Erst gilt der Topmanager als Held, später wird er vom Sockel gestoßen. Gelingt es der Wirtschaft, aus der Heldendämmerung der Krise ihre Lektion zu lernen?
Nach dem tragischen Selbstmord des Torwarts Robert Enke, so behauptet nicht nur die Fußballwelt, sei nun diese Lektion gelernt: Persönliche Schwächen dürften fortan kein Tabuthema mehr sein, auch und erst recht nicht in einem von Hochleistung, Testosteron und Siegeswillen geprägten Kosmos des Profi-Spitzensports. Das Publikum liebt seine Helden, findet es aber immer noch äußerst gewöhnungsbedürftig, sollte ein solcher Held an Depression erkrankt sein.
Die Wirtschafts- und Finanzwelt in der Krise - ändert sich der Blick auf das Bild, die Rolle und das Selbstverständnis der Managerelite? (© Foto: dpa)
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Der Vergleich mag zwar auf den ersten Blick etwas weit hergeholt erscheinen, aber ähnliche Mechanismen der Heldenverehrung funktionieren auch in den Chefetagen der Spitzenmanager, von denen allein nach allgemeinem Dafürhalten das Wohl und Wehe auch riesiger Konzerne mit Hunderttausenden Mitarbeitern abhängt. Zumindest neigt das interessierte Publikum auch in diesem testosterondurchtränkten Spiel um Macht, Ehrgeiz und Karriere dazu, die Topmanager mal als rettende Helden fürs Unternehmen hochzujubeln, um sie dann im Falle des Scheiterns gnadenlos vom Sockel zu stoßen. Zumal in der Folge der anhaltenden Wirtschaftskrise hat man eine ganze Reihe vermeintlicher Helden wackeln und stürzen sehen. Das wirft die Frage auf, ob es der Wirtschafts- ebenso wie der Fußballwelt gelingen wird, aus der Heldendämmerung der Krise ihre Lektion zu lernen. Nämlich, dass die Zeit des postheroischen Managements angebrochen ist, in der Manager nicht mehr zu Helden stilisiert werden.
Allerdings wäre es ebenso verfehlt, die Unternehmensverantwortlichen als Buhmänner, als Hauptschuldige an der tiefgreifenden Krise zu brandmarken. Aber diese Krise wird - hoffentlich - dazu beitragen, dass Bild, Rolle und Selbstverständnis der Managerelite einer gründlichen Revision unterzogen wird. Wenn selbst der herausragende Management-Vordenker Peter F. Drucker einer Spezies, die er bis zu seinem Tod 2005 über Jahrzehnte hinweg erforscht, begleitet und beraten hat, bescheinigt, dass sie ihm regelrecht leidtue, lässt das aufhorchen.
Drucker fasste seine Erkenntnis in einem Satz zusammen, die der Grund für sein Mitleid war: "Wir überlasten die Menschen an der Spitze." Zwar seien die Manager weit besser ausgebildet und kompetenter als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber inzwischen seien die Anforderungen in einer globalisierten, von zunehmender Konkurrenz getriebenen Wirtschaft "so unerhört kompliziert geworden, dass nur noch Supermänner erfolgreich werden können ". Es gibt aber auch in der dünnen Luft der Machtzentren nur selten "Supermänner", auch wenn sich nicht wenige schon wegen ihres Angekommenseins dort oben für ebensolche halten.
Doch die schwierigste, letztlich paradoxe, wenn nicht gar unlösbare Aufgabe, vor die sich angestellte Konzernmanager vor allem in den Hochzeiten des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus gestellt sahen, hält Drucker für die ultimative Überforderung: Einerseits sehen sie sich von renditehungrigen Fondsmanagern und sonstigen Investoren zum kurzfristigen Taktieren und Zahlenoptimieren gezwungen. Auf der anderen Seite sind die Menschen, die Fonds und Aktien zu ihrer Altersabsicherung halten, an langfristig ausgerichteter, ertragreicher Unternehmensentwicklung interessiert. Das Prinzip Kurzatmigkeit im Widerstreit mit dem Prinzip Nachhaltigkeit ist eine Managementaufgabe, die der Quadratur des Kreises gleicht. Schon geben, wie die jüngsten Dividendenausschüttungen zeigen, die Chefs börsennotierter Konzerne den kurzatmigen Investoren, die in Windeseile Aktien kaufen und verkaufen, wieder nach und kratzen dafür die letzten Mittel zusammen, statt sie im Sinne der Nachhaltigkeit zu investieren.
Wenn aber diese Krise etwas Positives gezeitigt haben sollte, dann vielleicht die Erkenntnis, dass es viel genauer hinzuschauen gilt auf das, was die einst als Helden Gefeierten antreibt - und möglicherweise überfordert. Wie die Depression des Robert Enke trägt auch die Symptomatik, die Psychologen im Management ausgemacht haben, einen Namen, der mit "D" beginnt: Derailment. Das Etikett, das wie üblich aus dem US-amerikanischen Sprachraum und dessen Management-Forschung stammt, meint Entgleisung. Eine schleichende, nachvollziehbare Reaktion auf permanente Überforderung durch Informationsüberflutung, Komplexität und Schnelligkeit, an der auch Supermänner scheitern können. Und deren persönliche Verarbeitungsstrategien, so die Forscher, auf jenes Verhalten hinauslaufen, das die Mitarbeiter oft in die Verzweiflung treibt: Rückzug in Isolation und Misstrauen, Kontrollwut, Führen über Druck und Angst. Das sind zwar keine flächendeckenden Phänomene, aber auch keine seltenen.
Wenn offenbar weiträumig Konsens darüber herrscht, dass der Verbrauch natürlicher Ressourcen das erträgliche Maß für den Planeten übersteigt, dann ist die Erkenntnis, dass auch an der Ressource Mensch Raubbau getrieben wird, noch nicht entsprechend weit verbreitet. Als eine Folge der schockierenden Krise ertönt immer lauter der Ruf nach Nachhaltigkeit, langfristiger Ausrichtung des Wirtschaftens. Dazu müssen Führungskräfte nicht nur den Optimierungsblick ins Unternehmen richten, sondern auch Verantwortung für die Auswirkungen ihres Tuns ins gesellschaftliche und politische Umfeld übernehmen. Aber dazu muss eben auch dieses Umfeld - ob Fußballfans oder Investoren - akzeptieren, dass dort im Rampenlicht keine Helden oder "Masters of the Universe" agieren, sondern Menschen.
(SZ vom 21./22.11.2009/mel)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Bei Lichte besehen hätten einige der Unternehmen, die Sie angeführt haben, mit vernünftigem Management durchaus überleben können, wenn man nicht so katastrophale Fehler gemacht hätte. Im Falle von Grundig darf man sehr wohl von Despotie sprechen! Kein Unternehmen kann überleben, wenn Fehler sich geradezu reihenweise wiederholen!
Die Strategie der Personifizierung hat sich ja bereits in der politischen Berichterstattung bewährt, wenn es darum ging, die großen Interessensdisparitäten in schön lesbaren Klatschgeschichten untergehen zu lassen.
Ein Manager hat sich in der Regel für eine Schlüsselposition profiliert und dabei auch als Sachwalter der Interessen der Eigner empfehlen müssen. Wer nun seinen Horizont auf das weitere Umfeld der Beteiligten ausweitet und bei der Verwertbarkeit der Produkte nach ihrem Nutzen für die Kunden fragt, wird ohne Übereinstimmung mit den "Geführten" schnell auf verlorenem Posten stehen, so berechtigt und notwendig seine Entscheidungen ihn diesem Rahmen sich zeigen mögen.
Qui bono ist eine Fragestellung, die hier den Spreu vom Weizen trennen hilft. Die Zockergilde, die dieses Jahrhundert-Unwetter über die Finanzmärkte heraufbeschworen hat, ist bisher nicht durch das Verantwortungsbewusstsein aufgefallen, das für einen erweiterten Horizont bei Führungskräften selbstverständlich sein kann und in einigen, wenn auch seltenen Beispielen, schon war.
Ist Herr Schrempp ein repräsentativer Manager?
Hauptsache, man kann gegen Manager polemisieren. Ein Armutszeugnis für Sie.
Man sollte getrost die Floskeln Helden, oder Elite kritisch hinterfragen. Manche dieser " Heroen " haben sich doch schlicht und ergreifen selbst so gesehen und sehen sich immer noch so. Überheblichkeit, Selbstüberschätzung, Machtwahn und Gigantomanie findet man ja bezeichnenderweise öfter in den Teppichetagen. Und da sind sie ja nicht unbedingt allein, wenn sie sich in Ihren " Industriellen-Clubs" treffen, diese besser verdienenden Angestellten, mehr sind sie eben nicht, wie es der Kommentar von -Dagmar Deckstein richtig beschreibt. Zum Teil hat man Unternehmen blind zusammengekauft, Unternehmenskulturen zerschlagen, um dem Shareholder zu frönen! Die sogenannten Investoren verlangen zum Teil irrwitzige Renditen, die diese Herrschaften blind zu schaffen haben. Ein Umdenken, dass die Menschen mit ihren Fähigkeiten das größere " Kapital" darstellen, wird vielen nur sehr schwer bis gar nicht einleuchten. Es ist leider auch ein Irrglaube, dass " Eliten " an den Universitäten herangezogen, besser, heran gezüchtet, werden könnten . " Eliten" werden erst dazu durch ständige besondere und herausragende Leistungen. Die aber nicht unbedingt mit den Zahlen allein zu tun haben. Spätestens hier schließt sich der Kreis. Immerhin nehmen die Stimmen zu, die Neuorientierung anmahnen. Und es sind nicht die ständig als " linke Spinner "verschrieenen Zeitgenossen, sondern eher jene, die die Szenarien in den Unternehmen genau kennen.
Wo ist denn ein Manager ein Held? Der wurde durch die Presse dahin stilisiert. Schremp bei Daimler ist das beste Beispiel. Als jemand der Fokker ruiniert hat wurde er Chef bei Daimler und hat das Unternehmen nachhaltig geschädigt ( durch falsche Weichenstellungen). ABer ich höre noch die Wohlgesänge über ihn.
Und lasst doch mal den armen Herrn Enke da weg. Herr Enke hatte eine psychische Erkrankung und hat darunter wohl schrecklichst gelitten. Er gehört da überhaupt nicht hin. Und ein Held war er überhaupt nicht.
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