macht er einen soliden sechsstelligen Umsatz, doch die Gewinne sprudeln noch nicht so recht.

Immerhin. Der Metro-Chef ist angetan: "Eine super Idee", meint er und schwärmt auch vom unkonventionellen Konzept des zweiten "Speakers". Dominic Blank, Gründer von POSpulse, hält seine Rede wie selbstverständlich in Englisch. Er macht Marktforschung mit Privatleuten, die etablierten Anbieter wie Nielsen oder GfK sind dem Gründer zu langsam. Blank schickt Leute als Scouts in die Supermärkte. Sie sollen Informationen liefern, für die Blanks Kunden, Firmen wie Beiersdorf, Procter & Gamble und die Supermarktkette Tegut, zahlen sollen. Informationen über fehlende oder falsch platzierte Produkte etwa.

Manuel von der Bauerntüte ist einer der wenigen Gründer, die schon Gewinne schreiben

All das hört Koch mit Interesse. Ihm geht es vor allem um Konzepte, die etwas mit Gastronomie zu tun haben. Restaurants und Hotels zählen zu den wichtigsten Kunden der Metro-Tochter Cash & Carry. Viel Geld will er allerdings nicht in die Hand nehmen, um die Gründer zu fördern. Was die Metro aber auf jeden Fall zu bieten habe, sei ihre Vertriebspower. Weitere Beteiligungen wie zuletzt beim Onlinehändler "Emmas Enkel" schließt Koch aber nicht aus.

Der letzte Redner an diesem Abend ist ein junger Mann, der sich als "Manuel von der Bauerntüte" vorstellt. Er kooperiert mit Bauernhöfen in Nordrhein-Westfalen, kauft direkt beim Erzeuger und holt deren Produkte in die Stadt "Wir sind ein Wochenmarkt im Internet". Die Tüte, in der die Ware geliefert wird, ist aus Zuckerrohr, also kompostierbar, die Box kommt zur Bauerntüte zurück. Doch all das reichte noch nicht, um Gewinne zu schreiben. Erst als er Restaurants und Großraumbüros als Kunden gewinnen konnte, sei die Firma profitabel geworden, sagt Manuel Perera. Für den Erfolg gibt es Applaus - auch von Koch.